Nierengrieß & Nierenkoliken

Nierensteine, welche in Kelchen und Becken der Niere liegen, meist klein, bisweilen jedoch erheblich groß sind; die größten Nierensteine bilden manchmal einen förmlichen Ausguß des Nierenbeckens, haben die Gestalt desselben und können mechanisch den Abfluß des Harns aus den Nieren verhindern, selbst vollständigen Schwund der Nieren und unter Umständen Harnverhaltung, Urämie und den Tod bedingen. Nicht selten geht die durch Steine bedingte, sehr schmerzhafte Entzündung des Nierenbeckens auf die Nieren selbst über und führt zur Nierenvereiterung mit meist tödlichem Ausgang.

Zuweilen kommt es vor, daß der eine oder andre Harnleiter durch einen Harnstein verstopft wird. Dies gibt Veranlassung zur Entstehung der Sackwassersucht der Nieren, indem sich das Nierenbecken zu einem großen, wasserhaltigen Sack umbildet. Werden beide Harnleiter zugleich oder hintereinander durch Harnsteine verstopft, so kann gar kein Harn mehr abgeschieden werden, und der Kranke muß unfehlbar an Harnverhaltung sterben. Kleinere Steine können von dem Nierenbecken durch die Harnleiter in die Blase transportiert werden. Dieser Transport ist in der Regel mit furchtbar heftigen Schmerzen verbunden, welche von dem Krampf der Harnleiter abhängen und unter dem Namen der Stein- oder Nierenkolik bekannt sind. Die Behandlung der Nierensteinkrankheit und der Nierenkolik kann sich fast nur auf Verminderung der heftigen Schmerzen richten.

Quelle:
Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892