Muskeln

Muskeln (lat. Musculi, »Mäuschen«), die Bewegungsorgane der mehrzelligen Tiere, bestehen aus einer, mehreren oder vielen Zellen, deren protoplasmatischer Inhalt sich auf einen Reiz hin zusammenziehen u. so die mit ihren Enden in Verbindung stehenden Gegenstände (Knochen [...] etc.) von der Stelle rücken kann. Man unterscheidet glatte und quergestreifte Muskeln; [...] die erstern, einfachern sind nichts als kontraktile, sehr in die Länge gezogene Zellen [...], die letztern gehen meist aus der Verschmelzung einer Reihe Zellen zu einer Faser hervor und enthalten immer mehrere Kerne, sind also mehreren Zellen gleich zu setzen.


Die Haut [...] einer solchen Faser (Muskelfaser oder Primitivbündel) heißt Sarkolemma [...]; der Inhalt ist in eigentümlicher Weise quer gestreift und zerfällt bei Behandlung mit gewissen Reagenzien leicht in eine Anzahl noch feinerer Fasern (Primitiv- oder Muskelfibrille, [...], was bei der glatten Muskelfaser nicht der Fall ist. Nur selten jedoch besteht der ganze Muskel aus einer einzigen Faser; gewöhnlich vereinigen sich viele nebeneinander gelegene zu einem Bündel und mehrere Bündel erst zu einem Muskel (im engern Sinn).


Hexenschuß, Lenden- und Kreuzschmerz, welcher plötzlich eintritt und das Beugen des Rückens hindert, ist in der Regel einfacher Rheumatismus der Lendenmuskeln, kann aber auch auf Zerreißung einzelner Muskelfaserbündel der Rückenstrecker infolge allzu schneller und kräftiger Bewegung und der darauf folgenden Entzündung beruhen. Beim Hexenschuß liegt der Patient am besten zu Bett, [...] denn Wärme [...] und Ruhe reichen zur Heilung des Übels hin, welche meist schon nach wenigen Tagen erfolgt.

Zuweilen bessern sich die dabei vorhandenen Lendenschmerzen auffallend schnell, wenn man einige blutige Schröpfköpfe auf die schmerzhafte Gegend ansetzt. Der Name stammt daher, daß man annahm, die Hexen könnten ohne äußere Verwundung einem Menschen oder Tier vermittelst eines sogen. Albschosses (Albgeschoß) allerlei schädliche und schmerzende Dinge in den Körper hexen, namentlich Tiere (gute Dinger oder Holden), Haarballen, Nägel, [...] Nadeln [...] und dergleichen seltsame Dinge mehr. In den Hexenprozessen kamen häufig solche Prozeduren zur Anklage, gewöhnlich sollte der den Menschen treffende Schuß nach seinem Bild (vgl. Bildzauber) gerichtet gewesen sein. 


Quelle: Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892