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Blutung (Haemorrhagia), das Austreten von Blut aus den natürlichen Röhren
[...] und Gefäßen, welches, wenn es nur tropfenweise geschieht, Stillicidium sanguinis, wenn es aber in kurzer Zeit in bedeutender Menge stattfindet, Blutfluß oder Blutsturz wird. Jeder größere Blutaustritt setzt eine Verletzung der Blutgefäßwand voraus, so daß das Blut aus dem geöffneten Gefäß
[...] ausströmen kann (Extravasation des Bluts). Indessen hat man neuerdings durch Versuche und direkte mikroskopische Beobachtung festgestellt, daß namentlich kleinere Blutungen auch ohne Gefäßzerreißung entstehen können, nämlich auf die Art, daß die Blutkörperchen
[...] durch die unverletzte Gefäßwand gleichsam durchsickern (Blutung per diapedesin).
Man unterscheidet arterielle, venöse und kapilläre Blutungen, je nachdem das Blut aus einer Arterie,
[...] einer Vene oder aus den feinsten Haargefäßen austritt. Die Blutung ist im allgemeinen um so reichlicher, je größer das blutende Gefäß, je stärker der in ihm herrschende Blutdruck, je größer die Ausflußöffnung und je geringer die Widerstände sind, welche dem Abfließen des Bluts entgegenstehen; doch gibt es mannigfache Abweichungen. Reißt z. B. die Herzwand selbst oder eine krankhaft erweiterte Aorta, so tritt im ersten Fall nur so viel Blut aus, als der Herzbeutel fassen kann, während im andern Fall die Menge je nach der Lage des Durchbruchs viel reichlicher, d. h. augenblicklich tödlich, zu sein pflegt; die Verletzung einer großen Vene ist zuweilen mit weniger Blutverlust verbunden als eine auf Durchsickern beruhende sogen. parenchymatöse Blutung des Darms, wie sie bei gewissen Störungen im Pfortaderkreislauf oder bei Phosphorvergiftung nicht so gar selten beobachtet wird.
Quelle: Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 3. Band: Seite 89
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