Wermut

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Wermut

auch: Absinth, Bitterer Beifuß, Wurmkraut

Familie: Korbblütler 

(Asteraceae)

Wormwood (engl.)

 

Lt: Artemisia absinthium

Kleine Pflanzenkunde

Wermut

Wermut wurde bereits 1600 v. Chr. und auch in der Antike als umfassendes Heilmittel eingesetzt. Später mutmaßte man, dass das im ätherischen Öl des Wermuts enthaltene Thujon zu gesundheitlichen Schäden führen könne. Dies galt vor allem für den im 19. Jahrhundert beliebten Absinthlikör. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass die auftretenden Vergiftungserscheinungen nicht allein auf das enthaltene Thujon, sondern vor allem auf den übermäßigen Genuss von hochprozentigem Alkohol zurückzuführen waren. Wermut wächst auf Ödland, Schuttplätzen und an Wegenrändern in ganz Europa. Die ausdauernde Pflanze erreicht eine Wuchshöhe von bis zu einem Meter. Der Stängel ist aufrecht, verzweigt, reich beblättert und silbergrau behaart. Wermut bildet gelbe Röhrenblüten in kleinen Köpfchen aus, die zu einer Rispe angeordnet sind.

Blütezeit: Juni bis September, Sammelzeit: Juni bis August

 

Heilwirkung & Einsatzbereiche

Wermut

Heilend bei: Appetitlosigkeit, Beschwerden der Gallenwege, Magen-Darm-Beschwerden, Völlegefühl, Blähungen, Verdauungsbeschwerden mit leichten Krämpfen, Leberbeschwerden, Blutarmut, äußerlich auch bei schlecht heilenden Wunden, Hautflechten, Insektenstichen

Wirksame Teile:  Wermutkraut (Absinthii herba) - zur Blütezeit gesammelt - Laubblätter und blütentragende Zweigspitzen

Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Bitterstoffe (Absinthin, Artabsin)

Eigenschaften: antipyretisch, antimikrobiell, gallensekretionsfördernd (choleretisch), verdauungsfördernd (sekretolytisch am Gastroninstestinaltrakt)

In der Volksheilkunde - nach Madaus 1938: Im Mittelalter begegnen wir dem Wermut zum ersten Mal im "Hortulus", dem Lehrgedicht des Abtes Walafridus Strabus (9. Jahrhundert), dann bei der Hl. Hildegard, die ihn "wermuda" nennt. Für das hohe Ansehen, das die Pflanze genoss, spricht, dass ihr Tabernaemontanus in seinem Kräuterbuch  13 Folioseiten widmet. Die wichtigsten Anwendungen waren die als Wundmittel, gegen Cholera und Pest, Rheumatismus, Lähmungen, Gelbsucht, Wassersucht, Skorbut, Bleichsucht, Magenleiden, Frauenleiden, Epilepsie usw. Boerhaave empfahl ihn gegen Malaria.

Von Hippokrates wurde der Wermut gegen Gelbsucht, Tetanus und als uterusreinigendes Mittel angewandt. Die hl. Hildegard nutzte ihn gegen Magenschwäche und Zahnschmerz. Als magenstärkend (jedoch nur bei vollem Magen), wurmvertreibend, stuhlerweichend, grimmenstillend, als hilfreich bei Milzstechen, Vergiftungen, Wunden, Schwellungen und als Prophylaktikum gegen Seekrankheit führt Paracelsus den Wermut an. Lonicerus rühmt seine magenstärkende und -wärmende, verdauungsfördernde, appetitanregende, leber- und milzreinigende Kraft und die günstige Wirkung bei Gelb- und Wassersucht, Schlaflosigkeit, Trunkenheit, Fieber. Das Öl soll, in die Ohren geträufelt, das verlorene Gehör wiederbringen, das Kraut mit Honig aufgelegt die gequetschten Glieder heilen. 

   

Rezepturen  &  Produkte

Wermut

Die Anwendung erfolgt innerlich in Form von Aufgüssen, Abkochungen oder auch als Extraktpulver und Tinkturen.

Teeaufguss: Etwa ein Teelöffel (ca. 1,5 g) Wermutkraut wird mit 150 ml siedendem Wasser übergossen und nach etwa 15 Minuten durch ein Teesieb gegeben. In der traditionellen Heilkunde wird der Aufguss auch als Waschung oder Umschlag bei schlecht heilenden Wunden, Hautflechten und Insektenstichen eingesetzt.

  

   

In der Tierheilkunde

  • Wermut unterstützt die Behandlung bei Läuse- und Wanzenbefall: Man kann das betroffene Tier mit einem starken Walnussbaum-Blätterabsud waschen. Anschließend wird das Tier mit pulversiertem Wermut oder pulverisierter Eberraute gepudert. 

  • Traditionell findet Wermut, aufgrund seiner stoffwechselanregenden Eigenschaften, in der Tierheilkunde Anwendung bei Leberschwäche und Lebererkrankungen.

  • Susanne Fischer-Rizzi empfiehlt in ihrem Buch "Medizin der Erde" bei Fressunlust, Abmagerung und allgemeiner Schwäche der Tiere die Anwendung einer Mischung aus feingeschnittenen oder pulverisierten Kräutern: Tausengüldenkraut (2 Mengenteile), Enzianwurzel (2 Mengenteile), Wermutkraut (1 Mengenteil) und Brennnesselkraut (1 Mengenteil) mit Bockshornkleesamen (1 Mengenteil). Je nach Tierart und Gewicht sollten 2 bis 4 EL dem Futter beigemischt werden.   

  • Wermut dient in der traditionellen Tierheilkunde außerdem zur Desinfektion von Wunden und zur Beschleunigung der Narbenbildung/Wundheilung. Dafür werden etwa 50 g der blühenden Sprossenspitzen und Blätter mit einem Liter Wasser gebrüht. Der Absud dient bei angenehmer Temperatur als Waschung oder Umschlag. 

  • Die innerliche Anwendung des Wermuts kann die natürliche Wurmprophylaxe unterstützen.

  • Allgemeine Empfehlung

  

   

In alten Büchern gestöbert

Handbuch der Drogisten-Praxis Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Hérba absinthii. Wermuth.
Artemísia absínthium. Compósitae. Europa, Nordasien.
Das Kraut ist im Hochsommer während der Blüthezeit zu sammeln und wenigstens von den ganz groben Stengeln zu befreien. Vorzuziehen ist das wildwachsende Kraut von trockenen Plätzen. Blätter 2–3 fach gefiedert, Endlappen spatenförmig; Blättchen je nach dem Boden sehr verschieden breit, beiderseits mit silbergrauen Seidenhaaren besetzt. Geruch kräftig, aromatisch, Geschmack stark bitter.
Bestandtheile. Aetherisches Oel, Absinthiin (Bitterstoff).
Anwendung. Als kräftiges magenstärkendes Mittel, namentlich zur Bereitung bitterer Magenschnäpse.
In Südeuropa und England wird meistentheils Artemisia pontica und Artemisia maritima dafür substituirt; beide sind weniger bitter, aber von angenehmerem Aroma.

 

   

Weiterführende Informationen

Kräuterbuch anno 1625

Charakteristik und Beschreibung (engl.)

Quellen

 

Wacholder ] Waldbeere ] Walderdbeere ] Wald-Kiefer ] Waldknoblauch ] Waldkraut ] Waldleberkraut ] Waldmeister ] Waldrettich ] Waldröschen ] Wallwurz ] Walnuss ] Wanzenbeere ] Wanzenkraut ] Warzenkraut ] Wasserklee ] Wasserklette ] Wasserkresse ] Wasserlinde ] Wassersenf ] Wegdistel ] Wegerich, großer ] Wegkümmel ] Wegleuchte ] Wegtritt ] Wegwarte ] Weide (Silber-) ] Weinblume ] Weinraute ] Weinrebe ] Weißdorn ] Weiße Osterblume ] Weiße Rosskastanie ] Weiße Taubnessel ] Weißer Dorant ] Weißer Kümmel ] Welscher Kümmel ] Welscher Quendel ] [ Wermut ] Wiesenflachs ] Wiesen-Kuhschelle ] Wiesenkümmel ] Wiesenlattich ] Wiesenschaumkraut ] Wilde Erdbeere ] Wilde Kastanie ] Wilde Malve ] Wilde Zichorie ] Wilder Buchs ] Wilder Fenchel ] Wilder Holunder ] Wilder Hopfen ] Wilder Majoran ] Wilder Thymian ] Wildes Stiefmütterchen ] Wildrose ] Windblume ] Windröschen ] Wintergrün ] Winterlinde ] Wohlgemutkraut ] Wohlverleih ] Wollblume ] Wollgras ] Wolfsbeere ] Wolfsgift ] Wolfstrapp ] Wundbaum ] Wundkraut ] Wundwurz ] Wurmkraut ] Wurmkraut II ]

 

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