Wacholder

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Wacholder

auch: Kranawittstrauch, Machandel

Familie:

Zypressengewächse

 (Cupressaceae)

Juniper (engl.)

 

Lt: Juniperus communis

Kleine Pflanzenkunde

Wacholder gedeiht in Heideregionen, auf Sandböden in Europa und gilt in einigen Ländern als geschützte Pflanze. 

Der Wacholderstrauch erreicht Wuchshöhen von bis zu sieben Metern. Die Pflanze zählt zu den Koniferen (Zapfenträger). Die Äste stehen aufrecht, buschig, mit blaugrünen, nadelförmigen Blättern. Der Wacholder blüht hellgelb in den Achseln der Nadelquirle eines Zweiges. Reife Beerenzapfen sind im dritten Jahr auffallend blauschwarz gefärbt und erst dann können sie gesammelt werden. 

Blütezeit: April bis  Mai, Sammelzeit: April bis Oktober

  

Heilwirkung & Einsatzbereiche

 

 

Heilend, fördernd und kräftigend für: Verdauungsorgane, Gelenke, Muskeln, Blase, Niere

Anwendung bei: Magen-Darm-Beschwerden, Verdauungsbeschwerden, Magenkrämpfe, Völlegefühl, Blähungen, auch bei: Bronchitis, Diabetes, rheumatischen Beschwerden, Arthritis, Nierenbeckenentzündung, Blasenentzündung

Eigenschaften: schweißtreibend, antihyperton, hypoglykämisch, antiexsudetiv, antiviral, krampflösend (spasmolytisch), blähungstreibend (karminativ), verdauungsfördernd (antidyspeptisch), harntreibend

Wirksame Teile: Wacholderbeeren (Juniperi fructus)

Inhaltsstoffe: ätherisches Öl  (Hauptbestandteile: Terpenkohlenwasserstoffe), Flavonglykoside, Gerbstoffe, Zucker, Harze, Wachse

  

Rezepturen & Produkte

Neben der Verwendung als Küchengewürz, werden Wacholderbeeren auch in Heiltees oder das ätherische Öl (in Form von Kapseln) eingenommen. Ganze, gequetschte oder gepulverte Wacholderbeeren werden für Aufgüsse, Abkochungen, Tinkturen und weinhaltige Auszüge verwendet. Äußerlich können Abkochungen (oder entsprechende Fertigpräparate) auch für Einreibungen genutzt werden. 

Teeaufguss: Ein Teelöffel ( 2,5 g) frisch zerstoßene Wacholderbeeren mit 150 ml siedendem Wasser übergießen und nach etwa zehn Minuten durch ein Teesieb geben. Die Tagesdosis liegt bei zwei Gramm bis maximal zehn Gramm der getrockneten Wacholderbeeren, was ungefähr 20 bis 100 Milligramm ätherischem Öl entspricht. 

Beachten: Wacholderbeerzubereitungen sollten während der Schwangerschaft und bei entzündlichen Nierenerkrankungen nicht angewendet werden.

  

   

In der Tierheilkunde

  • Wacholder wird in der traditionellen Tierheilkunde gegen Räude und Krätze eingesetzt. Das Haarkleid des betroffenen Tieres wird mit Wacholderöl eingerieben, ein starker Absud kann ebenfalls hilfreich sein. Durch die Anwendungen mit Wacholder kann es zu vorübergehenden Verfärbungen des Haarkleides kommen. Hinweis: Räude bei Schafen, Rindern und Pferden ist ansteckend und daher anzeigepflichtig.

  • Traditionell wird, um bei Hunden den Heilungsprozess nach Erkrankungen des Verdauungstraktes zu fördern, ein milder Wacholderbeeraufguss dem Futter in kleinen Mengen beigemischt. Insbesondere bei Hunden wirkt der Wacholder stoffwechselfördernd und harntreibend. Man kann auch zerdrückte Beeren dem Futter beimischen.

  • Wacholderbeeren entfalten auch bei Tieren ihre stoffwechselfördernde Wirkung und werden als Zusatzfuttermittel für Pferde angeboten. In der Naturheilkunde werden bei Pferden und Eseln mit rheumatischen Gelenkerkrankungen regelmäßig Kräuter der Heu- und Haferration untergemischt: Kresse, Brennnessel, Petersilie, Beinwell, Silberweiden- oder Wacholderrinde, Große Klette und etwas Rosmarin.

  • Wacholder (Juniperus communis) gilt für Kaninchen und Meerschweinchen als unverträglich bzw. wird für diese Tiere als Giftpflanze deklariert.

  • Allgemeine Empfehlung

  

   

In alten Büchern gestöbert

Handbuch der Drogisten-Praxis Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Fructus (Baccae) juníperi. Wachholderbeeren, Kranewittbeeren.
Juníperus commúnis. Cupressinéae. Europa.
Der Ausdruck Bacca, Beere, ist falsch; die Frucht ist keine Beere, sondern eine fleischig gewordene Zapfenfrucht. Die 3 ursprünglich vorhandenen Zapfenblätter verwachsen allmälig zu einer völlig geschlossenen, kugeligen Scheinfrucht von Erbsengrosse; oben noch gekrönt, mit den Andeutungen der Zapfenblätter. Sie reifen erst im 2. Jahre, im ersten bleiben sie hart und grün, im 2. werden sie fleischig, blauschwarz, meist weiss bereift. Fleisch bräunlich markig; 1–3 eiförmige, 3 kantige Samen. Geruch kräftig aromatisch; Geschmack ebenfalls, süss.
Bestandtheile. Aeth. Oel ½–4 % (s. d.); Harz 6–8 %; Traubenzucker 15–25 %.
Anwendung. Innerlich als harntreibendes Mittel; ferner sehr viel in der Veterinärpraxis; auch zu Räucherungen etc. etc. In grossen Massen in der Branntweinfabrikation, in Holland zum Genever, in England zum Gin. Der echte Genever wird übrigens nicht durch Destillation der Beeren mit Branntwein gewonnen, sondern durch Gährenlassen der Beeren selbst, die in Folge ihres starken Zuckergehaltes eine ziemlich bedeutende Ausbeute an Alkohol geben.
Das in manchen Gegenden gebräuchliche Wachholdermus, Succus juniperi inspissatus, oder Roob juniperi, ist ein durch Auskochen der Beeren erhaltenes Extrakt, welches meist als Nebenprodukt bei der Destillation des ätherischen Oels gewonnen wird.
Als beste und grösste Sorte gelten die italienischen Wachholderbeeren, doch liefern die Karpathen die bei Weitem grösste Menge für den deutschen Handel. Gute Wachholderbeeren müssen voll, rund und nicht verschrumpft sein.

 

Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 16. Band: Seite 304

Gemeiner Wacholder (Knirk, Weckholder, Kranatbaum, Kranwet, Kronawettbaum, Kaddig-, Feuer-, Machandelbaum, Sachhandelbaum, J. communis L.), ein 1–10 m hoher Strauch von pyramidalem Wuchs mit aufsteigenden Zweigen, als Baum bis 15 m hoch mit häufig bis fast zur Erde herabreichender pyramidaler Krone, schmal linienlanzettförmigen, zugespitzten, oberseits seichtrinnigen, hellgrünen Nadeln mit breitem, bläulich-weißem Mittelstreifen, die zu dreien geordnet sind, diözischen Blüten und rundlichen, im zweiten Jahre reifenden, schließlich schwarzbraunen, blau bereiften Zapfenbeeren mit drei nicht immer deutlichen Erhabenheiten am Scheitel und drei harten, oben scharf dreikantigen Samen. Er wächst in ganz Europa und Sibirien bis Kamtschatka, in Nordamerika, Grönland, im kaspischen Gebiet und in Nordafrika, in den mittel- und süddeutschen Gebirgen steigt er bis in die subalpine Region; er gedeiht auf ärmlichstem Boden und erreicht ein Alter von 600–800 Jahren. Man benutzt das Holz zu feinen Drechslerwaren, Spazierstöcken und Peitschenstielen. Die Beeren (Quackelbeeren) riechen aromatisch, schmecken gewürzhaft süßlich-bitterlich, enthalten ätherisches Öl und reichlich Zucker und dienen als Küchengewürz, zur Darstellung des Wacholderbranntweins (Genever), als diuretisches Mittel (auch in Form eines Muses) und, wie die trocknen Zweige, zum Räuchern. Auch wird aus den Beeren wie aus dem Holz ätherisches Öl gewonnen. Ein aus dem Holz gewonnener Teer ist als Volksheilmittel berühmt. Man pflanzt den Wacholder in mehreren Varietäten als Zierstrauch und benutzt ihn auch zu Hecken. Wacholderreisig gebrauchten die alten Germanen zu ihren Opfern und beim Verbrennen der Toten. Der Rauch verbrannter Zweige schützt nach dem Volksglauben vor Ansteckung und vertreibt Schlangen und böse Geister. 

   

Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 7. Band: Seite 90

Genever (Gin, Wacholderbranntwein, Steinhäger), ein besonders in Holland beliebter, jetzt auch in Deutschland vielfach mit gutem Erfolg nachgeahmter starker Branntwein, welcher seine Vorzüglichkeit der eigentümlichen Bereitung verdankt. Man verarbeitet ein Gemenge aus 2 Teilen Gersten- und 4 Teilen Roggenmalz, bereitet daraus eine sehr dünne Maische und läßt diese sehr unvollkommen vergären. Das erste Destillat wird über wenig Wacholderbeeren und Hopfen rektifiziert. Man ahmt den Genever nach, indem man gewöhnlichen Spiritus über Wacholderbeeren und Hopfen destilliert oder auch nur mit Wacholderöl versetzt. Von den in Deutschland fabrizierten Sorten sind der Steinhäger (Westfalen) und der Bommerlunder (Schleswig-Holstein) besonders beliebt. 

  

   

Weiterführende Informationen

E-Monographie

Charakteristik und Beschreibung (engl.)

Quellen

 

[ Wacholder ] Waldbeere ] Walderdbeere ] Wald-Kiefer ] Waldknoblauch ] Waldkraut ] Waldleberkraut ] Waldmeister ] Waldrettich ] Waldröschen ] Wallwurz ] Walnuss ] Wanzenbeere ] Wanzenkraut ] Warzenkraut ] Wasserklee ] Wasserklette ] Wasserkresse ] Wasserlinde ] Wassersenf ] Wegdistel ] Wegerich, großer ] Wegkümmel ] Wegleuchte ] Wegtritt ] Wegwarte ] Weide (Silber-) ] Weinblume ] Weinraute ] Weinrebe ] Weißdorn ] Weiße Osterblume ] Weiße Rosskastanie ] Weiße Taubnessel ] Weißer Dorant ] Weißer Kümmel ] Welscher Kümmel ] Welscher Quendel ] Wermut ] Wiesenflachs ] Wiesen-Kuhschelle ] Wiesenkümmel ] Wiesenlattich ] Wiesenschaumkraut ] Wilde Erdbeere ] Wilde Kastanie ] Wilde Malve ] Wilde Zichorie ] Wilder Buchs ] Wilder Fenchel ] Wilder Holunder ] Wilder Hopfen ] Wilder Majoran ] Wilder Thymian ] Wildes Stiefmütterchen ] Wildrose ] Windblume ] Windröschen ] Wintergrün ] Winterlinde ] Wohlgemutkraut ] Wohlverleih ] Wollblume ] Wollgras ] Wolfsbeere ] Wolfsgift ] Wolfstrapp ] Wundbaum ] Wundkraut ] Wundwurz ] Wurmkraut ] Wurmkraut II ]

 

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