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Tollkirsche
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auch: Gemeine
Tollkirsche, Wolfswut, Teufelskirsche
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Familie:
Nachtschattengewächse
(Solanaceae)
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Deadly
nightshade (engl.)
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Lt:
Atropa belladonna
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Kleine Pflanzenkunde
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Merkmale:
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ausdauernde,
krautige, aufrecht wachsende Pflanze
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Wuchshöhen
zwischen 50 und 150 cm
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glockenförmiger
Blütenkelch, Blüten stehen einzeln zwischen den oberen Laubblättern
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braunviolette und innen gelbgrün gefärbte Blüten mit 5 Blütenblättern
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Laubblätter
im unteren Bereich der Pflanze einzeln stehend, weiter oben in Paaren
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Früchte sind eingedrückt-kugelige
schwarz-glänzende Beeren mit einem Durchmesser von durchschnittlich 15 mm
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Die
Samen sind nierenförmig, die Oberfläche ist kleingrubig, bis zu 160
Samen sind enthalten
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Blütezeit:
Juni bis August
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Standort:
warme Laub- und Laubmischwälder mit humusreichen, kalkhaltigen
Böden
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Heilwirkung & Einsatzbereiche
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Inhaltsstoffe:
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Alkaloide
(Hyoscyamin, Apoatropin, Scopolamin u.a.) |
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Vergiftungserscheinungen:
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Pupillenerweiterung , trockene Schleimhaut, gerötete und heiße Haut, Pulsbeschleunigung;
bei starker Vergiftung tritt der Tod durch Atemlähmung ein; Beachten Sie auch die Anmerkungen im Verzeichnis »Giftpflanzen«. |
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Eigenschaften:
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krampflösend |
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Anwendung:
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in der
Augenheilkunde, bei Epilepsie |
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In der Tierheilkunde
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Die
Tollkirsche (Atropa belladonna) ist eine Giftpflanze für Pferde, Esel, Schweine, Hunde, Katzen, Kaninchen,
Meerschweinchen und Vögel. Bei Verdacht auf Vergiftung sollte das betroffene Tier sofort ärztlicher Behandlung unterzogen werden. Es sollte keinesfalls
absichtlich Erbrechen hervorgerufen werden, es sollten auch keine eiweißhaltigen Getränke oder ölhaltigen Substanzen verabreicht
werden - dem Tier möglichst nur etwas Wasser zu trinken geben. Wenn das Tier bereits erbrochen hat, nehmen Sie das Erbrochene in
die Tierarztpraxis mit.
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In alten
Büchern gestöbert
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Christian Friedrich Samuel Hahnemann (Begründer der Homöopathie);
Journal der practischen Arzneykunde und Wundarzneykunst, herausgegeben von C.W. Hufeland, 1796, 2. Band |
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Es ist wahrscheinlich, daß die Belladonnschlafbeere (Atropa
belladonna) wo nicht gar im Tetanus, doch im Trismus (weil sie selbst eine Art davon erregt) und in der krampfhaften
Schwierigkeit zu schlucken (da sie dergleichen selbst so spezifisch erzeugt) hülfreich seyn wird; beides liegt in ihrer
direkten Wirkung. Ob ihre Kraft gegen Hundswuth, wenn sie dergleichen wirklich besitzt, von lezt gedachter Eigenschaft
allein herrühre oder auch zugleich von der palliativen Kraft der
Belladonne, auf mehrere Stunden die in der Hundswuth so hoch steigende Reitzbarkeit und Ueberempfindlichkeit zu unterdrücken,
lasse ich dahin gestellt seyn. Ihre Tugend, verhärtete, schmerzhafte, exulzerirte Drüsen zu beruhigen und aufzulösen, wird
unleugbar durch ihre Eigenheit, in diesen Drüsengeschwülsten einen bohrenden nagenden Schmerz in gerader Wirkung zu erzeugen. Doch
dünkt mir, daß sie in denen von übermäsig erregtem absorbirenden Systeme entstandnen nur entgegengesetzt, das ist, palliativ und
nur auf kurze Zeit wirke, (mit nachgängiger Verschlimmerung, wie bey allen Palliativen chronischer Uebel der Fall ist,) auf die von
allzuträgem Lymphsysteme aber durch ähnliches Krankheitserzeugniß, das ist, bleibend und dauerhaft. (Dann wäre sie gerade in solchen
Drüsenverhärtungen dienlich, wo Fleckenschierling nicht gebraucht werden kann, und dieser dienlich, wo erstere schadet). Da sie
jedoch bei anhaltendem Gebrauche (mittelst ihrer indirekten Nachwirkung) den ganzen Körper erschöpft und bei nur einigermasen
zu sehr erhöheten oder allzu kurze Zeit auf einander folgenden Gaben leicht ein gangrenöses Fieber erregt, so wird ihre gute
Wirkung gar oft von diesen Nebennachtheilen verschlungen und alles geht dem Tode entgegen (vorzüglich bei Krebskranken, deren Kräfte
zuweilen von mehrjährigen Leiden aufgerieben sind) wenn sie nicht behutsam und bei einigermasen noch robusten Kranken gebraucht wird
– Wuth erregt sie (so wie obgedachtermasen eine Art tonischen Krampf) gerade zu, klonische Krämpfe aber (Konvulsionen) nur als
Nachwirkung mittelst des nach der direkten Wirkung der Belladonne (thierische und natürliche Verrichtungen zu hemmen)
nachbleibenden, Körperzustandes. Daher ist ihre Tugend in Fallsucht mit Raserei verbunden, immer am wirksamsten gegen
leztere gerichtet gewesen, während erstere durch die entgegengesetzte (palliative) Wirkung der Belladonne größtentheils
nur geändert zu werden und in Zittern und ähnliche, mehr geschwächeten, reizbaren Körpern eigne Krämpfe überzugehen
pflegte. Aller Krampf, den die Belladonne in ihrer anfänglichen geraden Wirkung erregt, ist eine Art tonischer; zwar sind die
Muskeln in lähmungsartiger Erschlaffung, aber die mangelnde Reitzbarkeit bewirkt doch eine Art Unbeweglichkeit, und eine
Empfindung von Gebundenheit, als wenn Konstriktion da wäre. Da die Raserei, die sie erregt, wilder Art ist, so besänftigt sie
Rasereien dieser Art, oder benimmt ihnen wenigstens das Stürmische. Indem sie die Rückerinnerung in direkter Wirkung
unterdrückt, so wird die Nostalgie von ihr verschlimmert, auch wohl erregt, wie ich erfahren. Sie wird deshalb im geschwächten Gedächtnisse hülfreich
seyn.
Auch der bemerkte erhöhete Abgang des Harnes, des Schweises, des Monatflusses, des Stuhlgangs und des Speichels, sind blos Folgen
des nachbleibenden entgegengesetzten Körperzustandes von übermäßig erhöheter Reitzbarkeit oder doch Empfindlichkeit, während der
indirekten Nachwirkung, wenn die anfängliche gerade Wirkung der Belladonne verlöscht ist, während welcher alle die genannten
Ausleerungen, wie ich mehrmahls beobachtet habe, oft zehn und mehrere Stunden auf größere Gaben völlig unterdrückt sind. In
Fällen also, wo die genannten Aussonderungen schwierig von statten gehen und eine wichtige Krankheit veranlassen, hebt diese
Schwierigkeit die Belladonne als ähnlich wirkendes Mittel, wenn diese Schwierigkeit Straffheit der Faser, und Mangel an
Reitzbarkeit und Empfindung zur Ursache hat, dauernd und nachdrücklich. Ich sage mit Fleiß, "wichtige Krankheiten" denn nur
gegen solche ist es erlaubt, eine der heftigsten Arzneien, welche so große Behutsamkeit nöthig hat, anzuwenden. Einige Arten von
Wassersucht, Bleichsucht u. s. w. sind in diesem Falle. Die große Neigung der Belladonne, den Sehnerven zu lähmen, macht sie
als ähnlich wirkendes Mittel wichtig in der Amaurosis. Wovon mir selbst sehr gute Wirkungen bekannt sind.
In gerader Wirkung hindert sie den Schlaf, und nur Folge des von dem Nachlasse dieser Wirkung erzeugten entgegengesetzten Zustandes
ist der tiefe Schlaf, der nachgehends entsteht. Durch jene künstliche Krankheit also wird die Belladonne langwierige
Schlaflosigkeiten (etwa von Mangel an Reitzbarkeit) dauerhafter heben, als irgend ein Palliativ.
Man will sie in der Ruhr hülfreich befunden haben; vermuthlich, da sie in direkter Wirkung den Stuhlgang hindert, in der einfachsten
Ruhr mit zurückgehaltener Kothausleerung und seltner Oeffnung, nicht aber in ruhrartigen lienterischen Durchfällen, wo sie
durchaus schaden muß. Ob sie aber in Rücksicht ihrer übrigen Wirkungen der Ruhr angemessen sei, getraue ich mir nicht zu
bestimmen.
Sie erregt Schlagfluß; ist sie, wie man behauptet, im serösen Schlagflusse dienlich befunden worden, so ist es dieser Eigenheit
wegen geschehen. Ueberdies erfolgt in ihrer direkten Wirkung ein innerliches Brennen, mit Kälte der äussern
Theile. Ihre direkte Wirkung dauert 12, 24 bis 48 Stunden. Unter zwei Tagen sollte man daher die Gabe nicht wiederhohlen. Eine
geschwindere Wiederhohlung auch noch so kleiner Gaben muß einer starken Gabe an (gefährlichen) Wirkungen gleichkommen. Dieß lehrt
auch die Erfahrung. |
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Handbuch der Drogisten-Praxis Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893 |
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Rádices belladónnae.
Tollkirschenwurzeln.
Atropa belladonna. Solanéae. Laubwälder Mittel- und Südeuropas.
Pfahlwurzel, bis zu 5 cm dick, aussen bräunlich, innen schmutzigweiss, beim Zerbrechen stäubend. Die Wurzel kommt meist gespalten in den Handel, die einzelnen Stücke erscheinen rückwärts gekrümmt. Geschmack süsslich, später kratzend. Die Wurzel ist sehr giftig. Bestandtheile. Atropin 0,3–0,5 %, Stärke etc. Anwendung. Wird hauptsächlich in den chemischen Fabriken zur Darstellung des Atropins benutzt.
Folia belladónnae.
Tollkirschenblätter.
Atrópa belladónna. Solanéae. Deutschland in Bergwäldern.
Die Blätter sind beim Beginn der Blüthezeit zu sammeln und rasch zu trocknen. Sie sind oval, ganzrandig, zugespitzt; die jüngeren weichhaarig, die
älteren nur an den Nerven und am Blattstiel behaart; charakteristisch für die Blätter ist, dass sie fast stets kleine, runde, dunkelgeränderte Löcher
zeigen. Geruch schwach narkotisch, Geschmack scharf, bitter (sehr giftig!).
Bestandtheile. Atropin, Bitterstoff, Oxalsäure.
Anwendung. Hauptsächlich zur Darstellung des Atropin, Extr. belladónnae etc. In der inneren Medizin als narkotisches Mittel bei Hals-, Nervenleiden
etc. |
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Meyers Konversations-Lexikon,
Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892, Blatt 2.24
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Atropa
L. (Tollkraut, Tollkirsche), Gattung aus der Familie der Solaneen; die einzige Art, Atropa Belladonna L. (gemeine Tollkirsche, Wolfswut, Teufelskirsche, mit fleischiger, bräunlichgrauer, innen gelblichweißer, ästiger, ausdauernder, gegen 0,5 m langer, bis fingerdicker Pfahlwurzel, hohem, ästigem, verholzendem
Stengel, eiförmigen, zugespitzten, kurzgestielten, ganzrandigen, in der Jugend unten drüsig-flaumhaarigen, am Stengel und an den Hauptästen wechselständigen, an den übrigen Ästen paarweise gestellten Blättern, von denen eins stets kleiner ist als das andre, einzeln achselständigen, großen, hängenden, glockenförmigen, braunvioletten Blüten und kugeliger, glänzend schwarzer, sehr saftiger, säuerlich-süßer, vielsamiger Beere auf dem sternförmig ausgebreiteten Kelch, findet sich in Gebirgswäldern, vorzüglich in Laubwäldern im mittlern und südlichen Europa, auch in West- und Mittelasien, und ist eine der gefährlichsten inländischen Giftpflanzen, deren kirschenähnliche Beeren durch ihr lockendes Ansehen oft schon Unerfahrenen Gesundheit und Leben gekostet haben.
Auch die Wurzel und Blätter gehören zu den heftigsten narkotischen Giften und verdanken diese Eigenschaft einem Gehalt von Atropin, welches sich am reichlichsten in der fade süßlich, dann bitter und scharf schmeckenden Wurzel findet; neben demselben kommt ein andres Alkaloid, das Hyoscyamin, vor, welches sich außerdem im Bilsenkraut findet. Die Wirkung der Belladonna ist genau dieselbe wie die des Atropins und nur dem Grad nach verschieden. Wurzel und Blätter der Pflanze sind offizinell. Bei Vergiftungen mit Belladonna sind zunächst Brech- und Abführmittel zu geben. Den Alten scheint die Pflanze unbekannt gewesen zu sein; sie wird zuerst von deutschen Ärzten und Botanikern des Mittelalters erwähnt. In Italien
soll die Belladonna wegen der pupillenerweiternden Wirkung zu einem Schönheitswasser benutzt worden sein und davon den Namen Belladonna (»schöne Frau«) erhalten haben.
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Weiterführende
Informationen
Charakteristik und Beschreibung (engl.)
Quellen |
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