Tausendnessel

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Brennnessel, große

auch: Haarnessel, Große Brennnessel, Hanfnessel, Nesselkraut, Scharfnessel, Tausendnessel

Familie

Nesselgewächse 

(Urticaceae)

Stinging Nettle (engl.)

 

Lt: Urtica dioica

Kleine Pflanzenkunde

Große Brennnessel

Die Pflanze wächst bis zu 160 cm hoch und ist ausdauernd krautig. Der Stängel steht aufrecht, ist unverzweigt und vierkantig. Die gesamte Pflanze ist mit Brennhaaren überzogen. Die Blätter sind gegenständig gestielt, eiförmig lanzettenartig,  vorn lang zugespitzt, gesägt und behaart. Die Blütenstände sind  rispenartig. Die Brennnessel ist von der Wurzel, über Stängel und Blätter bis hin zur Blüte heilkräftig.

Blütezeit: Juli - Oktober / Sammelzeit: Mai - Juni (Wurzeln im Frühjahr oder Herbst graben)

 

Heilwirkung & Einsatzbereiche

 

Große Brennnessel

Heilend, fördernd und kräftigend für: Ausschwemmung, Blutreinigung, Entgiftung, Entschlackung, Blutkreislauf, Durchblutung, Blutdruck, Galle, Haare und Kopfhaut, Hautirritationen, Pflege der Haut, Leber, Nieren, Vitalisierung, Steigerung der Leistungsfähigkeit, Anregung des Stoffwechsels, Förderung der Wasserausscheidung, Bauchspeicheldrüse

Anwendung bei: Blutarmut, Gelenkrheuma, Muskelrheuma, Gicht, Haarausfall, schütterem Haarwuchs, Hautleiden, Hexenschuss, Nierenfunktionsstörung, Erkrankungen und Entzündungen der Harnwege, krankhafte Urinverhaltung, Gallenleiden, Milzerkrankungen, Verschleimung des Magens, bei Magenkrämpfen und -geschwüren, Darmgeschwüren, Lungenerkrankungen, zur Frühjahrskur, Entschlackung, Ausschwemmung, bei Viruserkrankungen, Erschöpfungszuständen, Wassersucht, Bluterkrankungen, Allergien, Heuschnupfen, Gefäßverengungen (Raucherbein), Durchblutungsstörungen und Herzkranzgefäßverengungen

Eigenschaften: stoffwechselfördernd, blutreinigend

Wirksame Teile: Kraut/Blätter, Wurzel, Blüten (Flavonoide, Sterole, Isolectine)

Anwendungsarten: Innerlich als Tee - um die wertvollen Wirkstoffe zu erhalten, wird der Tee nur gebrüht. Äußerlich als Absud und Tinktur für Waschungen, Einreibungen, Fußbäder, Vollbäder und Haarwasser.

  

Rezepturen & Produkte

 

Große Brennnessel

Teeaufguss: 1 geh. Teelöffel auf 1/4 Liter Wasser - nur brühen und kurz ziehen lassen.

Brennnesseltinktur: Die Wurzeln mit einer Bürste waschen, klein schneiden und bis zum Hals in eine Flasche füllen. Mit 38%igem bis 40%igem Kornbranntwein übergießen und 14 Tage an einer warmen Stelle stehen lassen.

Fußbäder: Je 2 geh. Hände gewaschener, gebürsteter Wurzeln sowie frische Brennnesselstängel und Blätter werden über Nacht in ca. 4 Liter Wasser angesetzt und am nächsten Tag bis zum Kochen erhitzt. Die Füße werden bei angenehm warmer Temperatur darin 20 Minuten gebadet. Die Brennnesseln bleiben während des Fußbades im Wasser. Wieder angewärmt, kann man dieses Fußbad zwei- bis dreimal verwenden.

Kopfwäsche: Ca. 6 geh. Hände frische oder getrocknete Brennnesseln werden in einem Fünf-Liter-Topf mit kaltem Wasser auf kleiner Flamme langsam bis zum Kochen gebracht und dann fünf Minuten ziehen gelassen. Verwendet man Brennnesselwurzeln, dann setzt man zwei gehäufte Hände über Nacht mit kaltem Wasser an, erhitzt sie am nächsten Tag bis zum Kochen und lässt sie dann ca. 15 Minuten ziehen.

Kräuter-Haarwasser: 20 g Arnika, 20 g Buchsbaum, 15 g Klette, 15 g Brennnessel, 10 g Birke, 10 g Rosmarin und 10 g Lavendel werden etwa 5 Minuten lang in etwa 2 L gutem Essig gekocht. Anschließend muss der Sud etwa 30 Minuten ziehen. Die Kräuter durch ein feines Sieb abseihen und in eine wiederverschließbare Flasche füllen. Mit dem Kräuter-Haarwasser die Kopfhaut täglich sanft einreiben und das Haar danach wie gewohnt trocknen und frisieren. Anwendung bei Haarausfall, schütterem Haarwuchs und zur Pflege der Kopfhaut.

  

   

In der Tierheilkunde

Für zahlreiche Tierarten ist die Brennnessel ein Stärkungs- und Heilmittel:

  • In der Veterinärmedizin in Form von Brennnesselöl zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung bei stumpfen Verletzungen, offenen Wunden, Hauterkrankungen und Eutererkrankungen.

  • In der Veterinärmedizin in Form von Brennnesselöl bei Panaritium (Entzündung durch eine Infektion mit Staphylokokken und Streptokokken, seltener durch eine Infektion mit anderen Bakterien).

  • Brennnessel wirkt bei Tieren ebenfalls hartreibend und appetitanregend und wird bei Anämie aufgrund der wertvollen Inhaltsstoffe eingesetzt. Außerdem als blutstillendes Mittel bei Lungen- und Darmblutungen.

  • Brennnesselsamen regen die Legeleistung der Hühner stark an. Frische, gehackte Brennnesseln sind ein optimales Aufzuchtfutter für junges Geflügel. 

  • Traditionell wird ein Brennnessel-Absud als lauwarme Waschung angewendet, um Hauterkrankungen bei Hunden zu lindern und zu heilen. Brennnesseltee kann auch innerlich verabreicht werden, durch Beigabe zum Futter.

  • Bei Hunden kann das Pulver aus getrocknetem Brennnesselkraut gelegentlich unters Futter gemischt werden und gibt ein glänzendes Fell, beugt zusätzlich rheumatischen Erkrankungen vor. Die Blutreinigung und Entgiftung bei Hunden wird mit einem milden Aufguss von Großer Klette und Brennnessel unterstützt. Zur Förderung und Gesunderhaltung der Verdauung von Hunden, 
    kann regelmäßig eine Mischung aus frischen Petersilien-, Kresse-, Löwenzahn- und Brennnesselblättern dem Futter beigemischt werden.

  • Auch wird bei Leberproblemen und Gelbsucht der Hunde ein milder Aufguss aus Knoblauch, Löwenzahn, Hopfen und Brennnessel dem Futter beigemischt, um Heilung und Linderung zu verschaffen.  

  • Pferde erhalten durch Brennnesselsamen ein glänzendes Fell. Die Samen dienen der allgemeinen Gesunderhaltung und stärken das Immunsystem. Traditionell wird bei Pferden und Eseln 
    mit mit Erkrankungen der Nieren und Harnwege gehackte Petersilie, Wegwarte und Brennnessel dem Futter beigemischt. Brennnesselkraut wird als Zusatzfuttermittel für Pferde angeboten.

  • Auch bei rheumatischen Gelenkerkrankungen der Pferde und Esel kann regelmäßig ein Absud von Brennnesseln dem Futter beigemischt werden. Zusätzlich sollten frische Brennnesseln dem Futter zugegeben werden. 

  • Brennnesseln regen die Milchproduktion der Wiederkäuer an. 

  • Brennnessel in einer Kräutermischung zur Linderung und Vermeidung der Folgeerscheinungen einer Vergiftung: Täglich 1 TL bzw. 1 EL (abhängig vom Gewicht des Tieres) der folgenden Kräutermischung unter das Futter geben: Ackerschachtelhalm, Artischocke, Birkenblätter, Brennnessel, Fenchel, Gänseblümchen, Holunderblüten, Klee, Lindenblüten, Löwenzahn, Schafgarbe und Spitzwegerich (Nach Angaben des Instituts für Veterinärpharmakologie und -toxikologie)

  • Brennnessel als Bestandteil einer Frühjahrs- und Entschlackungskur für Tiere - als Tee oder Frischpflanze dem Futter in kleinen Mengen beigeben: Löwenzahn, Birke, Brennnessel, Petersilie

  • Susanne Fischer-Rizzi empfiehlt in ihrem Buch "Medizin der Erde" bei Fressunlust, Abmagerung und allgemeiner Schwäche der Tiere die Anwendung einer Mischung aus feingeschnittenen oder pulverisierten Kräutern: Tausengüldenkraut (2 Mengenteile), Enzianwurzel (2 Mengenteile), Wermutkraut (1 Mengenteil) und Brennnesselkraut (1 Mengenteil) mit Bockshornkleesamen (1 Mengenteil). Je nach Tierart und Gewicht sollten 2 bis 4 EL dem Futter beigemischt werden.

  • Allgemeine Empfehlung

   

   

In alten Büchern gestöbert

Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 16. Band: Seite 18

Urtica L. (Nessel), Gattung aus der Familie der Urtikaceen, ein- oder mehrjährige Kräuter, selten Sträucher mit gegenständigen, gesägten bis gezahnten, selten eingeschnitten gelappten, meist mit Brennhaaren besetzten Blättern, ein- oder zweihäusigen, grünlichen Blüten in blattwinkelständigen, gepaarten, trugdoldigen, rispig wickelartigen oder knopfigen Infloreszenzen und trockner, eiförmiger oder oblonger, zusammengedrückter Schließfrucht.
Etwa 30 Arten in den gemäßigten Klimaten. Die Brennhaare besitzen eine knopfähnliche, glasartige Spitze, welche bei Berührung mit der Haut leicht abbricht und die letztere ritzt, wobei ein heftig brennender Saft aus der Haarzelle in die Wunde fließt. Urtica dioica L. (große Brennessel), 60–200 cm hoch, mit länglich herzförmigen, grob gesägten Blättern, hängenden Blütenrispen, zweihäusig, ist weit verbreitet und bedeckt oft große Strecken. Urtica urens L. (kleine Brennnessel), 15–30 cm hoch, mit elliptisch eirunden, eingeschnitten gesägten Blättern, aufrechten Blütenrispen, einhäusig, ist ebenfalls weit verbreitet.
Beide nesseln nicht in der Jugend und nicht im Alter; bei schnellem, starkem Angreifen der Pflanze werden die Brennhaare zurückgebogen und verwunden weniger leicht. Beide Nesseln sind Unkräuter; man benutzt sie als Viehfutter, jung als Gemüse (Rußland, Walachei), medizinisch zum Peitschen gelähmter Glieder (Urtikation). Die Bastfaser der großen Nessel ist technisch gut verwertbar und diente vor Einführung der Baumwolle zur Darstellung von Nesselgarn und Nesseltuch.
Nesselzwirnfabriken bestanden noch im Beginn des 18. Jahrh. in Frankreich, Spanien, Schweden, Italien, Deutschland und der Schweiz, die letzte derartige Manufaktur in Leipzig 1720. In jüngster Zeit hat man von neuem Versuche zur Verwertung der Nesselfasern gemacht. Auch andre Arten, wie Urtica cannabina L. in Sibirien, Urtica japonica Thunb. in Japan etc., liefern Bastfasern. Manche exotische Arten sind berüchtigt wegen des starken Nesselns, so die javanische Urtica stimulans L. und die ostindische Urtica crenulata Roxb., welche einen lange anhaltenden wütenden Schmerz verursachen, besonders aber Urtica urentissima Blume (Teufelsblatt), auf Timor, deren Nesseln jahrelang, ja lebenslänglich anhält und bei feuchtem Wetter sich steigert.
Überhaupt werden alle durch Nesseln verursachten Entzündungen durch hinzutretende Nässe verlängert. Früher wurden unsre Nesseln, wie noch jetzt manche exotische, als Arzneimittel benutzt, auch als Aphrodisiaka, wie Urtica membranacea Pair. in Ägypten. Die Knollen von Urtica tuberosa Roxb. werden in Indien gegessen.

 

   

Weiterführende Informationen

E-Monographie

Charakteristik und Beschreibung (engl.)

Quellen

 

Tabakblume ] Tartsenflechte ] Taschenkraut ] Taubenfuß ] Taublatt ] Taubnessel ] Tausendblatt ] Tausendgüldenkraut ] [ Tausendnessel ] Tausendschön ] Teestrauch ] Tempelbaum ] Teufelsauge ] Teufelskirsche ] Teufelsklatten ] Teufelskralle ] Teufelswurz ] Thymian ] Tinnevelly-Senna ] Tollkirsche ] Tormentill ] Trampelklette ] Traubeneiche ] Traubenkerbel ] Traubensilberkerze ] Tremse ] Türkische Kresse ] Tugendsalbe ]

 

 

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