Stieleiche

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Eiche

auch: Eckboom, Eke, Stieleiche, Sommereiche, Traubeneiche

Familie

Buchengewächse 

(Fagaceae)

Pedunculate Oak (engl.)

 

Lt: Quercus robur

Kleine Pflanzenkunde

Eiche

Die Eiche wächst in den Wäldern Mitteleuropas. Der Baum wird bis zu 50 Meter hoch. Der Stamm hat viereckige Borkenschuppen. Die Blätter sind breit, fiederlappig, mit unregelmäßigen, stumpfen, ziemlich tiefen Buchten. Die männlichen Blüten sind gelblich hängende Kätzchen. Die weiblichen Blüten stehen einzeln oder ährenartig auf einem gemeinsamen langen Stiel sitzend. Die eiförmige Eichenfrucht (Eichel) ist  im unteren Teil von einem Becher eingeschlossen. Die Traubeneiche hat deutlich gestielte, glänzende Blätter und einen nur sehr kurz gestielten Fruchtstand (fast sitzend). Die Blattstiele der Stieleiche sind sehr kurz und der Fruchtstand sitzt auf einem bis zu 5 Zentimeter langem Stiel. Die beiden Eichenarten (Stieleiche - Quercus robur, Traubeneiche - Quercus petraea) sind in ihren medizinischen Eigenschaften nahezu gleichwertig. 

Blütezeit:  Mai bis Juni, Sammelzeit: Frühjahr (Rinde), Herbst (Eicheln)

  

Heilwirkung & Einsatzbereiche

Eiche

Heilend, fördernd und kräftigend für: Augen, Hautirritationen, Pflege der Haut, Magen, Zähne und Zahnfleisch

Anwendung bei: Augenlidentzündungen, Durchfall, Ekzeme (entzündliche Hautreaktionen), Fußschweiß, Magen- und Darmschleimhautentzündungen, Zahnfleischbluten , entzündliche Hauterkrankungen, Entzündungen im Mund- und Rachenbereich, Entzündungen im Genital- und Analbereich, Hämorrhoiden, Schuppenflechte, Krampfadern, vermehrte Fußschweißsekretion

Eigenschaften: adstringierend (zusammenziehend), antibakteriell, virustatisch

 

Wirksame Teile: Eichenrinde (Quercus cortex)

 

Inhaltsstoffe: Gerbstoffe, Tannine, Quercitol, Triterpene (u.a.)

  

Rezepturen  &  Produkte

Eiche

Die Anwendung erfolgt äußerlich:

Für einen Aufguss (Umschläge, Spül- und Gurgellösung) werden zwei Esslöffel voll Eichenrinde in 500 ml Wasser angesetzt. Bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum wird mehrmals täglich mit der unverdünnten Abkochung gegurgelt. Die Anwendung von Umschlägen ist geeignet bei Ausschlägen, chronischen, juckenden, nässenden und schuppenden Ekzemen und auch bei Augenentzündungen.

Zum Bereiten eines Teilbades werden etwa 500 g Eichenrinde in 4 bis 5 Litern Wasser ca. 20 Minuten gekocht und anschließend abgegossen. Als Sitz- oder Fußbad sollte diese Abkochung (bei Körpertemperatur) 15 bis 20 Minuten lang zweimal täglich angewendet werden.

Für Vollbäder rechnet man rund 5 g Eichenrinde auf einen Liter Wasser. Vollbäder sind nicht empfehlenswert bei nässenden, großflächigen Ekzemen und Hautverletzungen.

Achtung: Eine innere Anwendung ist nur auf ärztlichen Rat in Form von Fertigarzneimitteln empfehlenswert. Wegen des hohen Gerbstoffgehaltes kann es bei innerlicher Anwendung zu starken Reizungen des Magen- und Darmtraktes kommen.

   

   

In der Tierheilkunde

  • In der Veterinärmedizin finden Eichenrinde äußerliche Anwendung (Emulsionen, Salben, Klauenbäder) - aufgrund antibakterieller, entzündungshemmender und pflegender Wirksamkeit

  • In der Veterinärmedizin zur hautschonenden hochwirksamen Desinfektion, zur Keimabtötung und Entzündungshemmung bei Hauterkrankungen und offenen Wunden als Emulsionen und Salben

  • Traditionell angewandt zur Blutstillung, dafür die Wunde in einem Aufguss von Eichelfruchtbechern baden, anschließend mit Rosmarinpulver pudern.

  • Traditionell eingesetzt gegen Ekzeme, dafür die Eicheln pulverisieren, die kranken Stellen damit bestäuben.

  • Eichenrinde wird bei entzündlichen Hautkrankheiten der Tiere eingesetzt. Dafür werden 1 bis 2 EL der zerkleinerten Rinde (getrocknet) mit 500 ml Wasser 15 Minuten gekocht. Der abgekühlte Sud wird für Umschläge und Kompressen genutzt. Diese Umschläge unterstützen auch die Behandlung von Warzen.

  • Geschälte Eicheln enthalten Quercetin und Gerbsäure und sind aufgrund der Wirkstoffe bzw. Wirkstoffkombinationen in Futtermitteln enthalten.

  • Eiche (Quercus robur) gilt für Pferde und Kühe als unverträglich bzw. wird als für diese Tiere als Giftpflanze deklariert.

  • Allgemeine Empfehlung

   

   

In alten Büchern gestöbert

Handbuch der Drogisten-Praxis Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Córtex quercus. Eichenrinde.
Quercus pédunculáta, Qu. robur, Qu. séssiliflóre. Cupuliférae.
Europa. Die im Frühjahr zu sammelnde Rinde jüngerer Zweige unserer heimischen Eichen. Aussen graubraun mit weisslichen Flecken, innen gelblich bis blassbräunlich, grobfaserig, sehr zäh. Geruchlos, Geschmack bitter, herb.
Bestandtheile. Gerbsäure bis zu 15%. Quercin (krystallinischer Bitterstoff).
Anwendung. Innerlich als Adstringens, äusserlich als Abkochung zu Bädern und Einspritzungen.

Sémina (Glandes) quercus. Eicheln.


Quercus pedunculata, Qu. robur, Qu. sessiflóra, Cupuliférae. Europa.
Die von den Schalen befreiten Samenlappen der Eichel; bräunlich grau; geruchlos; Geschmack herb, bitter.
Bestandtheile. Stärke 30–35 %; Quercit; fettes Oel;
Gerbsäure. Die Eicheln finden immer nur im gerösteten Zustände, als G landes quercus tostae praeparatae, Eichelkaffee, Verwendung. Beim Rösten geht der grösste Theil der Stärke in Dextrin über, zugleich entstehen brenzliche Produkte, die ihm einen dem Kaffee ähnlichen Geruch verleihen.
Anwendung. Als Ersatz des Kaffees, namentlich bei schwächlichen und skrophulösen Kindern.

 

Meyers Konversations-Lexikon, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 5. Band: Distanzgeschäft - Faidherbe, Seite 354 bis 357

Eiche (Quercus L.) Gattung aus der Familie der Kupuliferen, hohe Bäume und Sträucher mit rissiger Rinde, meist großen, ganz schmalen oder breiten und dann oft buchtig gelappten oder fiederspaltigen, abfallenden oder mehrere Jahre bleibenden Blättern und monözischen Blüten, von denen die männlichen geknäuelt in unterbrochenen, fadenförmigen Kätzchen, die weiblichen in wenig- oder einblütigen Blütenständen stehen. Die längliche Frucht wird von der schalenförmigen, aus zahlreichen verkümmerten Deckblättern (oder Schuppen) bestehenden Fruchthülle mehr oder weniger umgeben oder eingeschlossen. Von den 280 Arten gehören Asien 148, Amerika 142 und Europa 17 an. Afrika besitzt keine eigentümlichen und Australien gar keine Eichen. Fast sämtliche Arten haben enge Verbreitungsbezirke.
Die Sommereiche (Stieleiche, Q. Robur L., Q. pedunculata Ehrh., s. Tafel, mit kurzgestielten, fast sitzenden Blättern mit ohrähnlichen Anhängseln an der Basis und nicht leicht mehr als fünf Lappen an jeder Seite, blüht mit der Entfaltung der Blätter und trägt 1–3 sitzende Früchte an einem langen Stiel. Der Stamm hält sich in den ersten 50 Jahren glatt, bildet aber im höhern Alter tiefrissige Borke; die Krone ist nie dicht und wird von vielfach gekrümmten und geknickten Ästen und Zweigen gebildet.
Die Pfahlwurzel dringt bis 2,5 m tief in den Boden, und außerdem treibt der Baum zahlreiche kräftige Seitenwurzeln. Diese Eiche fordert deshalb auch einen tiefgrundigen oder wenigstens bis in bedeutende Tiefe durchdringbaren Boden. Am besten gedeiht sie auf fruchtbarem, lockerm Aueboden der Ebene, wächst aber auch noch in lehmigem, frischem Sandboden, während sie in höhern Lagen gewöhnlich der folgenden Art weicht. Sie findet sich in ganz Europa, im Orient, wahrscheinlich auch in Nordafrika und bildet im russischen Tiefland einen breiten Waldgürtel zwischen dem Finnischen Meerbusen und der Steppengrenze, geht also ostwärts weit über die Buchenwälder hinaus, jedoch nur bis zum Ural, der sie von Sibirien trennt.
Die Eicheln bleiben nur in dem Jahr nach der Reife keimfähig, keimen aber sehr leicht; die jungen Pflanzen wachsen in den ersten 4–6 Jahren sehr ungerade und knickig, erst bei 15–20 Jahren beginnt der Stamm sich zu strecken; im mittlern Lebensalter hat die Eiche den stärksten Zuwachs, im hohen Alter setzt sie nur noch sehr dünne Jahresringe an, und wegen der alsdann eintretenden Kernfäule macht in der Regel ein Sturm dem Leben alter Bäume ein Ende. Eine Eiche bei Saintes, Departement Charente-Inférieure, von ca. 19 m Höhe und 8,7 m Durchmesser wird auf 2000 Jahre geschätzt, und einige Eichen des Muskauer Parks sollen aus der Heidenzeit stammen.
Fruchtbar wird die Eiche ziemlich früh; Samenjahre kehren etwas häufiger als bei der Buche wieder, und ganz samenlose Jahre sind selten. Die Eiche ist sehr vielen Krankheiten ausgesetzt (Sonnenbrand, Stock- und Kernfäule, Wipfeldürre, Krebs). Kein Baum beherbergt so viel Insekten wie sie; besonders bemerkenswert sind die Gallwespen, die hauptsächlich auf Eichen leben. Schädlich werden der Eiche der Maikäfer, Prozessionsspinner, Eichenblattwickler; aber nur in mehreren aufeinander folgenden Jahren wiederholte Entlaubung kann jungen Eichen tödlich werden, alte Eichen sind durch ihr großes Ausschlagsvermögen geschützt.
Das Holz der Eiche hat sehr dicke und breite Markstrahlen (Spiegel, Spiegelfasern) und sehr weite Gefäße; das Kernholz ist heller oder dunkler rötlich graubraun, bisweilen fast braunschwarz, das 8–13 Jahre umfassende Splintholz ist bedeutend heller. Die Härte ist mittelmäßig und die Dichtigkeit ziemlich gering. Es ist unter allen Verhältnissen sehr dauerhaft und dient in der Technik als das wichtigste Schiff- und Wasserbauholz, auch sonst als sehr geschätztes Bau-, Nutz- und Werkholz.
Die Eiche ist schon mit den ältesten naturreligiösen Mythen und Kulten der europäischen Völker eng verknüpft, besonders mit denen der alten Griechen, Etrurier, Germanen, Kelten, Skandinavier, Preußen etc. Die Eiche zu Dodona in Nordgriechenland war der Sitz des ältesten hellenischen Orakels, dessen Willen die Priester aus dem Rauschen ihrer Blätter vernahmen. Bei den Römern war die Eiche dem Jupiter gewidmet (arbor Jovis). Die alten Gallier und Deutschen hielten die Eiche für einen heiligen Baum.
Die Eichenwälder waren den Göttern geweiht, und unter den stärksten und höchsten wurden die Opfer dargebracht. Auch mehrere slawische Völker hielten die Eiche für heilig und brauchten das Eichenholz zu Opferfeuern. Als das Christentum nach Deutschland und in die Länder an der Ostsee drang, wurden viele alte heilige Eichen niedergehauen. Insbesondere soll eine heilige Eiche bei Geismar in Hessen berühmt gewesen sein, welche von Bonifacius gefällt wurde. Auch bei den Juden und Persern stand die Eiche in hohen Ehren. Der Eichenkranz, als Schmuck, war zu allen Zeiten ein ernstes Symbol; in alten Zeiten bekränzten sich die Priester damit, auch war er Belohnung römischer Bürgertugend (s. Corona). Das Eichenlaub ist auf die gotische Ornamentik von bedeutendem Einfluß gewesen.
Eicheln, die Früchte der Eichen, bestehen aus dem dünnen, schalenartigen, zerbrechlichen Fruchtgehäuse, einer zarten, braunen Samenhaut und den aus zwei großen, gewölbten, fleischigen Keimblättern gebildeten Samen, welche unter ihrer Spitze das kleine, aufwärts gerichtete Würzelchen samt dem Knöspchen bergen. Die Eicheln unsrer beiden Eichen (Quercus sessiliflora und Q. pedunculata) schmecken sehr schwach süßlich, dann bald mehr, bald weniger stark bitterlich adstringierend, während die Eicheln mancher südlicher Arten wohlschmeckend sind.
Unsre Eicheln enthalten 7–8 Proz. Gerbsäure, 35–38 Proz. Stärke, 7–8 Proz. unkristallisierbaren Zucker, 3–4 Proz. fettes Öl, 2–5 Proz. Harz, ferner Gummi, Eiweißstoffe, Spuren von ätherischem Öl und Zitronensäure. Die Asche ist reich an Kali und Phosphaten. Ein eigentümlicher Bestandteil ist der Eichelzucker, Quercit C6H12O5 . 

  

   

Weiterführende Informationen

E-Monographie

Kräuterbuch anno 1625

Quellen

 

Saathafer ] Saat-Hohlzahn ] Saatmohn ] Sagenkraut ] Salatblume ] Salbei ] Samwurzel ] Sandbirke ] Sandthymian ] Sauerdorn ] Sauerkrautwurz ] Schafgarbe ] Schafkraut ] Schafzunge ] Scharbockskraut ] Scharfnessel ] Scharlachkraut ] Schlafmohn ] Schlafmützchen ] Schlangenmoos ] Schlangenwurzel ] Schlüsselblume ] Schmalblättrige Kegelblume ] Schnürgras ] Schöllkraut ] Schöllwurtz, kleine ] Schotenklee ] Schuppenflechte, isländische ] Schwanenbrot ] Schwarzbeere ] Schwarze Johannisbeere ] Schwarzer Holunder ] Schwarzer Senf ] Schwarzkümmel ] Schwarztee ] Schwarzwurz ] Senf, schwarzer ] Senna ] Silberdistel ] Silberkraut ] Silberweide ] Skorbutkraut ] Sommerlinde ] Sonnenblume ] Sonnenhut ] Sonnenkraut ] Sonnentau ] Sonnwendgürtel ] Spelt ] Spießdorn ] Spinnendistel ] Spirke ] Spitzwegerich ] St. Jacobskraut ] Stabkraut ] Stachelkümmel ] Stechmyrte ] Steinklee ] Steinlinde ] Sternleberkraut ] Stiefmütterchen ] [ Stieleiche ] Stolzer Heinrich ] Storchschnabel ] Sturmhut ] Suchtkraut ] Sumpfdotterblume ] Sumpfklee ] Süßholz ]

 

 

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