Steinlinde

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Linde

Winterlinde, Steinlinde / Sommerlinde, Wasserlinde / Zwischenlinde

Familie: Lindengewächse

(Tiliaceae)

Lime (engl.)

 

Lt: Tilia platyphylla Scop.,

T. ulmifolia Scop.,

T. vulgaris Hayne

Kleine Pflanzenkunde

Sommerlinde

Der Baum wird bis zu 35 m hoch; die Blätter stehen wechselständig, sind gestielt, herzförmig, scharf gesägt, oberseits kahl und dunkelgrün, unterseits in den Nervenwinkeln rostbraun behaart. Der Blütenstand
ist am Grund mit einem großen, zungenförmigem,
bleich grünlichgelbem Hochblatt verwachsen; die Frucht ist kugelig. Die Linde wächst in Wäldern, Alleen und Parks in Europa, bis 1800 m.

Blütezeit: Juni - Juli    Sammelzeit: Juni - Juli

   

Heilwirkung & Einsatzbereiche

Sommerlinde

Eigenschaften: schweißtreibend (diaphoretisch), reizlindernd

Anwendung: Innerlich als Tee bei Erkältungskrankheiten, grippalen Infekten und Husten

Inhaltsstoffe: Flavonoide, Schleime, Gerbstoffe

Wirksame Teile: Lindenblüten (Tiliae flos), Lindenblätter (Tiliae folium)

Teebereitung: 1 Teelöffel voll Lindenblüten wird mit 150 ml siedendem Wasser übergossen und nach etwa 10 Minuten durch ein Teesieb gegeben. 

Kommission-E (Phytotherapie), Bundesanzeiger 1990: Lindenblätter - Wirksamkeit nicht (ausreichend) belegt; keine Risiken; sog. Nullmonographie; als Hilfsdroge bzw. Geschmackskorrigenz verwendbar

  

In der Tierheilkunde

Die Linde enthält wasserlösliche Schleimstoffe. Diese Schleimstoffe haben lokal 
erweichende, reizmildernde und einhüllende Wirkung auf die Schleimhäute von Mensch und Tier.

  • Lindenblüten in der Veterinärmedizin zur Linderung von Bronchopneumonie (morphologische Verlaufsform der Lungenentzündung) und zur Fiebersenkung als flüssige Zubereitung bzw. als Aerosol.

  • Lindenblüten in der Veterinärmedizin/in der Tierhaltung zur Beseitigung von Fehlern im Stallklima - z.B. zur Neutralisation von Ammoniak, Schwefelwasserstoff und weiteren Schadgasen sowie Bindung „Fällung“ von Staubpartikeln - somit auch zur Hustenlinderung als Bestandteil flüssiger Zubereitungen.

  • Eine Fasten- und Entschlackungskur bei übergewichtigen Tieren und für Tiere mit Haut- und Gelenkproblemen ist empfehlenswert. Eine Kräutermischung aus Brennnessel, Himbeer- und Brombeerblättern, Linden- und Holunderblüten, Hagebutten und Fenchelfrüchten kann dafür als Aufguss dem Futter beigemischt werden.

  • Lindenblüten traditionell zur Linderung und Vermeidung der Folgeerscheinungen einer Vergiftung, als Begleittherapie: Täglich 1 TL bis 1 EL der folgenden Kräutermischung unter das Futter geben: Ackerschachtelhalm, Artischocke, Birkenblätter, Brennnessel, Fenchel, Gänseblümchen, Holunderblüten, Klee, Lindenblüten, Löwenzahn, Schafgarbe und Spitzwegerich (Institut für Veterinärpharmakologie und -toxikologie)

  • Allgemeine Empfehlung

  

In alten Büchern gestöbert

Winterlinde 

 

Handbuch der Drogisten-Praxis Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Flores tiliae. Lindenblüthen.
Tília Europaéa (grandifólia et parvifólia). Tiliacéae. Europa.
Die ganzen Blüthenstande mit dem anhängenden Bracteenblatt. Frisch sehr angenehm riechend, trocken bedeutend schwächer. Geschmack schleimig.
Bestandtheile. Spuren von äth. Oel, Schleim, Gerbstoff.
Anwendung. Im Aufguss als schweisstreibendes Mittel, namentlich bei Kindern.

Meyers Großes Konversations-Lexikon, 1888, Blatt 10.800

Große Bäume mit meist schief herzförmigen, gesägten Blättern, in Trugdolden stehenden und mit dem allgemeinen Stiel einem länglichen und schließlich gelblichen Deckblatt angewachsenen Blüten, in welchen außer Kelch und Krone oft noch eine zweite Reihe Blumenblätter, sogen. Staminodien, sich finden, und ein- oder zweisamiger Nuss. Blüten ohne Staminodien.

Die kleinblätterige Linde (Winterlinde, Steinlinde, T. ulmifolia Scop., T. parvifolia Ehrh.), ein bis 25 m hoher Baum mit zweizeiligen, gestielten, schief rundlich-herzförmigen, zugespitzten, doppelt gesägten, auf der Unterfläche nur in den Winkeln der Hauptnervenäste rostfarbenbärtigen, sonst blaugrünen Blättern, fünf- bis elfblütiger Trugdolde, durch Umwendung des Flügelblattes nach oben gerichtet, blassgelben oder weißlichen Blüten und meist rundlicher, glatter Frucht, findet sich in ganz Europa bis zum Ural und in den Kaukasusländern und ist in unsern Wäldern sehr verbreitet; ausgedehnte Bestände bildet sie besonders im Osten.
Die großblätterige Linde (Sommerlinde, Wasserlinde, T. platyphylla Scop., T. grandifolia Ehrh.), ein bis 30 m hoher Baum mit doppelt gesägten, unten behaarten und meist heller als oben gefärbten Blättern, zwei- bis fünfblütigen, hängenden Trugdolden und deutlich fünf-rippiger Frucht, findet sich wild vielleicht nur in den Wäldern jenseits der Donau im Osten, eingesprengt in Wäldern in Süddeutschland und Österreich, Bestände bildend nur in Ungarn, ist aber bei uns durch Anpflanzungen allgemein verbreitet und variiert in der Gestalt der Blätter und Früchte so stark, dass man mehrfach verschiedene Arten in ihr vermutete. In den Gärten unterscheidet man zahlreiche Varietäten. Sie blüht früher als die vorige Art und schlägt auch früher aus.

 Die Zwischenlinde (T. vulgaris Hayne), mit doppelt gesägten, auf der Unterseite wenig hellern und nur in den Winkeln der Hauptnervenäste graugrünbärtigen Blättern, vielblütigen Trugdolden und eirundlicher, mit abstehendem Filz bedeckter Frucht, findet sich ziemlich verbreitet in Nord- und Mitteleuropa. Die Winterlinde bevorzugt den mehr frischen als trocknen Waldboden der niedern Vorberge und der Ebenen; sie ist über ganz Deutschland bis weit nach Nordosten verbreitet, während die Sommerlinde mehr südlich und westlich vorkommt. Zur Erziehung starker Lindenpflänzlinge säet man im Saatbeet auf gut vorbereitetem Boden in 5 cm tiefe Rillen den Samen ganz dicht, so dass Korn an Korn liegt, und bedeckt ihn 1 cm tief. Der Same keimt meistens erst im zweiten Jahr. Die zweijährigen Pflänzchen werden umgepflanzt (verschult); zur Erziehung starker Pflänzlinge empfiehlt sich eine zweite Umlegung im Pflanzbeet etwa im fünften Lebensjahr. Vor dem zehnten Jahr sind die Pflanzen selten als Alleebäume brauchbar. 

Die Linde zeigt von Jugend an ein freudiges Wachstum und bildet einen anfangs fast immer vollkommen walzenrunden Stamm, der schon in geringer Höhe Äste ausschickt, welche sich gern flach schirmförmig ausbreiten.
Die Krone wölbt sich frühzeitig ab und wird mit dem Alter immer dichter und umfangreicher. Die tief eingreifende und sich weit verzweigende Wurzel befähigt die Linde, den stärksten Stürmen zu trotzen. Sie zeigt überhaupt große Widerstandsfähigkeit gegen allerlei Unbilden ihres Standorts, leidet von Krankheiten und Feinden kaum, und nur das Wild und Weidevieh benagt gern ihre Triebe. Sie besitzt am Stamm und Stock großes Ausschlagvermögen und bildet daher oft große Maserknoten. Im hohen Alter wird sie leicht kernfaul; doch finden sich auch ganz gesunde 400-500jährige Bäume, und überhaupt erreicht die Linde von allen unsern Waldbäumen das höchste Alter.

Das Lindenholz (meist von T. parvifolia) ist ungemein weich und locker, weiß, oft mit einem Stich ins Rötliche, von gleichmäßigem Gefüge, mit kleinen Spiegeln und Jahresringen; es ist gut schneidbar, spaltet leicht, aber nicht eben und glänzt etwas auf frischer Radialfläche. Trocken dauert es sehr lange aus, feucht geworden oder unter Wasser geht es bald zu Grunde. Man benutzt es als Schnitz- und Tischlerholz, die Kohle zum Zeichnen; als Brennholz hat es geringen Wert. Die Lindenblüten gewähren den Bienen reichliche Nahrung, sind offizinell und werden als schweißtreibendes Mittel benutzt. Das durch Destillation mit Wasser daraus bereitete Lindenblütenwasser besitzt nur, wenn es aus frischen Blüten bereitet wurde, einen Geruch; irgend welchen Heilwert hat es nicht.

Unsre Vorfahren hielten die Linde heilig. Alle Dorfangelegenheiten wurden, wie es in einigen Gegenden noch jetzt geschieht, unter einer Linde verhandelt. Hier tanzte und spielte die Jugend und ruhte das Alter aus; ja, es wurde sogar dafür gesorgt, dass die Begräbnisplätze von Linden beschattet waren. In neuerer Zeit schien die schnellwüchsige Pyramidenpappel die Linde zu verdrängen, aber schon beginnt diese wieder in ihre alten Rechte eingesetzt zu werden. Wegen ihrer Dauerhaftigkeit und ihres Alters kann die Linde auch als Merkmal und Grenzzeichen dienen sowie auch zur Befestigung der Festungswälle, wozu man sie namentlich in Holland benutzt.

 

   

Weiterführende Informationen

Volksheilkunde - Kräuterbuch anno 1625

Charakteristik und Beschreibung (engl.)

Quellen

 

Saathafer ] Saat-Hohlzahn ] Saatmohn ] Sagenkraut ] Salatblume ] Salbei ] Samwurzel ] Sandbirke ] Sandthymian ] Sauerdorn ] Sauerkrautwurz ] Schafgarbe ] Schafkraut ] Schafzunge ] Scharbockskraut ] Scharfnessel ] Scharlachkraut ] Schlafmohn ] Schlafmützchen ] Schlangenmoos ] Schlangenwurzel ] Schlüsselblume ] Schmalblättrige Kegelblume ] Schnürgras ] Schöllkraut ] Schöllwurtz, kleine ] Schotenklee ] Schuppenflechte, isländische ] Schwanenbrot ] Schwarzbeere ] Schwarze Johannisbeere ] Schwarzer Holunder ] Schwarzer Senf ] Schwarzkümmel ] Schwarztee ] Schwarzwurz ] Senf, schwarzer ] Senna ] Silberdistel ] Silberkraut ] Silberweide ] Skorbutkraut ] Sommerlinde ] Sonnenblume ] Sonnenhut ] Sonnenkraut ] Sonnentau ] Sonnwendgürtel ] Spelt ] Spießdorn ] Spinnendistel ] Spirke ] Spitzwegerich ] St. Jacobskraut ] Stabkraut ] Stachelkümmel ] Stechmyrte ] Steinklee ] [ Steinlinde ] Sternleberkraut ] Stiefmütterchen ] Stieleiche ] Stolzer Heinrich ] Storchschnabel ] Sturmhut ] Suchtkraut ] Sumpfdotterblume ] Sumpfklee ] Süßholz ]

 

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