Schlangenmoos

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Bärlapp

auch: Drudenfuß, Gichtmoos, Harnkraut, Hexenkraut, Krampfkraut, Schlangenmoos

Familie: Bärlappgewächse

   

Lt: Lycopodium clavatum

Kleine Pflanzenkunde

Kolben-Bärlapp

Abb.: Kolben-Bärlapp

Die moosartige, immergrüne Pflanze kriecht in ein bis zwei Meter langen Ranken mit feinen, dünnen Würzelchen am Waldboden dahin. Aus den Ranken wachsen sieben bis zehn Zentimeter lange, verästelte Stängelchen.

Bärlapp wächst nur in nordseitigen Hochwäldern und Waldrändern ab einer Höhenlage von 600 Metern.

Im Sommer entwickelt die Pflanze gelbliche Kolben, welche Blütenstaub, auch Bärlappmehl genannt, enthalten.

Bärlappgewächse stehen unter Naturschutz (Rote Liste der Pflanzenarten) und sollte über Apotheken und Kräuterhandlungen bezogen werden (vgl. Bundesartenschutzverordnung).

Heilwirkung & Einsatzbereiche

Kolben-Bärlapp

Abb.: Kolben-Bärlapp

Heilend, fördernd und kräftigend für: Blase, Gelenke, Geschlechtsorgane, Harnleiter, Leber, Muskeln, Nieren, Unterschenkel und Füße, Verdauungsorgane, Stärkung und Förderung der Verdauung, bei Verspannungen/Krämpfen

Anwendung bei Gicht und Rheuma, bei chronischer Stuhlverstopfung und Hämorrhoiden.

Bei vielen Menschen konnten Fuß- und Wadenkrämpfe mit Bärlappkissen auskuriert werden. Dafür legen Sie ein, mit frischem Bärlapp gefülltes, Säckchen auf die Schmerzstelle.

Wundheilung: Das Bärlappmehl, in manchen Apotheken auch als Bärlappsporen erhältlich, hilft bei Schwerkranken mit aufgelegenen Stellen in kürzester Zeit die Wunden zu schließen. Man streut das Bärlappmehl feinst verteilt und behutsam auf die offenen Stellen.

Bärlapp unterstützt die Genesung bei Erkrankungen der Harn- und Geschlechtsorgane, Hodenschmerzen und -Verhärtungen (Anwendung als Sitzbad).

Rezepturen & Produkte

Kolben-Bärlapp

Abb.: Kolben-Bärlapp

Teebereitung (Bärlapp darf niemals gekocht, sondern nur mit kochendem Wasser überbrüht werden.): Einen gestr. TL Bärlapp mit 1/4 Liter kochendem Wasser abbrühen, kurz ziehen lassen. Nur eine Tasse täglich, und zwar morgens nüchtern, eine halbe Stunde vor dem Frühstück schluckweise trinken. Bei Leberzirrhose und bösartiger Lebererkrankung werden täglich zwei Tassen getrunken.

Bärlappkissen: Getrockneter Bärlapp (100 g bis 300 g) wird in ein Kissen gefüllt, das über Nacht auf die schmerzhaften Krampfstellen gelegt wird. Dieses Kissen behält seine Wirkung bis zu einem Jahr.

Der Bärlapp wird im Volksmund auch Drudenfuß, Gichtmoos, Krampfkraut und Schlangenmoos genannt. Für Gicht- und Rheumakranke, auch dann, wenn sich bereits Veränderungen der Gelenksformen zeigen, ist Bärlapptee wärmstens zu empfehlen. 

Für ein Sitzbad nimmt etwa 120 g getrocknete Kräuter, füllt damit ein Leinensäckchen oder einen Strumpf zum Einweichen im Wasser. Erneut angewärmt, kann das Badewasser nochmals verwendet werden.

     

   

In der Tierheilkunde

Traditionell wird Bärlapptinktur oder ein Aufguss mit Bärlapp eingesetzt, um die Fruchtbarkeit bei Tieren zu stimulieren bzw., um Unfruchtbarkeit zu heilen. 

Allgemeine Empfehlung

   

   

In alten Büchern gestöbert

Handbuch der Drogisten-Praxis Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Lycopódium (Semen lycopódii). Bärlappsamen, Hexenmehl, Streupulver, Blitzpulver, Wurmmehl.
Lycopódium clavátum. Lycopodiacéae. Nördliches Europa.
Die Pflanze ist krautartig, kriechend, mit ährchenartigen, aufrechtstehenden Sporenträgern. Diese werden im August bis September, bevor sie reif sind und zu stäuben beginnen, eingesammelt, in Gefässen getrocknet und dann ausgeklopft. Das so gewonnene Pulver ist das Lycopodium. Es sind die Sporen der Pflanze, welche in eigenen Sporenbehältern (Sporangien), die in den Blattwinkeln der Sporenträger stehen, sich befinden.
Die Sporen vertreten bei den Kryptogamen die Stelle des echten Samens bei den Phanerogamen; sie unterscheiden sich vom Samen dadurch, dass sie weder Samenlappen noch Keim haben. Ihre wissenschaftliche Bezeichnung ist »Antheridien«, daher wäre richtiger Antheridia statt Semen zu schreiben, eine Bezeichnung, die sich auch hier und da schon eingebürgert hat. Lycopodium ist ein leichtes, blassgelbes, sehr bewegliches, gewissermaßen fliessendes Pulver (Zeichen der Güte und Reinheit). In die Lichtflamme geblasen, blitzartig verbrennend, auf Wasser schwimmend, obgleich spezif. schwerer als dasselbe. Nur nachdem es im Mörser unter starkem Druck zerrieben, lässt es sich mit Wasser mengen. Unter dem Mikroskop zeigt es eine eigenthümliche charakteristische Form; 4 seitig pyramidal, mit gebogenen Flächen, netzadrig, auf den Leisten mit kleinen Stacheln besetzt, dadurch von allen andern Beimengungen zu unterscheiden.
Bestandtheile. Fettes Oel 6 %; Schleim; Spuren von Pflanzensäuren.
Anwendung. Innerlich mit Wasser zu einer Art Emulsion verrieben, gegen Blasenleiden. Meist aber als Streupulver bei dem Wundsein der Kinder.
Als Verfälschungen kommen vor: Blüthenstaub der Fichte, Schwefel, Stärkemehl, Kreide (?). Erstere durch das Mikroskop zu erkennen; letztere fallen beim Schütteln mit Chloroform zu Boden, während das reine Lycopodium obenauf schwimmt. Gutes Lycopodium muss hell von Farbe, frei von Blättern, Stengelchen und leicht fliessend sein. Die bei weitem grösste Menge der Handelswaare stammt aus Russland, doch liefern auch Harz, Rhön und Spessart ziemlich bedeutende Quantitäten.

  

Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 11. Band: Seite 2

LycopodĭumL. (Bärlapp), Gattung der Lykopodiaceen, perennierende, immergrüne, moosähnliche oder halbstrauchartige Gewächse mit kriechendem, dichotom verzweigtem, aufrechte Äste treibendem Stengel, der mit quirlständigen oder spiralig gestellten, kleinen, sitzenden, ganzen, linealischen oder schuppenförmigen, bisweilen zweigestaltigen Blättern dicht besetzt ist. Die Sporangien sitzen einzeln in der Achsel oder auf der Basis der Blätter, sind einfächerig und öffnen sich durch eine Spalte mit zwei Klappen; die sporangientragenden Blätter sind, wie die sterilen, ganz, aber meist schuppenförmig und gewöhnlich zu einer endständigen, walzenförmigen Ähre vereinigt. Einige Arten bilden sogen. Brutknospen, kleine Zweige mit wenigen Blättern, die sich ablösen und zu neuen Pflanzen auswachsen. Die kleinen, knollenförmigen, nur schwach grün gefärbten Prothallien sind erst in neuester Zeit aufgefunden worden. Lycopodium clavatum Lycopodium (Kolbenbärlapp, Schlangenmoos, Drudenkraut, Gürtelkraut, Johannisgürtel, Unruhe), mit weit kriechendem, ringsum dicht beblättertem Stengel, aufrecht abstehenden, in eine Borste auslaufenden Blättern und aufrechten, fruchttragenden Ästen, welche 2–8 gestielte, 3–6 cm lange Ähren tragen, ist nicht selten auf Heiden, in Nadelwäldern, an sonnigen Hügeln in ganz Europa, Asien und Amerika. 
Die Sporen bilden das Hexenmehl (Drudenmehl, Blitz- oder Streupulver, Bärlappsamen, semen Lycopodii Lycopodium). Es ist ein sehr leichtes, zartes, blaßgelbes, geruch- und fast geschmackloses Pulver, welches Wasser nicht annimmt und daher trocknend wirkt. Es dient zum Bestreuen der Pillen, sodann äußerlich zum Betupfen wunder Stellen bei Säuglingen, auch zur Darstellung der Lichtenbergschen elektrischen Figuren und der Chladnischen Klangfiguren sowie als Blitzpulver auf Theatern. Früher nagelte man das Kraut gegen Hexen an Stallthüren, hing es, zu einem Kranz geflochten, als »Unruhe« in Schlafkammern auf oder trug es auch als Gürtel um den Leib.

 

   

Weiterführende Informationen

Charakteristik und Beschreibung (engl.)

Kräuterbuch anno 1625

Quellen

 

Saathafer ] Saat-Hohlzahn ] Saatmohn ] Sagenkraut ] Salatblume ] Salbei ] Samwurzel ] Sandbirke ] Sandthymian ] Sauerdorn ] Sauerkrautwurz ] Schafgarbe ] Schafkraut ] Schafzunge ] Scharbockskraut ] Scharfnessel ] Scharlachkraut ] Schlafmohn ] Schlafmützchen ] [ Schlangenmoos ] Schlangenwurzel ] Schlüsselblume ] Schmalblättrige Kegelblume ] Schnürgras ] Schöllkraut ] Schöllwurtz, kleine ] Schotenklee ] Schuppenflechte, isländische ] Schwanenbrot ] Schwarzbeere ] Schwarze Johannisbeere ] Schwarzer Holunder ] Schwarzer Senf ] Schwarzkümmel ] Schwarztee ] Schwarzwurz ] Senf, schwarzer ] Senna ] Silberdistel ] Silberkraut ] Silberweide ] Skorbutkraut ] Sommerlinde ] Sonnenblume ] Sonnenhut ] Sonnenkraut ] Sonnentau ] Sonnwendgürtel ] Spelt ] Spießdorn ] Spinnendistel ] Spirke ] Spitzwegerich ] St. Jacobskraut ] Stabkraut ] Stachelkümmel ] Stechmyrte ] Steinklee ] Steinlinde ] Sternleberkraut ] Stiefmütterchen ] Stieleiche ] Stolzer Heinrich ] Storchschnabel ] Sturmhut ] Suchtkraut ] Sumpfdotterblume ] Sumpfklee ] Süßholz ]

 

 

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