Schlafmohn

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Schlafmohn

auch: Gartenmohn, Saatmohn

Familie:

Mohngewächse

(Papaveraceae)

Opium poppy, sleep-causing poppy (engl.)

 

Lt: Papaver somniferum

Kleine Pflanzenkunde

 

Schlafmohn

Merkmale:

  • Einjährig Pflanze, Wuchshöhe 60 bis 150 cm

  • Stängel behaart und blaugrün bereift

  • Blätter stängelumfassend, eiförmig, die unteren gestielt

  • Pflanze bildet weiß-gelben Milchsaft

  • Blüte hellviolett bis weiß, etwa 5 cm Durchmesser

  • Blütezeit: Juni bis August

  • Samenkapsel eiförmig mit schwarzen Samen

  

Heilwirkung & Einsatzbereiche

 

Schlafmohn

Eigenschaften: schmerzstillend, beruhigend, einschläfernd

Anwendung: 

  • Samen als Nahrungsmittel und zur Ölgewinnung; morphinhaltiger Milchsaft zur Herstellung von Opium - verwendet als Arzneimittel z.B. bei Operationen, bei Nieren- und Blasenkoliken oder auch bei Depressionen; Morphium auch als starkes Schmerzmittel

  • In der Homöopathie bei Asthma, Reizhusten, Nervenschmerzen, 
    Depressionen

Hinweis: Beachten Sie auch die Anmerkungen im Verzeichnis »Giftpflanzen«.

  

In der Tierheilkunde

Schlafmohn gilt für Pferde, Esel, Rinder und Schweine als unverträglich bzw. wird für diese Tiere als Giftpflanze deklariert. Bei Verdacht auf Vergiftung sollte das betroffene Tier sofort ärztlicher Behandlung unterzogen werden. Es sollte keinesfalls absichtlich Erbrechen hervorgerufen werden, es sollten auch keine eiweißhaltigen Getränke oder ölhaltigen Substanzen verabreicht werden - dem Tier möglichst nur etwas Wasser zu trinken geben. Wenn das Tier bereits erbrochen hat, nehmen Sie das Erbrochene in die Tierarztpraxis mit.

  

In alten Büchern gestöbert

 

Schlafmohn

Merck´s Warenlexikon, 1884, Seite 21.360

Mohn, Papaver L., Familie der Mohngewächse, mit Arten als Unkraut (Klatschmohn und Feld-, Acker-, Sand-, Bastard-, Saatmohn) und Zier- und Nutzpflanzen, als solche der Schlafmohn, P. somniferum L., Garten- und Magsamenmohn, Magsamen, Mab, engl. Sleep-causing Poppy, frz. pavot des jardins, p. somnifère, l'oeillet, holl. heul, slaapbol, heulzand, ital, papavero. Der M. wird angebaut behufs Gewinnung des Öls oder des Opiums und zwar in verschiednen Sorten, welche hauptsächlich nach Farbe der Blüten und Samen unterschieden werden und als Schließ-, Kopf- oder Dreschmohn, dessen Kapseln geschlossen bleiben, und Schüttel- oder Schüttmohn, bei welchem zur Reifezeit die Löcher unter der Kapsel sich öffnen und der Samen ausfallen kann oder ausgeschüttelt wird, Abarten, welche deshalb in zugiger Lage nicht gebaut werden können. Da das Mohnöl gutes Speiseöl ist, so notiert der M. stets um einige Prozente höher, als die Rapsarten.

Der M. gedeiht am besten in leichten und mittleren Bodenarten, nach gedüngten Vorfrüchten (Hackfrucht besonders) und bei bester Bearbeitung, in Reihensaat, mehrfach behackt und nachdem verdünnt. Er leidet von Krankheiten nur wenig (durch einen Schimmelpilz), aber viel durch Vögel (Krähen, Meisen, Spechte besonders), Mäuse, Wind, Regen bei der Ernte und nasse Kälte, die Maden des Weißfleckrüßlers und des Mohnwurzelrüßlers, Engerlinge, Schnecken, verschiedne Blattläuse, Kohleulen und Mohngellenmücken. Geerntet wird der M. im August und September, in Bündeln gebunden und zur Trockne in Puppen aufgestellt, ausgeschüttelt sofort in Kufen oder auf Tüchern oder erst später gedroschen. Bei feuchtem Wetter wächst er leicht aus, bei starkem Wind fällt viel Samen aus. Manche schneiden deshalb auch auf dem Felde die Köpfe ab. Zur Opiumgewinnung werden die noch grünen Kapseln horizontal geritzt, der ausquellende weißliche Saft wird an der Luft bräunlich und teigartig und täglich früh abgeschabt und gesammelt. Das beste Opium kommt aus Kleinasien und zwar von dunkelsamigen Sorten, P. nigrum DC.; in Deutschland ist die Gewinnung unbedeutend, die Qualität den andern Ländern zwar nicht viel nachstehend, aber der Ertrag zu gering – höchstens 10800 g pro ha.
Der weiße M. blüht weiß, bringt weißlichen Samen und ist zum pharmazeutischen Gebrauch vorgeschrieben. Der schwarze M. blüht rosa und hat schwärzliche oder blaugraue Samen. Im Ölgehalt sind beide Sorten nicht verschieden; sie haben dessen bis zu 60%. Beim kalten Pressen erhält man davon etwa 40%, von mildem und angenehmem Geschmack, als Speiseöl dienlich; warmes Pressen bringt noch etwa weitere 10% aus, aber dieses Produkt hat einen ranzigen Beigeschmack und ist nur zu Firnissen und zum Seifekochen dienlich.
Auch das Speiseöl nimmt leicht von fremden Stoffen Beigeschmack an, daher beim Auspressen strenge Reinlichkeit zu beobachten ist. Das Öl ist blaßgelb, dünnflüssig und gehört zu den trocknenden Ölen, wird daher auch zu Malereien und feineren Anstrichen verwendet, besonders zum Verreiben mit helleren Farben, die es weniger verändert als das dunklere Leinöl. Es trocknet langsamer als dieses, wird aber durch längeres Lagern trocknender und zugleich heller. Als Speiseöl kommt Mohnöl erster Sorte dem Baumöl sehr nahe und steht wenigstens gleich mit Sesamöl, Nußöl u. dgl. In der Pharmazie dient reines Mohnöl zur Bereitung von Emulsionen, ebenso die weißen Samen, welche mit Wasser klar gerieben und durchgeseiht die kühlende und beruhigende Mohnmilch geben. Außerdem werden auch die unreifen Mohnköpfe, wenn sie die Größe von Wallnüssen haben, zum Apothekengebrauch abgenommen und getrocknet. Man benutzt sie äußerlich zu schmerzstillenden Umschlägen, einen wässerig-weingeistigen Auszug daraus, mit Zucker versetzt und eingedickt, als Syrupus Diacodii innerlich als narkotisches Mittel.

 

Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892, Blatt: 9.811

Fructus papáveris immatúri (Capita papáveris). Mohnköpfe.
Papáver somníferum Papaveracéae. Orient, bei uns kultivirt.
Die getrockneten, halbreifen Fruchtkapseln des Mohns, sowohl von der weiss- wie blausamigen Varietät. Geruchlos, von bitterlichem, widrigem Geschmack.
Bestandtheile. Etwa die des Opiums, natürlich in weit schwächerem Maßstabe.
Anwendung. Nur höchst selten noch in der Medizin; zur Darstellung des Syrupus diacodii. Die Abgabe im Handverkauf ist, wegen der grossen Gefährlichkeit als Schlafmittel für Kinder, mit Recht verboten.

 

Sémina papáveris. Mohnsamen.
Papáver somníferum. Papaveracéae. Orient, bei uns kultivirt.
Die Samen sind sehr klein, fast nierenförmig, weiss oder graubläulich; geruchlos; von süssem, fettigem Geschmack. Man unterscheidet weissen und blauen Mohnsamen. Zu medizinischen Zwecken darf nur der weisse verwandt werden, während der blaue mehr zu Speisen, Backwerk und als Vogelfutter benutzt wird.
Bestandtheile. Fettes trocknendes Oel (s. d.) bis zu 50 %; Emulsin (eiweissartiger Körper); Spuren der Opiumalkaloide.
Anwendung. Medizinisch in Form von Emulsionen als beruhigendes Mittel, sonst zu Speisezwecken und zur Bereitung des Mohnöls.

Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892, Blatt: 9.811

Papaver somniferum L. (Gartenmohn), einjährig, 60-150 cm hoch, mit kahlem, bläulich bereiftem Stengel und kahlen, länglichen Blättern, von denen die untern gestielt, zerschlitzt, die obern stengelumfassend, eingeschnitten oder ganzrandig sind. Die Kapsel ist kugelig oder oval, kahl, bis 6 cm im Durchmesser. Der Gartenmohn ist vielleicht nur eine Kulturform des auf den Hyèrischen Inseln, Corsica, Cypern und dem Peloponnes heimischen borstenhaarigen Papaver setigerum Dec. und wird bei uns als Zierpflanze und zur Samengewinnung kultiviert. 
Der Mohn verlangt einen milden, warmen Boden in warmer Lage und gedeiht am besten in mildem Kalkmergellehm und sandigem Lehm. Man bringt ihn nach gut gedüngter Hackfrucht früh ins Land und hilft mit Jauche oder Guano nach. Ein Hektar fordert 1 kg Samen. Haben die Pflanzen das vierte Blättchen getrieben, so werden sie gejätet und so gestellt, daß sie 8-10 cm voneinander entfernt stehen. Später behackt man sie und stellt sie 15-30 cm weit voneinander, auch pflegt man wohl noch einmal zu behacken und zu stellen.
Die geernteten Kapseln des Schüttelmohns werden nur ausgeschüttelt, die des Schließmohns werden auf Mohnmühlen zerbrochen und darauf die Samen abgesiebt.Im Orient gewinnt man aus den noch nicht völlig reifen Kapseln das Opium; die getrockneten unreifen Kapseln waren offizinell, sie enthalten bis 0,25 Proz. Morphium und 0,15 Proz. Narkotin, und ihre sehr gebräuchliche Anwendung als schlafmachendes Mittel für kleine Kinder ist deshalb verwerflich. In den reifen Kapseln steigt der Morphiumgehalt auf 2 Proz. Der Mohnsame wird häufig gegessen, noch mehr benutzt man ihn zur Gewinnung des Mohnöls; der weiße Same ist offizinell, er enthält ca. 50 Proz. fettes Öl, 12 Proz. Proteinsubstanzen, 23 Proz. Pektinstoffe, aber keine narkotischen Substanzen und dient zur Darstellung von Emulsionen. 

 

Weiterführende Informationen

Charakteristik und Beschreibung (engl.)

Quellen

 

Saathafer ] Saat-Hohlzahn ] Saatmohn ] Sagenkraut ] Salatblume ] Salbei ] Samwurzel ] Sandbirke ] Sandthymian ] Sauerdorn ] Sauerkrautwurz ] Schafgarbe ] Schafkraut ] Schafzunge ] Scharbockskraut ] Scharfnessel ] Scharlachkraut ] [ Schlafmohn ] Schlafmützchen ] Schlangenmoos ] Schlangenwurzel ] Schlüsselblume ] Schmalblättrige Kegelblume ] Schnürgras ] Schöllkraut ] Schöllwurtz, kleine ] Schotenklee ] Schuppenflechte, isländische ] Schwanenbrot ] Schwarzbeere ] Schwarze Johannisbeere ] Schwarzer Holunder ] Schwarzer Senf ] Schwarzkümmel ] Schwarztee ] Schwarzwurz ] Senf, schwarzer ] Senna ] Silberdistel ] Silberkraut ] Silberweide ] Skorbutkraut ] Sommerlinde ] Sonnenblume ] Sonnenhut ] Sonnenkraut ] Sonnentau ] Sonnwendgürtel ] Spelt ] Spießdorn ] Spinnendistel ] Spirke ] Spitzwegerich ] St. Jacobskraut ] Stabkraut ] Stachelkümmel ] Stechmyrte ] Steinklee ] Steinlinde ] Sternleberkraut ] Stiefmütterchen ] Stieleiche ] Stolzer Heinrich ] Storchschnabel ] Sturmhut ] Suchtkraut ] Sumpfdotterblume ] Sumpfklee ] Süßholz ]

 

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