Rhabarber, chinesischer

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Rhabarber, chinesischer

auch: Handlappiger Rhabarber, Chinesischer Rhabarber

Familie:

Knöterichgewächse

(Polygonaceae)

 

 

Lt: Rheum palmatum,

Rheum officinale 

Kleine Pflanzenkunde

 

Rhabarber, chinesischer

Unser Gartenrhabarber ist nicht die hier besprochene Heilpflanze. Medizinisch genutzt werden zwei andere Arten der Rhabarbergattung. Verwendet werden die mehrere Jahre alten Wurzeln des Rheum palmatum und des Rheum officinale, die meistens aus China eingeführt werden. 

Merkmale: 

  • Mehrjährige bis zu 250 cm hohe Pflanze; 

  • Stängel kräftig, im Blütenbereich verzweigt; 

  • Blätter sehr groß, an dicken, fleischigen, sehr langen Stielen; 

  • Blattspreite rundlich-herzförmig, handförmig gelappt, oberseits etwas rauh mit 3 - 5 handförmigen Hauptnerven und länglich-eiförmigen bis lanzettlichen, spitzen, ungeteilten bis eingeschnitten gezähnten oder fiederspaltigen Lappen; 

  • Blüten klein, in rispenartigen Blütenständen, in den Achseln der oberen Blätter stehend; 6teilige, weißliche Blütenhülle; 9 Staubblätter; 

  • Frucht eine dreiflügelige Nuss

  • Blütezeit: Juni bis Juli / Sammelzeit: ganzjährig

  

Heilwirkung & Einsatzbereiche

Wirksame Teile: Rhabarberwurzel (Rhei radix)

Inhaltsstoffe: Anthranoide, Gerbstoffe

Eigenschaften: blutstillend, abführend (laxierend), in kleinen Dosen adstringierend (z. B. durchfallhemmend bzw. antidiarrhoeisch)

Anwendung: bei Verstopfung innerlich als Tee oder Fertigarzneimittel - bestehend aus den getrockneten unterirdischen Teilen von Rheum palmatum, Rheum officinale

Hinweis: Stimulierende Abführmittel dürfen ohne ärztlichen Rat nicht über längere Zeiträume (mehr als 1-2 Wochen) eingenommen werden. Tee aus Rhabarber sollte nur wenige Tage eingenommen werden.

Dosierung: Etwa ein halber bis ein gestrichener Teelöffel voll kleingeschnittenem Rhabarber wird mit 150 ml heißem Wasser übergossen und nach etwa 10 bis 15 Minuten durch ein Teesieb gegeben. Soweit nicht anders empfohlen, wird bei Verstopfung morgens und/oder abends vor dem Schlafengehen eine Tasse frisch bereiteter Tee getrunken. Bei Magen- und Darmkatarrhen wird mehrmals täglich 1 Esslöffel voll Tee eingenommen.

In der Volksheilkunde: im europäischen Raum zur Appetit- und Verdauungsanregung, bei Magen- und Darmkatarrhen; speziell in Frankreich wird die Droge bei schmerzhaftem Zahnen der Kinder angewandt; in Asien wird die Droge auch bei Gelbsucht, geröteten Augen, geschwollenem Rachen, Darmulcera, Blutungen des oberen Gastroinstestinaltraktes, Blutungen der oberen Atemwege, Unterlaibsschmerzen, Amenorrhoe, Furunkeln, Karbunkeln, Hautgeschwüren und Sturz- und Schlagverletzungen eingesetzt; speziell in Indonesien wird die Wurzel zur Behandlung von Malaria und tropischem Husten eingesetzt

Nach Samuel Hahnemann (Begründer der Homöopathie): »Die Rhabarber ist mehr ihrer Neigung, den Stuhlgang zu fördern, als ihrer adstringenden Kraft wegen in Diarrhöen ohne Materie selbst in den kleinsten Gaben heilsam.« (Journal der practischen Arzneykunde und Wundarzneykunst, herausgegeben von C.W. Hufeland, 1796, 2. Band)

 

In alten Büchern gestöbert

Meyers Konversations-Lexikon, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892, Blatt 13.786

Rheum L. (Rhabarber), Gattung der Polygonaceen, etwa 20 Arten im südlichen Sibirien, Zentralasien, dem Himalaja und Südrußland. Rheum officinale Baillon bis 2 m hoch, mit 15–20 cm über den Boden hervorragendem, mehrköpfigem Rhizom, sehr großen, aus herzförmigem Grund eiförmigen, zugespitzten, handförmig, großfünf- oder siebenlappigen Blättern mit gelappten und gezahnten Abschnitten und dichten, traubigen, zu großen, terminalen Rispen vereinigten Blütenständen, wurde 1867 von Dabry im südöstlichen Tibet entdeckt, wird dort auch kultiviert und findet sich außerdem wahrscheinlich im westlichen und nordwestlichen China. Diese Pflanze liefert in ihrer Wurzel den offizinellen Rhabarber, jedoch stammt derselbe zum Teil vielleicht auch von andern Arten. Diese Pflanzen wachsen auf den Weiden der Hochebene in den chinesischen Provinzen Petschili, Schansi, Schensi, Honan, Kansu, welche sich bis zur Gobiwüste und der Grenze Tibets erstreckt, in Tsinghai und in den Gebirgen von Setschuan; Hauptstapelplatz ist Sining. Über die Gewinnung und Zubereitung der Wurzel ist sehr wenig bekannt; sie wird wohl von sechs- bis achtjährigen Pflanzen gesammelt, alsbald geschält (mundiert), durchbohrt, auf Fäden gereiht, getrocknet, später dann noch auf verschiedene Weise zubereitet.
Die Stücke des Handels sind von unregelmäßiger Gestalt, etwa 10 cm lang, außen gelb, mit weißen, körnig-kristallinischen Feldern, von glänzenden, gelben bis dunkel braunroten Adern durchzogen. Die Wurzel riecht und schmeckt eigentümlich aromatisch, bitterlich 
herb, enthält Chrysophansäure, harzartige Stoffe, ein Glykosid (Chrysophan), Emodin, eigentümliche Säuren, Stärkemehl etc., viel oxalsauren Kalk (welcher beim Kauen der Wurzel knirscht), etwa 13–14 Proz. Asche etc. Der wirksame Bestandteil ist vielleicht die Chrysophansäure, doch ist hierüber nichts Sicheres bekannt.
Rhabarber, welcher bei uns als abführendes Mittel, auch als Stomachikum und tonisches Mittel Anwendung findet, wird in chinesischen Werken bereits 2700 v. Chr. erwähnt und scheint auch schon dem Dioskorides bekannt gewesen zu sein. Eine Wurzel Rha oder Rheon, nach dem Fluß Rha (Wolga) benannt, wird im 4. Jahrh. von Ammianus Marcellinus erwähnt und dürfte unser Rhabarber gewesen sein. Die Rhacomawurzel des Plinius kam zunächst aus den Ländern am Schwarzen Meer und hieß daher Rha ponticum, während die durch das Indusland und das Rote Meer über den alten Hafenort Barbarike zugeführte Rha barbarum hieß. Im 12. Jahrh. wurde der Rhabarber wahrscheinlich auch von Indien aus eingeführt, und später, jedenfalls seit Anfang des 16. Jahrh., gelangte die Wurzel ausschließlich durch Sibirien über Moskau in den Handel, und seit 1804 monopolisierte die russische Regierung den Handel, so daß Rhabarber nur über Kiachta eingeführt wurde (Kronrhabarber, moskowitischer, russischer Rhabarber).
Auch später, nach Aufhebung des Monopols, blieb die amtliche Kontrolle zur Ausschließung schlechterer Ware in Gebrauch und wurde so streng durchgeführt, daß nach Eröffnung der chinesischen Häfen der Rhabarber mehr und mehr den Seeweg einschlug und der Handel über Kiachta endlich ganz einging. Seit 1860 gibt es keinen Kronrhabarber mehr. Der seewärts ausgeführte chinesische (ostindische, Kanton-) Rhabarber ist viel weniger stark beschnitten als der russische und in der Qualität viel gemischter, oft schwärzlich, innen kernfaul.
Als Stammpflanzen des Rhabarbers wurden früher auch Rheum palmatum L., Rheum undulatum L., Rheum compactum L., Rheum australe Don., sämtlich in Mittelasien, genannt; die Wurzeln derselben weichen aber von der Handelsware mehr oder weniger ab. 

 

Merck´s Warenlexikon, 1884, Seite 21.458

Die Rhabarberwurzel (radix Rhei, radix Rhabarbari; frz. racine de rhabarbe) als Artikel des Droguenhandels ist eins der ältesten und in seinen Wirkungen zuverlässigstes Heilmittel. Sie hat sich aus ihrer Alpenheimat wohl verpflanzen lassen und ist bei uns nicht selten in Anlagen und Gärten, aber die medizinische Wirkung der Wurzel, wo sie überhaupt in Anspruch genommen wird, ist abgeschwächt und es können solche Kulturerzeugnisse nur Nebensorten abgeben. Zum medizinischen Gebrauch soll nur die echte asiatische dienen, für welche es herkömmlich zwei Handelswege gab, über Rußland und über China. Der erstere Weg, auf welchem die beste und kräftigste Ware herangebracht wurde, ist aber gegenwärtig ganz weggefallen; die russische, rad. Rh. moscovitica, rossica oder coronalis (Kronrhabarber) fehlt seit Jahren im Handel, angeblich, weil ein darauf bezüglicher Lieferungsvertrag der russischen Regierung mit bucharischen Kaufleuten erloschen ist.
Zuweilen ist nur noch die Rede von Bucharischer Wurzel, welche von tatarischen Kaufleuten ans Kaspische Meer gebracht werden und nach Rußland gelangen soll, aber etwas problematisch und bestenfalls nur eine gelegentliche Erscheinung ist. Die von den Russen gekaufte Ware mußte durch sorgfältiges Auslesen von allem Schlechten befreit und diesem verbrannt werden. Gegenwärtig, wo nur der Bezug durch die Chinesen noch möglich ist, kann man die Ware in früherer Güte nicht, immer haben, denn die chinesische Ware enthält nicht nur Gutes und Schlechtes durcheinander, sondern ist überhaupt geringer und noch dazu häufig durch schlechte Behandlung, vielleicht zu frische Verpackung, fehlerhaft, grau, braun, schwammig etc. Die chinesische Ware besteht meistens nur aus mittel und ordinär, untermengt mit guten Stücken, und Sache der Droguenhandlungen ist es, aus der Masse das beste und das den Anforderungen der Pharmazie leidlich entsprechende auszusondern und zurechtzuputzen (mundieren).
Man arbeitet dabei möglichst auf Gewinnung guter Wurzeln für den Verkauf in Stücken, aber auch die Mundierungsabfälle von solchen haben Wert und dienen zur Darstellung von Tinkturen und Extrakten. Die russische Ware erhielt man in oben und unten abgestutzten, kegelförmigen Stücken oder in Form von Längsschnitten einer größeren Wurzel, welche auf einer Seite flach, auf der andern gewölbt sind. Die Stücke waren stets ganz geschält und fühlten sich rauh an, weil sie gegenseitig abgerieben wurden.
Auf dem Bruche oder Durchschnitt ist der Grund der R. weiß mit roten Streifen und geschlängelten Adern. Je stärker diese rote Marmorierung hervortritt, desto besser ist die Ware, vorausgesetzt, daß sie dabei auch schwer und kompakt, nicht schwammig, daher auch kurzbrüchig und auf dem Bruche feinkörnig ist. Bei der russischen Ware hatten die größeren Stücke eine durchgehende Bohrung, die zum Anreihen behufs des Trocknens gedient hatte, und in der Regel noch eine zweite, trichterförmige, nur bis ins Innere gehende, herrührend von dem Bohrinstrument des Prüfungskommissars.
Die chinesische Ware bildet Stücke von verschiedner Größe; es sind walzenförmige, durch das Schälen kantige Rundstücke, mit einem Bohrloch für die Aufhängeschnur, zum größten Teil aber platte Stücke ohne Durchlochung, nur unvollständig geschält. Bei allen chinesischen Wurzeln tritt die rote Marmorierung, das Zeichen des Gehaltreichtums, schwächer hervor, nicht so gedrängt als bei den russischen; sie geben ein hochgelbes Pulver, jene ein dunkelgelbes.
Geruch und Geschmack der R. ist eigentümlich aromatisch, letzterer dabei bitter; beim Kauen wird der Speichel gelb gefärbt und die Masse knirscht zwischen den Zähnen, infolge des Vorhandenseins von Kristallen oxalsauren Kalks. Die chinesischen Wurzeln riechen stärker und ihr Geschmack ist mehr widerwärtig, sie färben den Speichel gelb. Der Hauptausfuhrhafen für chinesischen R. ist jetzt fast nur noch Shanghai; aus Canton kommt nicht mehr viel.
In Europa wird Rhabarber, um der Wurzeln willen, in Frankreich, England und Österreich gebaut, und zwar in Mähren und an der ungarischen Grenze, namentlich bei Austerlitz; er wird sorgfältig geschält, getrocknet und sehr wohlfeil verkauft. Die Wurzeln sind den chinesischen in Aussehen und Form ziemlich ähnlich, die Wirkungen dagegen bei jeder europäischen Ware schwächer. Sie haben für Veterinärzwecke guten Abgang, in Italien und dem Orient auch für Menschen. Die englische Ware, stärker wirkend, zeichnet sich aus durch ein schönes Äußere und schöne rote Marmorierung im Innern; sie ist nur in der Masse etwas lockerer, als die echte.

 

Weiterführende Informationen

E-Monographie

Quellen

 

Rainfarn ] Rangapfel ] Rankenefeu ] Raponitka ] Ratanhia ] Rauchsalbei ] Rauschpfeffer ] Raute ] [ Rhabarber, chinesischer ] Ribisel ] Riesenbärenklau ] Ringelblume ] Rippenkraut ] Rispal ] Rispenhafer ] Rittersporne ] Römischer Fenchel ] Römischer Kümmel ] Römischer Quendel ] Rosenlorbeer ] Rosmarin ] Rosskastanie ] Rossklettenwurz ] Rosszwadel ] Rosspappel ] Rote Hundsbeere ] Rote Pestwurz ] Roter Aurin ] Rotlaufkraut ] Rundblättriger Sonnentau ] Ruprechtskraut ]

 

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