|
| |
| |
Isländisch Moos
|
auch: Blutlungenmoos, Fiebermoos, Hirschhornflechte,
Graupen, Lungenmoos, Schuppenflechte (isländische), Tartsenflechte, Purgiermoos, Rispal
|
Familie:
Flechten
(Parmeliaceae)
|
|
Iceland
moss (engl.)
|
|
Lt:
Cetraria islandica
|
Kleine Pflanzenkunde
|
|
|

|
Der Name
»Isländisch Moos« ist irreführend, denn bei dieser Pflanze handelt es sich um eine
Flechte (Strauchflechte). Diese Flechte kommt nicht nur in Island vor, sondern ist auf der ganzen nördlichen
Halbkugel beheimatet. Wie alle anderen Flechten zeichnet sie sich dadurch aus,
dass sie eigentlich keinen einheitlichen Organismus darstellt, sondern aus einer Pilz- und einer
Algenart, aufgebaut ist, die beide untrennbar miteinander verbunden sind.
Merkmale:
-
Bis zu 15 cm hohe verzweigte Flechte;
-
flache blattartige Lappen,
gabelig oder geweihartig verzweigt,
-
oberseits oliv bis braun,
unterseits oliv bis fast weißlich, am Rand borstig bewimpert;
-
Geschmack:
bitter
-
Sammelzeit:
September bis November
-
Standort:
Magerrasen, lichte Wälder, Sandböden, Mooren in Mittel- und
Nordeuropa (bis 2700 m)
In der Roten Liste der Pflanzenarten - nach Bundesartenschutzverordnung besonders geschützte Art(en) [Stand 2007]:
Cetraria spp. (Moosflechten)
|
| |
|
|
Heilwirkung & Einsatzbereiche
|
|
|


|
Wirksame Teile: gesamte
Pflanze (Lichen islandicus) - Präparate bestehen meist aus dem getrockneten Thallus
Inhaltsstoffe: Schleimstoffe,
Bitterstoffe
Eigenschaften: reizlindernd,
schwach antimikrobiell
Anwendung: Innerlich als Tee oder Fertigarzneimittel
(galenische Zubereitungen) bei Husten; Mundschleimhautentzündung (Stomatitis);
Rachenschleimhautentzündung (Pharyngitis); Appetitlosigkeit (Inappetenz); Mandelentzündung (Tonsillitis, Angina);
oberflächlichen Wunden; Magenschleimhautentzündung (Gastritis) und Atemwegserkrankungen Rezepturen:
Beim Kochen wird die Droge entbittert und wirkt dann nur noch aufgrund ihrer
Schleime.
-
Für die Behandlung von
Schleimhautreizungen 3- bis 4mal täglich eine Tasse des Teeaufgusses:
1 Teelöffel voll Isländisches Moos wird mit 150 ml siedendem Wasser übergossen und nach
etwa 10 bis 15 Minuten gegebenenfa11s durch ein Teesieb gegeben.
-
Zur Appetitanregung 3- bis
4mal täglich ½ Stunde vor den Mahlzeiten eine Tasse des wie folgt bereiteten Kaltauszuges:
1 Teelöffel voll Isländisches Moos wird mit 150 ml kaltem Wasser übergossen, unter
häufigem Umrühren 1 bis 2 Stunden stehen gelassen, kurz zum Sieden erhitzt und dann gegebenenfalls durch ein Teesieb gegeben.
|
| |
|
In der Tierheilkunde
|
|
|
Isländisches Moos
enthält Schleimstoffe. Die wasserlöslichen Schleimstoffe haben lokal
erweichende, reizmildernde und einhüllende Wirkung auf die Schleimhäute von Mensch und Tier.
-
Isländisches Moos
wird in der Veterinärmedizin/in der Tierhaltung zur Beseitigung von Fehlern im Stallklima
eingesetzt - z.B. zur Neutralisation von Ammoniak, Schwefelwasserstoff und weiteren Schadgasen sowie Bindung „Fällung“
von Staubpartikeln - somit auch zur Hustenlinderung als Bestandteil flüssiger
Zubereitungen.
-
Isländisches Moos
findet in der Veterinärmedizin Anwendung zur Linderung von Bronchopneumonie (morphologische Verlaufsform der Lungenentzündung) und zur Fiebersenkung, innerlich als flüssige Zubereitung.
-
Traditionell
wird die Pflanze, in pulversierter Form, bei stark blutenden Wunden
eingesetzt.
Die
in der Pflanze enthaltenen Bitterstoffe wirken zusätzlich
appetitanregend und verdauungsfördernd.
Allgemeine Empfehlung
|
| |
|
In alten
Büchern gestöbert
|
|
|
Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892,
Band 3, Seite 910
|
|
Cetraria islandica Ach. (Lichen islandicus L., Lungenmoos, isländische Schuppenflechte, isländisches Moos, Tartsenflechte, Purgiermoos, Rispal), mit knorpeligem, aufrechtem, 2,5-10 cm langem, lappig vielteiligem, gewimpertem, blattartig flachem Thallus, grau- oder braungrünlich, kastanienbraun, manchmal blutrot gefleckt, unterseits weißlich, und braunen Apothecien, häufig in Nord- und Mitteleuropa, besonders in Bergwäldern zwischen Heidekraut, wo oft ganze Strecken davon bedeckt sind; sie ist offizinell als Lichen islandicus, fast geruchlos, schleimig, schmeckt stark bitter und wirkt einhüllend, nährend und bitter tonisch.
Die Wirkung beruht auf dem Gehalt an Cetrarsäure und Flechtenstärke, letztere sind die in warmem Wasser gallertartig aufquellenden Zellmembranen dieser Flechte. Das isländische Moos wird bisweilen noch bei Schwindsucht und chronischer, mit Abmagerung verbundener Bronchoblennorrhöe, bei chronischen Diarrhöen und Verdauungsstörungen benutzt. Man gibt es als Abkochung, Gallerte, in Verbindung mit Schokolade etc. Zur Entbitterung (wodurch die tonische Wirkung verloren geht) behandelt man 5 Teile mit 30 Teilen lauwarmem Wasser und 1 Teil Pottaschenlösung, gießt nach einigen Stunden ab, wäscht mit Wasser nach und trocknet. Auf Island,
wo die Flechte besonders kräftig wächst, genießt man sie in Milch; in Zeiten der Not wird sie mit Mehl
zu Brot verbacken. Auch dient sie zur Mästung der Schweine.
|
| |
|
|
Merck´s Warenlexikon, 1884, Seite 21.227
|
|
Isländisches
Moos (Lichen Islandicus, Cetraria islandica), ist weder ein Moos noch wird es von Island bezogen, da wir es in unsern eigenen Bergländern näher haben. Das Gewächs, eine Flechte, hat eine große Verbreitung in der gemäßigten und kalten Zone, siedelt sich aber in der erstem nur auf Bergen in Wäldern wie
auf kahlen Stellen, im Norden dagegen auf dem Flachlande an und wächst stets nur auf dem Erdboden selbst und zwar ohne eigentliche Wurzel, da bei den Flechten Wurzel, Stengel und Laub nicht gesondert sind und als besonderes Organ auf den fruchtbaren Lappen nur noch schwarze Schüsselchen wachsen, welche die feinen Keimkörner direkt bilden und absondern. Diese Flechte wächst mit ihrem Laube - bei den Botanikern Lager - aufrecht und bildet oft dichte, große Flächen überziehende Rasen von 3-9 cm Höhe.
Das Lager ist lederartig im frischen, mehr hornartig und zerbrechlich im trocknen Zustande, vielfach in ungleiche verbogene Lappen geteilt, auf der Oberseite im Leben dunkel olivengrün, getrocknet braun gefärbt, die Unterseite grauweiß, der Grund blutrot gefärbt oder gesprenkelt. Die Ränder der unfruchtbaren Lappen sind schwarz gezähnelt. Die Pflanze besitzt einen schleimigen und bittern Geschmack, der sich bei längerm Kauen immer mehr entwickelt, und es kennzeichnen sich dadurch die beiden Hauptbestandteile, Stärke und Bitterstoff.
Die Flechtenstärke (Lichenin) zeigt sich von der gewöhnlichen in einiger Hinsicht verschieden, teilt aber mit ihr die Eigenschaft, durch kochendes Wasser in einen Kleister verwandelt zu werden. Die bittere Substanz, die man Cetrarin, oder weil sie sich wie eine schwache Säure verhält, Cetrarsäure genannt hat, sieht in reinem Zustande weiß aus und hat ihren Sitz hauptsächlich in der äußersten feinen Zellschicht der Pflanze, bildet haarfeine Tadeln und schmeckt intensiv bitter, obwohl sie nur eine geringe Löslichkeit im Wasser besitzt.
Ihre Verbindungen mit Alkalien sind löslich und schmecken daher noch viel bitterer. Durch Digerieren der Flechten mit heißem Wasser oder mit solchem, das etwas Alkali wie Pottasche etc. in Lösung enthält, kann man den bittern Stoff vollständig ausziehen und dann durch Abkochen eine geschmacklose Gallerte herstellen, die man aber gewünschten Falles einfacher aus Caragheenmoos erhalten kann. In offizineller Anwendung wird meistens der Bitterstoff dabei gelassen und nur durch Zuckerzusatz gemildert. Bekanntlich wird die Flechte gegen Katarrhe, Blutspucken, Tuberkulose etc. sowohl in Abkochungen, wie auch als Gallert, in Pulver und als Bestandteil von Schokolade angewandt. In Schweden und andern Nordländern benutzt man in Notfällen die Flechte als einen Zusatz zu Brot; auch hat man jüngst gelernt Branntwein daraus zu brennen (s. bei Spiritus). - Die Flechte bildet einen regelmäßigen Artikel des Droguenhandels auch im Großen, ist roh, gelesen und geschnitten zu kaufen und wird für den Versand gewöhnlich mit hydraulischen Pressen 50 Kiloweise zu den kleinmöglichsten Würfeln zusammengepreßt. Obschon alle Bergländer den Artikel liefern können, so scheinen doch bestimmte Gegenden die Ware besser zu produzieren, und haben darin besonders das Riesen- und Fichtelgebirge den Vorzug. Zu dem Begriff von guter und schöner Ware gehört im vorliegenden Falle auch möglichste Großlappigkeit.
|
| |
|
|
Handbuch der Drogisten-Praxis Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893,
Seite 25.79
|
|
Eine dort auf trockenem Boden in grossen Massen vorkommende Flechte. Namentlich Harz, Riesengebirge und Tyrol liefern grosse Mengen, die in gepressten Ballen von ca. 100 –150 kg in den Handel gebracht werden. Die Flechte besteht aus lederartigen, oben weisslichen, meist verästelten Lappen, an der Basis oft röthlich gefleckt. Unterseite mit weissen Vertiefungen, fast geruchlos, von fadem, später stark bitterem Geschmack. Letzterer lässt sich ziemlich entfernen, wenn man beim Aufkochen, nach dem ersten Aufwallen, das Wasser abgiesst und durch frisches ersetzt, oder durch kaltes Ausziehen mit pottaschehaltigem Wasser. Giebt durch anhaltendes Kochen eine steife Gallerte.
Bestandtheile. Flechten oder Moosstärke ca. 40% (Ursache des Gelatinirens), auch Lichenin genannt, ferner Cetrarin oder Cetrarsäure (Flechtenbitter); diese bedingt den intensiv bittern Geschmack.
Anwendung. Als Gallertabkochung gegen Brustleiden. Die Gallerte dient auch als Zusatz zu Pasta und zu Chocoladen.
|
| |
|
|
|
Weiterführende
Informationen
Charakteristik und Beschreibung (engl.)
Quellen |
| |
|
|
|
|
|
| |
Durchsuchen Sie unsere Website mit google
Kleines Fachlexikon
Kurzerläuterungen zu Eigenschaften, botanischen Begriffen, Inhaltsstoffen
und Verarbeitung
|