Peru-Ratanhia

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Ratanhia

auch: Rote Ratanhia, Peru-Ratanhia, Payta-Ratanhia

Familie:

Krameriaceae

 

 

Lt: Krameria lappacea, Krameria triandra

Kleine Pflanzenkunde

 

Ratanhia

 

Ratanhia

Merkmale:

  • Ausdauernder bis zu 60 cm hoher Halbstrauch

  • Äste lang, niederliegend, jung seidig-behaart, im Alter knorrig und holzig; 

  • Blätter wechselständig, eiförmig, bis zu 2 cm lang und seidig behaart;

  • Rote Blüten gestielt, in den oberen Blattachseln; 

  • Vier Kelchblätter innen purpurn, außen grau behaart; 

  • Vier Kronblätter purpurn, 3 Staubblätter, Fruchtknoten oberständig; 

  • Wurzel knollig, verholzt, weit verzweigt, rötlich

  • Standort: trockene und sandige Orte im Hochland der Anden, Südamerika, meist dichtgedrängt zu kleinen Buschwäldchen

  • Historisches: Die Pflanze wurde durch den spanischen Botaniker Ruiz Lopez im 19. Jahrhundert erstmals wissenschaftlich beschrieben und von ihm aus Südamerika (Anden) nach Europa gebracht.

  

Heilwirkung & Einsatzbereiche

 

Ratanhia

Wirksame Teile: Ratanhiawurzel (Ratanhiae radix)

Inhaltsstoffe: Gerbstoffe, Lignane

Eigenschaften: adstringierend, durchfallhemmend (antidiarrhoeisch), antimikrobiell

Anwendung: Äußerlich zu Mundspülungen, Mundpinselungen - zur lokalen Behandlung leichter Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut (Stomatitis, Pharyngitis)

Dosierung: Etwa 1 g zerkleinerte Droge auf 1 Tasse Wasser als Abkochung oder 5  bis 10 Tropfen Ratanhiatinktur auf 1 Glas Wasser 2 bis 3mal täglich; unverdünnte Ratanhiatinktur als
Pinselung 2 bis 3mal täglich 

Rezeptur: Soweit nicht anders empfohlen, wird 2 bis 3mal täglich mit einem wie folgt bereiteten Aufguss gespült oder gegurgelt: Ein knapper ½ Teelöffel voll (ca. 1 g) Ratanhiawurzel wird mit 150 ml siedendem Wasser übergossen und nach etwa 10 bis 15 Minuten gegebenenfalls durch ein Teesieb gegeben.

  

In der Tierheilkunde

Bei Hunden, die unter Durchfall leiden, wird traditionell wird ein milder Ratanhiawurzelaufguss  über den Tag verteilt dem Futter beimischt.

Allgemeine Empfehlung

  

In alten Büchern gestöbert

Handbuch der Drogisten-Praxis Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Rádices ratanhae oder ratánhiae Peruvián. Ratanhawurzeln.
Kraméria triándra. Polygaléae. Peru und Bolivien.
Strauchartige Pflanze. Die Droge kommt meist über Callao in den Handel in Seronen von 90–100 kg und bildet die bei uns vorgeschriebene Waare. Sie besteht aus grossen, nach unten stark verästelten Wurzelstücken (oft noch mit starken Stammstücken), mit rissiger, dunkelbrauner, faseriger Rinde. Auf dem Querschnitt ist die Rinde heller rothbraun, das Holz zimmtbraun, 6 mal stärker als die Rinde. Diese stark adstringirend, das Holz geschmacklos.
Granada oder Savanilla ratanha von Krameria ixina. Ist in Frankreich gebräuchlich. Bei ihr ist das Holz nur 3 mal so stark als die Rinde und wäre sie deshalb als wirksamer vorzuziehen. 15–20 cm lange Wurzeläste von hell chocoladenbrauner Farbe. Rinde tief eingerissen, weniger faserig als körnig.
Brasilian. ratanha ist der peruvianischen in der Dicke der Rindensubstanz fast gleich, mehr dunkelbraun, innen lebhaft braunroth, Rinde faserig, Holz sehr porös.
Texas oder Mexicanische ratanha von Krameria secundiflora. Mexiko, Texas, Nordamerika. 2–3 cm dicke Wurzeln, schwarzbraun, uneben, runzelig. Auf dem Querschnitt röthlich marmorirt, Rinde stärker als das sehr dünne, helle Holz. (Das im Handel vorkommende Extr. ratanhae American. stammt wohl ausschliesslich aus dieser Wurzel.)
Bestandtheile. Ratanhagerbsäure 20–40% (Eisenoxydsalze braungrün fällend), Ratanharoth, wahrscheinlich aus der Gerbsäure bestehend.
Anwendung. Als starkes Adstringens bei Durchfällen, Blutungen etc. Ferner als Zusatz zu Zahntinkturen. Das Ratanhaextrakt soll zuweilen in der Gerberei verwandt werden.

Merck´s Warenlexikon, 1884, Seite 21.452

Ratanhiawurzel (Radix Ratanhiae); die holzige Wurzel der in Peru wachsenden Krameria triandra, eines niedern, sparig ästigen Strauches. Es sind große, bis 18 cm lange und 4½ cm dicke, knorrige und sehr harte Hauptwurzeln, nach unten in viele dünnere, hin und her gebogene, bis 3 dcm lange federkieldicke Äste geteilt. Die Rinde ist schuppig rissig, außen rotbraun, auf dem Querschnitt heller, das Holz der dickern Stücke zimtfarben, das der dünnern rötlichweiß.
Die wirkenden Bestandteile stecken fast ausschließlich in der Rinde, die deshalb stark adstringierend und bitterlich schmeckt, während das Holz fast geschmacklos ist. Die Rinde aber ist dünn und macht einen verhältnismäßig kleinen Bestandteil des Ganzen aus. Diese peruanische Rinde ist die eigentliche sog. echte R., welche in Deutschland allein zum medizinischen Gebrauch gestattet ist; sie kommt in Seronen von 75–90 kg Inhalt hauptsächlich über die Ausfuhrplätze Payta und Callao.
Die Rinde enthält eine eigentümliche, Eisenoxydsalze grünlichbraun fällende Gerbsäure, die Ratanhiagerbsäure, und außerdem noch Ratanhiarot als wirksame Bestandteile. Sie wird als Pulver, Extrakt und Tinktur, als zusammenziehendes Mittel bei chronischen Diarrhöen, Schleimflüssen, Blutungen, äußerlich zu Zahntinkturen und Mundwässern, das Extrakt in seltenen Fällen wohl auch als Gerbmaterial gebraucht. Es wird nämlich trocknes Extrakt (Extractum Ratanhiae), in Kistchen eingegossen, schon fertig von Amerika exportiert; dieses ist aber in unsern Apotheken nicht zulässig. R. ist schwarz, im Bruche glänzend, zerrieben rotbraun, schmeckt sehr zusammenziehend und färbt beim Kauen den Speichel rot. Auch die Rinde kommt neuerdings ohne das überflüssige Holz im Handel vor. 
Außer der echten Wurzel kommen noch einige andre, nicht offizinelle Sorten aus andern Ursprungsländern an den Markt, nämlich die Savanilla- oder Neu-Granada-Ratanhia aus Neugranada, mit viel dickerer Rinde als, die echte, daher mehr Extrakt liefernd und also eigentlich der echten vorzuziehen; sie stammt von Krameria Ixinia, nach Andern von Krameria tomentosa. In Frankreich ist dieselbe auch offizinell. Die Texas- oder mexikanische R. aus Mexiko, Texas und benachbarten Gegenden Nordamerikas ist ebenfalls in der Rinde viel stärker als im Holz. Eine in neuerer Zeit in größern Mengen eingeführte Sorte R. ist die brasilianische oder Ratanhia von Ceará, auch Pararatanhia genannt; sie stammt von Krameria argentea (Mart.), darf aber in Apotheken nicht verwendet werden.
Die drei im Handel hauptsächlich vorkommenden Sorten von R. lassen sich leicht durch die Färbung der daraus bereiteten weingeistigen Tinkturen unterscheiden, indem die Tinktur aus echter Payta-Ratanhia rot, die der Savanilla-Ratanhia gelblich, mit einem Stich ins Grüne, und die der Para- oder Cearáratanhia rein gelb aussieht. In sehr verdünnter Tinktur der echten R. gibt Bleizuckerlösung einen rotgefärbten Niederschlag, während die beiden andern Sorten damit einen hellvioletten Niederschlag geben.

 

Weiterführende Informationen

E-Monographie

Quellen

 

Panaxwurzel ] Paraguaytee ] Passionsblume ] Payta-Ratanhia ] Peruanischer Balsambaum ] [ Peru-Ratanhia ] Pestwurz ] Peterblümchen ] Petersilie ] Petersschlüssel ] Petrusstab ] Pfefferkümmel ] Pfefferminze ] Pfefferwurzel ] Pferdekastanie ] Pfingstrose ] Philosophenklee ] Piminelle, große ] Pulverholz ] Punschpflanze ] Purgierkraut ] Purgiermoos ] Purpursonnenhut ] Pusteblume ]

 

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