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Süßholz
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auch: Lakritze
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Familie:
Schmetterlingsblütler
(Faboideae)
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Liquorice
(engl.)
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Lt:
Glycyrrhiza glabra
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Kleine Pflanzenkunde
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Merkmale:
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Ausdauernde bis zu
150 cm hohe Pflanze;
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Wurzelstock
holzig, stark verzweigt;
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Stängel aufrecht, gestreift, derb, hohl;
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Blätter gestielt, unpaarig gefiedert mit eiförmigen, unterseits klebrigen Blättchen;
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Blassgraue
bis violette Blüten (Schmetterlingsblüte) in gestielten, blattachselständigen, vielblütigen Trauben;
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Kelch drüsenhaarig, 5zähnig;
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10 Staubblätter, 1
Griffel, Hülse flach;
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Geschmack: zuckersüß.
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Blütezeit:
Juni bis September
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Sammelzeit/Ernte:
Herbst im dritten Wuchsjahr
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Standort:
Südeuropa, in Mitteleuropa kultiviert
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Heilwirkung & Einsatzbereiche
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Wirksame Teile: Süßholzwurzel
(Liquiritiae radix)
Inhaltsstoffe: Glycyrrhizin
(Glycyrrhizinsäure in der Wurzel), Flavonoide, Chalkone, Phytosterole,
Cumarine
Eigenschaften: entzündungshemmend,
auswurffördernd (expektorierend), antibakteriell, antiviral, antiulcerogen, immunmodulatorisch, estrogen
Anwendung: Innerlich als Tee, Lakritz oder Fertigarzneimittel
(bestehend aus den ungeschälten, getrockneten Wurzeln) zur Behandlung von
Atemwegserkrankungen und bei entzündlichen Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich Teeaufguss:
1½ Teelöffel voll Süßholzwurzel mit 150 ml siedendem Wasser
übergießen und nach etwa 10 bis 15 Minuten gegebenenfalls durch ein Teesieb
geben (2- bis 3mal täglich eine Tasse, jedoch nicht über mehr als 4
Wochen) |
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In der Tierheilkunde
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Süßholz
in der Veterinärmedizin zur Linderung von Bronchopneumonie (morphologische Verlaufsform der Lungenentzündung) und zur Fiebersenkung, innerlich als flüssige Zubereitung.
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Süßholzwurzel
in der Veterinärmedizin/in der Tierhaltung zur Beseitigung von Fehlern im Stallklima - z.B. zur Neutralisation von Ammoniak, Schwefelwasserstoff und weiteren Schadgasen sowie Bindung „Fällung“
von Staubpartikeln - somit auch zur Hustenlinderung als Bestandteil flüssiger
Zubereitungen.
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Süßholzwurzel
kann auch bei Tieren Entzündungen im Magen- und Darmtrakt lindern. Süßholzwurzel
wird als Zusatzfuttermittel für Pferde angeboten.
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In alten
Büchern gestöbert
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Handbuch der Drogisten-Praxis Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893
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Rádices liquirítiae oder glycýrrhizae.
Süssholzwurzeln.
Glycýrrhiza glabra. Gl. echináta. (Gl. glandulifera). Papilionacéae.
Erstere Südeuropa, in Deutschland kultivirt. Letztere Asien, Südrussland.
Man unterscheidet im Handel zwei Sorten: erstens spanisches oder deutsches Süssholz von Gl. Glabra, zweitens russisches von Gl.
echinata.
Alle in den Handel kommenden Süssholzwurzeln stammen übrigens von kultivirten Pflanzen. Die Kultur derselben geschieht in grossem Maßstabe in
Süditalien, Frankreich, Spanien, Mähren, in Deutschland in der Gegend von Nürnberg und Schweinfurt. Alle diese verschiedenen Provenienzen werden unter
dem Kollektivnamen spanisches Süssholz zusammengefasst, doch kommt für den deutschen Handel nur die süddeutsche Waare und die aus Spanien selbst in
Betracht, da Italien und Frankreich ihre Produktion fast ganz zu Lakritzen verarbeiten.
Die spanische Waare kommt meist über Sevilla und Alicante, zum Theil auch über Marseille in den Handel in Ballen von 35–40 kg. Sie besteht aus Stücken
von 60–90 cm Länge, etwa fingerdick, aussen graubraun mit starken Längsrunzeln, innen goldgelb, dicht, faserig. Die in Deutschland produzirte Waare
wird in länglich runde Kränze geflochten; sie ist meist dünner und von hellerem Gelb. Für die gepulverte und geschnittene Süssholzwurzel werden
dieselben gewöhnlich geschält und in frischem Zustände geschnitten, hierdurch wird ein glatterer Schnitt ermöglicht.
Die spanische Süssholzwurzel besteht nur aus den Nebenwurzeln und den Ausläufern. Letztere sind dünner und mit deutlichen Augen versehen. Die russische
Süssholzwurzel kommt über Petersburg; in mit Lindenbastmatten verpackten Ballen von 80–100 kg in den Handel. Diese besteht ausschliesslich aus der
Hauptwurzel, sie ist meist geschält, ziemlich lang, bis 4 cm dick, das Holz locker, strahlig, zerklüftet, leicht spaltbar, blässer gelb als die
spanische Wurzel. Während letztere schwerer ist als Wasser, daher in diesem sofort untersinkt, ist die russische Wurzel leichter und schwimmt oben auf.
Geruch beider schwach; Geschmack süss, hintennach kratzend. Letzteres bei der russischen etwas weniger.
Bestandtheile. Glycyrrhizin (Süssholzzucker), Harz, Asparagin, Stärke.
Anwendung. Als hustenlinderndes, schleimlösendes Mittel, Zusatz zum Brustthee etc. In den Heimathländern zur Bereitung des Lakritzensaftes.
Das Deutsche Arzneibuch gestattet Haupt- wie Nebenwurzeln zur Anwendung.
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Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892, Blatt 7.452 ff.
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Glycyrrhiza (Süßholz), Gattung aus der Familie der Papilionaceen, ausdauernde Kräuter mit gewöhnlich süßer Wurzel,
unpaarig gefiederten Blättern, in axillaren Ähren oder Köpfchen stehenden Blüten und zusammengedrückter, länglicher oder eiförmiger, ein- bis viersamiger Hülse. Glycyrrhiza glabra L. (gemeines oder spanisches Süßholz) mit fast 2 m hohen, meist einfachen, klebrig-drüsigen Stengeln, deren mehrere aus einem Stamm entspringen, zerstreut stehenden, fünf- bis achtjochigen, kurz behaarten, drüsig punktierten, bis 21 cm langen Blättern, langgestielten Blütenähren mit weiß- und lilafarbenen Blüten und länglich-linienförmiger Hülse, ist in Südeuropa, von Spanien bis Ungarn und Südrußland, auch in Nordafrika und Persien
einheimisch, wird besonders in Spanien und Italien im großen kultiviert, auch in Deutschland, Südfrankreich, Mähren und England, und liefert in dem sehr entwickelten Wurzelsystem das Süßholz (Süßholzwurzel, Lakritzenwurzel, Radix Glycyrrhizae s. Liquiritiae).
Das stachelfrüchtige Süßholz (Glycyrrhiza echinata L.), welches sich von der vorigen Art durch die stachelspitzigen Blättchen, die fast kugelrunden Blütenköpfchen und die länglich-ovale, zugespitzte, bauchige, igelstachlige, ein- bis zweisamige Hülse unterscheidet und im südöstlichen Europa heimisch ist, liefert keine Wurzeln für den Handel; das russische und wohl auch das chinesische stammt vielmehr von Glycyrrhiza glabra var. glandulifera in Ungarn, Galizien, Rußland, Vorderasien, Südsibirien und der Dsungarei; es wird besonders auf den Inseln des Wolgadelta gewonnen.
Das spanische Süßholz des Handels kommt aus Spanien, Frankreich, Unteritalien, Sizilien, Ungarn, Mähren, zum Teil auch aus Deutschland und in neuerer Zeit aus Nordamerika in den Handel, bildet 60-100 cm lange Stäbe von Fingerdicke, ist außen graubraun, tief runzelig, innen gelb, im Bruch holzig, faserig, sehr zäh, schwer und dicht, schmeckt süß, etwas kratzend. Die russische Wurzel, welche hauptsächlich auf den Inseln des Wolgadelta ausgepflügt, roh über Astrachan nach Moskau und Petersburg gebracht und hier erst geschält werden soll, erscheint im deutschen Handel stets geschält in hellgelben, meist ganz einfachen, wenig gebogenen, bis 20 cm langen, spindelförmigen Stücken. Im Geschmack stimmen beide Waren überein, und beide sind offizinell.
Die Wurzel enthält Glycyrrhizin C24H36O9 , welches aus dem Auszug durch Säure oder Weinsteinlösung gefällt wird. Es ist amorph, gelblichweiß, schmeckt stark bittersüß, riecht schwach, ist schwer löslich in kaltem Wasser, löst sich aber leicht in heißem Wasser, in Alkohol und Äther, verbindet sich mit Basen und gibt beim Kochen mit Säuren harzartiges, braungelbes, bitteres Glycyrretin und Zucker. Man benutzt Süßholz als reizlinderndes, die Thätigkeit der Schleimhäute anregendes und geschmackverbesserndes Mittel; es ist ein Bestandteil des Brustthees und wird im großen auf Lakritze verarbeitet.
Die Süßholzwurzel war im Altertum in Indien und im Abendland wohl bekannt; das deutsche Mittelalter kannte sie schon sehr früh, sie wird zwar zu Karls d. Gr. Zeiten noch nicht erwähnt, wohl aber von der heil. Hildegard, Äbtissin von Rupertsberga bei Bingen
(1098-1197). Im 13. Jahrh. wurde sie in Italien kultiviert, bei uns sehr früh bei Bamberg.
Das Wort Liquiritia sowie das deutsche Lakritze sind aus dem griechischen Glykyrrhiza ("süße Wurzel") entstanden; im 9. oder 10. Jahrh. findet sich die Übergangsform Gliquiricia.
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Weiterführende
Informationen
Charakteristik und Beschreibung (engl.)
E-Monographie
Quellen |
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