Kampfer

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Kampferbaum

auch: Campher, Kampferlorbeer

Familie: Lauraceae

(Lorbeerbaumgewächse) 

Camphor tree (engl.)

 

Lt: Cinnamomum camphora

Kleine Pflanzenkunde

Kampferbaum

 

 

Kampferbaum-Blüte

Die Höhe des in den chinesischen Bergwäldern, auf Formosa und in den südlichen Inseln des japanischen Archipels heimischen Kampferbaumes wird mit 20 bis 50 m angegeben. Sein Stamm ist über 5 m dick und weist eine graubraune, rissige Rinde auf. Der knorrig verzweigte Baum hat längliche bis elliptische, ledrige, dreinervige Blätter, die oberseits glänzend, unterseits blau-grün sind. Der Baum bildet grünlichgelbe Blüten, die in langgestielten, armblütigen Rispen stehen. Die Frucht ist purpurschwarz. Bevorzugte Standorte sind gemischter Sand und Lehmboden.  

Die Kampfergewinnung geschieht in der Weise, daß das zu Spänen zerkleinerte Holz der Wasserdampfdestillation unterworfen und der aus dem gewonnenen Rohöl auskristallisierte Kampfer durch Abschleudern und Sublimieren gereinigt wird. In neuerer Zeit gewinnt man Kampfer auch durch Destillation aus den Blättern. Kampfer ist in China schon im Altertum gewonnen und benutzt worden. (Madaus 1938)

Man unterteilt die Art in vier Gruppen, nämlich den Japanischen, den Neuseeländischen, den Westformosa- und den Ostformosa-Kampferbaum. Diese werden aufgrund morphologischer Merkmale und der unterschiedlichen Zusammensetzung des ätherischen Öls der Blätter in drei Subspecies unterteilt. (HagerROM 2002)

  

Heilwirkung & Einsatzbereiche

Kampferbaum-Ausschnitt

Wirksame Teile: Das zu Spänen zerkleinerte Holz des Kampferbaumes

Inhaltsstoffe: im ätherischen Öl sind u.a. enthalten Cineol, Borneol, Carvacrol, Eugenol, Sesquiterpene, Phenolether

Eigenschaften: anregend, erregend auf das Herz

Anwendung: 

  • In der Phytotherapie: Muskelschmerzen, Atemwegsbeschwerden, Herzbeschwerden

  • In der Homöopathie: Erkältungskrankheiten; Kollapszustände

  

In der Tierheilkunde

  • In der Veterinärmedizin zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung bei stumpfen Verletzungen, offenen Wunden, Hauterkrankungen und Eutererkrankungen als Aerosol, Emulsion oder Salbe

  • In der Veterinärmedizin bei Panaritium (Entzündung durch eine Infektion mit Staphylokokken und Streptokokken, seltener durch eine Infektion mit anderen Bakterien) als Aerosol, Emulsion oder Salbe.

  • In der Veterinärmedizin/in der Tierhaltung zur Beseitigung von Fehlern im Stallklima - z.B. zur Neutralisation von Ammoniak, Schwefelwasserstoff und weiteren Schadgasen sowie Bindung „Fällung“ von Staubpartikeln - somit auch zur Hustenlinderung - als Bestandteil flüssiger Zubereitungen.

  • Campher als äußerliche Anwendung (Emulsionen, Salben) in der Veterinärmedizin - bei stumpfen Verletzungen - zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung.

  • In der Veterinärmedizin als Infusionslösung zur lokalen Keimabtötung und Entzündungshemmung bei Endometritiden (Entzündung der Gebärmutterschleimhaut).

  • In der Veterinärmedizin zur Linderung von Bronchopneumonie (morphologische Verlaufsform der Lungenentzündung) und zur Fiebersenkung, innerlich als flüssige Zubereitung.

  

In alten Büchern gestöbert

Christian Friedrich Samuel Hahnemann (Begründer der Homöopathie); Journal der practischen Arzneykunde und Wundarzneykunst, herausgegeben von C.W. Hufeland, 1796, 2. Band

Der Kampher mindert in größern Gaben die Empfindung im ganzen Nervensystem; der Einfluß der (wenn ich mich des etwas groben Ausdrucks bedienen darf) gleichsam erstarrten Lebensgeister auf Sinnen und Bewegung wird gehemmt. Es entsteht eine Kongestion im Gehirne, eine Umnebelung, ein Schwindel, eine Unvermögenheit die Muskeln nach Willkühr zu regieren, eine Unvermögenheit zu denken, zu empfinden, sich zu erinnern. Die Zusammenziehungsfähigkeit der Muskelfasern, vorzüglich der zu den natürlichen und den Lebensverrichtungen gehörigem scheint bis zur Lähmung herabzusinken, die Reitzbarkeit sinkt in gleichem Grade, vorzüglich die der äussersten Enden der Blutgefäße; weniger die der größern Schlagadern, noch weniger die des Herzes. 

Es entsteht Kälte der äußern Theile, kleiner, harter, allmählig langsamerer Puls, und wegen des verschiednen Zustands des Herzens gegen den der äussersten Enden der Blutgefäße — Angst, kalter Schweiß. Jene Verfassung der Faser erzeugt eine Unbeweglichkeit z. B. der Kinnbackenmuskeln, des Afters, der Halsmuskeln, die das Ansehn eines tonischen Krampfes annimmt. Es entsteht tiefer, langsamer Odem, Ohnmacht. Ein Beweiß nach Carminati, daß der Kampher nichts weniger als die Reitzbarkeit auslöscht, sondern nur so lange suspendirt, als die Muskeln in der Abhängigkeit von dem erstarrten Nervenzustande bleiben — ist, daß, wenn schon alle Empfindung vom Kampher erloschen ist, das ausgeschnittene Herz nun noch um desto stärker zu schlagen fortfährt, Stunden lang. Während dem Uebergange in die Nachwirkung erfolgen Konvulsionen, Wahnsinn, Erbrechen, Zittern.  

In der indirekten Nachwirkung selbst beginnt zuerst die erwachende Empfindung und, wenn ich so sagen darf, Beweglichkeit des vorhin erstarrten Nervengeistes, die fast erloschene Beweglichkeit in den äussersten Arterienenden hebet sich, das Herz siegt über den bisherigen Widerstand. Die vorher langsamen Pulsschläge nehmen an Zahl und Größe zu, das Spiel des Blutsystems gelangt zu seinem vorigen Standpunkte, oder kömmt in einigen Fällen (von größern Kamphergaben, von Plethora u. s w.) wohl noch drüber — es entsteht geschwinderer, vollerer Puls. Je bewegungsloser vorher die Blutgefässe gewesen, desto leicht beweglicher werden sie nun; es entsteht vermehrte Wärme über den ganzen Körper, auch wohl Röthe und gleichförmige, zuweilen reichliche Ausdünstung. Der ganze-Auftritt ist in 6, 8, 10, 12, höchstens 24 Stunden geendigt. Unter allen Muskelfasern kehrt die Leichtbeweglichkeit des Darmkanals am spätesten zurück.  In allen Fällen, wo die Verkürzungsfähigkeit der Muskelfaser über die Erschlaffungsfähigkeit ein merkliches Uebergewicht hat, schafft der Kampher als entgegengesetzt wirkendes Mittel schnelle aber nur palliative Hülfe, in einigen Manien, in örtlichen und allgemeinen Entzündungen, reiner, rheumatischer und erisipelatöser Art, und in Erkältungskrankheiten.

 

Meyers Konversations-Lexikon, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892, Blatt 3.771

Camphora (Kampferbaum), Gattung aus der Familie der Lauraceen, zierliche, immergrüne Bäume mit lederartigen Blättern, in Rispen gestellten Blüten und Beerenfrüchten, in China, Japan und Ostindien. Camphora officinalis Nees (Laurus Camphora L., Cinnamomum Camphora Nees et Eberm.), ein lindenähnlicher, 8–10 m hoher Baum mit brauner, runzeliger, abschälbarer Rinde, wechselständigen, gestielten, eiförmigen bis oblongen, zugespitzten Blättern, achselständigen Blütenrispen, kleinen, weißen Blüten und dunkelroten, erbsengroßen Beeren mit einem pfefferkornähnlichen Samen, in Kochinchina und den südlichen Provinzen Chinas bis nördlich vom Amur und durch Japan sehr verbreitet, in größter Menge im Küstenland zwischen Schanghai und Amoy und auf Formosa dichte Wälder bildend und vielfach kultiviert, ist die Stammpflanze des echten Kampfers, wonach auch alle Teile des Baums, besonders die Wurzel, riechen und schmecken.
Der Kampferbaum wird bei uns in Kalthäusern überwintert. Er gedeiht in allen tropischen und subtropischen Ländern, sogar in ganz Italien, schon bei Genua  und in der Provence. Das harte, weiße, rot geäderte Holz wird in China und Japan als seines Möbelholz benutzt und auch für Insektensammlungen nach Europa gebracht, da es den Kampfergeruch dauernd bewahrt. Von Camphora glandulifera Nees (Laurus glandulifera Wall.), auf den Bergen  in Nepal, wird die Rinde daselbst wie Sassafras gebraucht. 

 

Merck´s Warenlexikon, 1884, Seite 21.246

Kampfer (Kampher, Camphora), auch chinesischer, japanesischer und gewöhnlicher K. genannt. Dieser, als beliebtes Hausmittel hinreichend bekannte, den ätherischen Ölen verwandte Stoff mit seinem eigentümlichen Geruch und brennendkühlenden Geschmack ist ein Pflanzenprodukt, das in vielerlei, auch einheimischen Gewächsen, wie Rosmarin, Lavendel, Dosten etc., besonders aber in Stamm, Zweigen und Blättern verschiedner Lorbeerarten vorkommt und in Japan, China und auf der chinesischen Insel Formosa vorzugsweise aus den genannten Teilen des Kampferlorbeerbaums (Laurus Camphora) gewonnen wird, indem man dieselben, das Holz nach Ausscheidung der zum Schiffbau dienlichen Stücke, in eisernen Kesseln, worauf andre dergleichen gestülpt sind, mit Wasser kocht, wobei der ausgetriebene K. sich in den Aufsätzen ansammelt und abgekratzt wird.
Die Masse läßt beim Stehen eine Quantität sehr stark riechendes Öl, das echte Kampferöl, austropfen, das an Ort und Stelle selbst gegen Rheumatismus gebraucht und konsumiert wird. Im Innern der Stämme findet sich der K. zuweilen schon krystallinisch ausgeschieden vor. Sowohl die chinesische als die japanische Ware kommt roh nach Europa und wird hier erst durch nochmalige Sublimation gereinigt. Der K. schmilzt bei 175° C. zu einer dünnen Flüssigkeit, wird bei 200° flüchtig und geht in dicken, weißen Dämpfen fort, die sich an kühlern Gegenständen verdichten.
Sonach geschieht die Raffination dergestalt, daß man die Rohmasse in eigenen gläsernen Gefäßen schmilzt und dann unter Zusatz von Kalk bis zum Sieden erhitzt. In einem obern Aufsatze verdichten sich die Dämpfe zu einem, dem Hohlraum desselben entsprechenden 0,5–1,5 kg schweren Kuchen, in welcher Form der K. Handelsware ist. Derselbe löst sich leicht in Alkohol, Äther, Essigsäure, ätherischen Ölen, im Wasser jedoch nur bis etwa zu 1/1000 was indes hinreicht, demselben einen ausgesprochenen Geruch und Geschmack nach K. zu erteilen. Der hier gemeinte gewöhnliche K. ist leichter als Wasser; kleine, auf demselben schwimmende Stückchen geraten in eine lebhaft rotierende Bewegung, die als ein Zeichen der Reinheit gilt, denn wenn dem K. eine fremde fettige Substanz beigemischt ist, so bleibt die Bewegung aus. Trotz seines hohen Schmelzpunktes ist der K. so flüchtig, daß er mit der Zeit an der Luft völlig verschwindet, also unter gutem Verschluß in Gläsern zu halten ist. Zu Pulver reiben läßt er sich nur, nachdem er vorher mit Alkohol befeuchtet wurde. – Der japanische K. wird meistens nach Holland exportiert, daher man ihn auch holländischen nennt. Er ist in sog. Tubben verpackt, Strohgeflechte, die mit Bast und Rohr umwickelt sind und etwa 50 kg Inhalt haben. Der chinesische und Formosa-Rohkampfer kommt nach England in viereckigen, mit Blei ausgelegten Kisten. Der K. wird in mancherlei Form meist nur äußerlich verwendet, sehr selten innerlich, größere Dosen wirken giftig

 

Weiterführende Informationen

E-Monographie

Quellen

 

Kahles Hain-Greiskraut ] Kalifornischer Mohn ] Kalmus ] Kamille ] [ Kampfer ] Kanntenkraut ] Kappenblume ] Kapuzinerkresse ] Karbensamen ] Kardobenedikt ] Käsepappel, große ] Kassie ] Kastanie ] Katzenblutkraut ] Katzenkraut ] Katzenschwanz ] Katzenwurzel ] Kava-Kava ] Kegelblume ] Kerbel ] Kestenbaum ] Keuschlamm ] Khartum-Senna ] Kiefer ] Klatschmohn ] Klebkraut ] Kleine Küchenschelle ] Kleine Schöllwurtz ] Kleiner Odermennig ] Kleiner Speik ] Kleiner Storchenschnabel ] Klette ] Klettenlabkraut ] Klosterhysop ] Knieholz ] Knoblauch ] Knopfrose ] Knotenbraunwurz ] Kondurangostrauch ] Korallenkirsche ] Königskerze ] Königskraut ] Königssalbei ] Königsstiefel ] Koriander ] Kornblume ] Kraftrose ] Kraftwurzel ] Kranawittstrauch ] Kranichshals ] Kranzenkraut ] Kratzbeere ] Kratzdistel ] Kren ] Kreuzkümmel ] Kugelartischocke ] Kuhblume ] Kuhschelle ] Küchenschelle ] Kumin ] Kümmel ] Kümmerlingskraut ] Kürbis ] Kurkuma ]

 

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