Holunder

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Holunder

auch: Holder, Holler, Aalhorn, Deutscher Flieder, Schwarzer Holunder

Familie: Geißblattgewächse 

(Caprifoliaceae)

Elderberry (engl.)

 

Lt: Sambucus nigra

Kleine Pflanzenkunde

Schwarzer Holunder

Der Holunder ist wahrscheinlich eine der von den Menschen am längsten genutzte Heilpflanze. Die Pflanze ist äußerst vielseitig und galt seit jeher als die Hausapotheke der Bauern . Noch heute wachsen fast auf jedem Hof oder Resthof in den ländlichen Regionen noch zahlreiche Holunderbüsche. Der ausdauernde Strauch gedeiht in Hecken, Wäldern, an Feldrändern, Ufern oder in naturbelassenen Gärten in fast ganz Europa. Der Holunder wird bis sieben Meter hoch. In seinen Ästen bildet sich ein helles Mark, das sich nach Trocknung fast wie Pappe anfühlt. Die Blätter stehen gegenständig, sind gestielt und unpaarig gefiedert. Je Blatt wachsen fünf bis sieben große, länglich gesägte Fiederblätter. Die weißen und frisch duftenden Blüten stehen in endständigen Trugdolden. Der Strauch bildet die typischen schwarzvioletten, kugeligen, glänzenden Früchte - in vielen Gegenden auch Fliederbeeren genannt. Unter Umständen kann der Schwarze Holunder mit dem Zwergholunder verwechselt werden, dessen Früchte als giftig gelten. 

Blütezeit: Mai bis Juli, Sammelzeit: Juni bis August

 

Heilwirkung & Einsatzbereiche

Schwarzer Holunder

Heilend, fördernd und kräftigend für: Ausschwemmung / Blutreinigung / Entgiftung / Entschlackung, Haare und Kopfhaut, Stärkung des Immunsystems, Vitalisierung / Steigerung der Leistungsfähigkeit / Anregung des Stoffwechsels

Anwendung bei: Erkältungskrankheiten, Grippe, Fieber, Neuralgien, Rheuma, Verstopfung, Erkältungskrankheiten, Husten, Schnupfen, Kehlkopfentzündung, Grippe, Atemnot, Heuschnupfen

Eigenschaften: harntreibend, schweißtreibend, fiebersenkend, schmerzstillend, abführend, schwach entzündungshemmend

Wirksame Teile: Holunderblüten (Sambuci flos) - getrocknet, Holunderbeeren, aber auch Blätter, Rinde und Wurzel

 

Inhaltsstoffe: Flavonoide, Hydroxyphenylcarbonsäuren, Ester, Steroide, Triterpene, ätherisches Öl (in den Beeren u.a. Gerbstoffe, Vitamine, Anthocyane)

  

Rezepturen  &  Produkte

Schwarzer Holunder

Die Anwendung bei Erkältungskrankheiten und Fieber erfolgt vorwiegend innerlich als Tee. Etwa zwei Teelöffel voll (4 g) Holunderblüten werden mit siedendem Wasser (ca. 150 ml) übergossen und nach etwa fünf Minuten durch ein Teesieb gegeben. Bestenfalls werden mehrmals täglich zwei bis drei Tassen frisch zubereiteter Teeaufguss getrunken.

Die Früchte (Beeren) eignen sich hervorragend für fruchtige Gelees, schmackhafte Suppen oder für die Zubereitung von frischem Fruchtsaft. 

Äußerlich werden Holunderblüten in Kräuterkissen auch gegen Schwellungen und Entzündungen eingesetzt.

  

   

In der Tierheilkunde

  • Holunder unterstützt in der traditionellen Tierheilkunde die Blutstillung bei Wunden, wirkt schmerzstillend und entzündungshemmend. Dafür wird ein Absud vorbereitet: 1 Handvoll Holunder und 25 g Gänseblümchen werden mit 1 Liter Wasser (siedend) übergossen. Vor der Waschung der Wunde sollte der Absud auf angenehme Temperatur abkühlen.

  • In der Naturheilkunde wird Pferden und Eseln mit Bronchitis und Husten das Heu in einem milden Aufguss aus Holunderblüten, Blättern der Schwarzen Johannisbeere und Salbei angefeuchtet (getaucht).

  • Bei Räude der Tiere werden traditionell Waschungen mit konzentriertem Absud von je 1 Handvoll Holunder, Knoblauch (ganze Pflanze) und Storchschnabel (Mischung auf 1 Liter Wasser, 20 Minuten kochen) angewendet. Hinweis: Räude bei Schafen, Rindern und Pferden ist ansteckend und daher anzeigepflichtig.

  • Eine Fasten- und Entschlackungskur bei übergewichtigen Tieren und für Tiere mit Haut- und Gelenkproblemen ist empfehlenswert. Eine Kräutermischung aus Brennnessel, Himbeer- und Brombeerblättern, Linden- und Holunderblüten, Hagebutten und Fenchelfrüchten kann dafür als Aufguss dem Futter beigemischt werden.

  • Holunderblüten werden in einer Kräutermischung zur Linderung und Vermeidung der Folgeerscheinungen einer Vergiftung (als Begleittherapie) eingesetzt: Täglich 1 TL bis 1 EL der folgenden Kräutermischung unter das Futter geben: Ackerschachtelhalm, Artischocke, Birkenblätter, Brennnessel, Fenchel, Gänseblümchen, Holunderblüten, Klee, Lindenblüten, Löwenzahn, Schafgarbe und Spitzwegerich (Nach Empfehlungen des Instituts für Veterinärpharmakologie und -toxikologie)

  • Hinweis: Holunder (Sambucus nigra) gilt für Schweine, Kaninchen und Meerschweinchen, bei Überdosierung auch für Hunde, als unverträglich. 

  • Traditionell wird Pferden und Eseln als natürliche Prophylaxe gegen Darmparasiten eine Mischung aus Schwarzem Senf, Quecke, Brombeere und Holunder in regelmäßigen Abständen zum Futter gemischt. Auch Wurmfarn und Knoblauch werden in passender Dosierung beigemischt. Hinweis: Wurmfarn sollte mit Bedacht und Vorsicht eingesetzt werden, denn bei Überdosierung der Droge können Vergiftungserscheinungen auftreten. 

  • Allgemeine Empfehlung

  

   

In alten Büchern gestöbert

Christian Friedrich Samuel Hahnemann (Begründer der Homöopathie); Journal der practischen Arzneykunde und Wundarzneykunst, herausgegeben von C.W. Hufeland, 1796, 2. Band

Das Heilprinzip in den Blumen und andern Theilen des Schwarzholders (Sambucus nigra) (und Attichholders?) scheint in seiner anfänglichen direkten Wirkung, die Verkürzungsfähigkeit, der vorzüglich den natürlichen und Lebensverrichtungen zugehörigen Muskelfaser und die Blutwärme zu erhöhen, in seiner indirekten Nachwirkung aber diese Kraft der Muskelfaser herabzustimmen, die Wärme zu mindern, die Lebensthätigkeit abzuspannen (und wohl selbst die Empfindung zu mindern). Verhält sich dies so, wie mich dünkt, so werden sie, was sie in dem tonischen Krampfe der feinsten Enden der Arterien bei Erkältungskrankheiten, Katarrhen, dem Rothlaufe gutes ausrichten, als ähnlich wirkendes Mittel thun. Sollten die Holderarten nicht selbst flüchtige rosenartige Entzündungen erregen können?

Handbuch der Drogisten-Praxis Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Flores Sambúci. Flieder-, Hollunder-, Keilkenblumen.
Sambúcus nigra. Caprifoliacéae. Ueberall gemein.
Die Blüthen müssen durchaus trocken gesammelt werden und dürfen nicht zu lange aufeinander geschichtet bleiben, weil sie sich sonst erhitzen, sondern müssen möglichst bald recht dünn ausgestreut und häufig gewendet werden; im andern Falle werden die Blüthen dunkel und unansehnlich. Geruch stark, an Schweiss erinnernd; Geschmack eigenthümlich, ziemlich unangenehm.
Bestandtheile. Aeth. Oel, Harz, Schleim, etwas Gerbstoff.
Anwendung. Innerlich als schweisstreibendes, äusserlich als erweichendes, schmerzlinderndes Mittel. 
Verwechselung mit Sambucus ebulus und S. racemosus können kaum vorkommen, da die Blüthen und Blüthenstande ganz verschieden sind.

Merck`s Warenlexikon, 1884; Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884; Seite 204

Holunder (Hollunder, Flieder, Schibicken, Quewecken, lat. Sambucus niger, frz. hieble oder sureau commun, engl. elder-tree). Allbekannter, in ganz Europa und dem nördlichen Asien einheimischer Baum, der in Rinde, Blättern und zum Teil auch in den Früchten bitter und scharf schmeckende Substanzen enthält und, nach der Volksmedizin wenigstens, für vielerlei Übel die Gegenmittel liefern soll. Abgesehen von allen hausarzneilichen und hauswirtschaftlichen Anwendungen ist der Flieder aber als offizinelles Gewächs aufzuführen, und zwar ist es die den Blüten und Früchten inwohnende schweißtreibende Wirkung, wegen deren er in Gebrauch ist. Es werden zu demselben Zwecke sowohl die bei Sonnenschein gesammelten und wohlgetrockneten Blüten (flores Sambuci), als der zu einem Mus eingedickte Saft der reifen Beeren als extractum Sambuci oder Roob S. benutzt.
Die Fliederblüten enthalten ein wenig ätherisches Öl, welchem sie ihren angenehmen Geruch verdanken und welches auch zuweilen in den Handel gebracht wird, die Samenkerne in reichlichem Maße ein fettes. Die Blüten des Flieders bilden, obschon nirgends selten, doch einen ständigen Artikel des Droguenhandels auch im Großen, da man solcher Ware am ehesten zutrauen kann, daß sie von kundigen Leuten mit der erforderlichen Sorgfalt gesammelt und getrocknet, also guter Qualität ist.

Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 14. Band: Seite 252

Sambucus (Holunder), Gattung aus der Familie der Kaprifoliaceen, Sträucher, bisweilen Kräuter oder Bäume mit sehr stark entwickeltem Mark, gegenständigen, unpaarig gefiederten Blättern, weißen, gelblichen oder rötlichen Blüten in rispigen oder doldenrispigen Blütenständen und beerenartiger, drei- bis fünfsteiniger Steinfrucht. 10–12 Arten in allen gemäßigten Klimaten und den Gebirgen der Tropen. S. nigra L. (schwarzer Holunder, Holler, Flieder, Schibbikenstrauch), ein bis 9,5 m hoher Strauch oder kleiner Baum mit großen Blättern mit 5 oder 7 Fliederblättchen, großen, flachen, weißen, stark riechenden Doldenrispen und schwarzen Beeren. Er wächst in Europa (nicht im äußersten Norden), in den Kaukasusländern und Südsibirien und wird bei uns in mehreren Varietäten als Zierstrauch, namentlich aber der Blüten und Beeren halber kultiviert.
Erstere sind offizinell und dienen als schweißtreibendes Mittel, auch zu Umschlägen, meist aber nur als Hausmittel; auch benutzt man sie zum Aromatisieren des Weins. Die Weinbauer beurteilen nach der Holunderblüte die Rebenblüte: erscheint erstere gleichförmig, so ist dies auch für die Rebenblüte zu erwarten. Die mit dunkelviolettem Saft erfüllten Beeren schmecken süßlich-säuerlich und dienen zur Bereitung des Flieder- oder Holundermuses (Schibbikensafts), welches man früher als Arzneimittel, jetzt noch in der Küche und zum Färben des Portweins, auch zur Bereitung von Branntwein und zum Fangen von Vögeln benutzt.
Die innere Rinde und Wurzelrinde wirken scharf, Durchfall und Erbrechen erregend. Das Holz ist fein, gelblichweiß, hart und eignet sich zu feinen Drechsler- und Tischlerarbeiten. Das Mark gibt die Holunderkügelchen zur Elektrisiermaschine. 

   

   

Weiterführende Informationen

E-Monographie

Kräuterbuch anno 1625

Charakteristik und Beschreibung (engl.)

Quellen

 

Hafer ] Haftkraut ] Hagebutte ] Hagedorn ] Hainkreuzkraut ] Hamamelis ] Handlappiger Rhabarber ] Hanf ] Hanfnessel ] Hanfnessel, zottige ] Hängebirke ] Härekraut ] Harnkraut ] Hartheu ] Hasenwurz ] Hauhechel ] Heckenysop ] Heidelbeere ] Heil aller Welt ] Heildistel ] Heiligkraut ] Heilwundkraut ] Helenenkraut ] Helmgiftkraut ] Herbstmantel ] Herbstzeitlose ] Hermelin ] Herzgespann ] Herzkraut ] Herzwurzel ] Hexenbesen ] Hexenhasel ] Hexenkraut ] Hexenzwiebel ] Himmelblume ] Himmelsschlüssel ] Hirschhornflechte ] Hirtentäschel ] Hochzeitsblume ] Hohlzahn ] Holler ] [ Holunder ] Honigklee ] Hopfen ] Huder ] Huflattich ] Hundbeere ] Hundsraute ] Hundsrose ] Hutpflanze ]

 

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