Hanf

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Hanf

 

Familie:

Hanfgewächse (Cannabaceae)

Hemp (engl.)

 

Lt: Cánnabis satíva L.

Kleine Pflanzenkunde

 

Hanf

Die aus Asien stammende einjährige bis 2,5 m hohe, stark betäubend riechende Pflanze hat unten gegen-, oben wechselständige langgestielte, handförmig drei- bis siebenzählige Blätter mit lanzettlichen, grob gesägten, spitzen Abschnitten, die drüsig und borstig behaart sind. Die männlichen Blütenstände sind locker, cymös-rispig, die weiblichen dichtgedrängt. Die Frucht ist eine einsamige Nuß. Cannabis sativa wird auch in Europa bis an die Grenze der Getreidepflanzen angetroffen, zuweilen auch auf Schutt und an Zäunen verwildert. Da der Hanf für seine Entwicklung nur 90-105 Tage beansprucht, läßt er sich weit in den Norden hinauf kultivieren. Es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Als Faserpflanze wird im allgemeinen die wenig belaubte und kleinere männliche Pflanze vorgezogen. (Madaus 1938)

Blütezeit: Juli bis August

  

Heilwirkung & Einsatzbereiche

 

Hanf

 

Hanf

Inhaltsstoffe: 

  • Blätter: Carotin, Calciummalat, Bitterstoffe (Arnaud, Cpt. r. 1889, Bd. 109, Seite 911)

  • Samen: ettes Öl, Hanföl, 30-35%, welches hauptsächlich Linolsäure enthält, ferner Harz, Zucker, Eiweißstoffe, Alkaloid Trigonellin, Cholin, Protein, Edestin, kristallisiertes Globulin, Nuclein, Lecithin, Cholesterin (Wehmer, Die Pflanzenstoffe, Bd. 1, S. 246.)

  • Der deutsche Hanf enthält meist keine narkotischen Bestandteile, wie sie der indische Hanf (Cánnabis índica L.) in großen Mengen aufweist. (Madaus 1938)

Angewandter Pflanzenteil:

  • Bock wendet nur die Samen innerlich an, das Kraut äußerlich.  (Bock, Kreutterbuch, 1565)

  • Matthiolus verordnet den Samen innerlich, Kraut und Wurzel äußerlich. (Matthiolus, New-Kreuterbuch, 1626)

  • Friedrich empfiehlt die Krautspitzen der kaum blühenden Pflanze und die Samen. (Friedrich, Sammlg. v. Volksarzneimitteln, 1845)

In der Volksheilkunde: 

  • Bei trockenem Husten, verwendet Bock (Bock, Kreutterbuch, 1565, S. 129.) nur die Samen, während er das Kraut zu Umschlägen bei Hitze des Kopfes und der Glieder wie auch bei Podagra anwenden lässt.

  • Matthiolus (Matthiolus, New-Kreuterbuch, 1626, S. 316.) warnt vor dem täglichen Genuß des Hanfsamens in Speisen, da er anaphrodisierend wirke und Kopfweh verursache; der Saft aus dem grünen Kraut soll Ohrenschmerzen vertreiben; der Dampf von Hanfabkochung gegen "kalten Harn" dienlich sein und schließlich das Öl zirrhöse Geschwülste lindern.

  • Haller (v. Haller, Medicin. Lexicon, 1755, S. 289.) kennt nur den Gebrauch des - betäubend, schlafbringend und beschwerend auf Kopf und Magen wirkenden - Hanfsamens, gegen Husten, Seitenstechen, Gelbsucht, Würmer, zu starke Pollutionen und als Anaphrodisiakum.

  • Friedrich (Friedrich, Sammlg. v. Volksarzneimitteln, 1845, S. 64.) verordnet die Krautspitzen bei schmerzhaftem Urinieren mit Brennen und Stechen, gegen beginnenden Tripper - wobei er den Hanf als radikal heilendes Mittel bezeichnet - bei großer Augenschwäche mit Flimmern und Hornhautflecken (innerlich und äußerlich anzuwenden), schließlich bei heftiger Angina pectoris und Erstickungsanfällen.

  • Die äußere Anwendung des Mittels empfiehlt Friedrich (s.o.) bei Schmerzen des Samenstranges und der Hoden, wie auch zur Milchzerteilung nach dem Entwöhnen.

  • Nach Stauffer (Stauffer, Klin. hom. Arzneimittell., S. 294.) hat man die besten Erfolge mit Cannabis sativa bei akutem Tripper.

  • Cannabis sativa wird vornehmlich bei Reizungen und entzündlichen Erkrankungen des Urogenitaltraktus+), insbesondere bei Gonorrhöe mit Dysurie im ersten Stadium und Blasenkatarrh, oft ohne Brennen, nur mit häufigem Blasendruck, Harnröhrenentzündung mit Eiterfluß, bei Nephritis mit Herzbeschwerden, Nierensteinen, Blasenkrampf, schmerzhaftem Urinieren mit Harnzwang, Albuminurie und Prostataaffektionen verordnet. (Madaus 1938)

 

Rezepturen

  • nach Friedrich (Friedrich, Sammlg. v. Volksarzneimitteln, 1845) 0,25-0,4 g der Tinktur 1/2-1 Teelöffel voll (= 2,8-5,6 g) der Samen zum kalten Auszug täglich. 1 Tablette der Frischpflanzenverreibung "Teep" drei- bis viermal täglich. (Die "Teep"-Zubereitung ist auf 50% Pflanzensubstanz eingestellt.)

  • nach Madaus: 1/2 Teelöffel voll Hanfsamen mit einem Glas Wasser kalt ansetzen, 8 Stunden ziehen lassen. Tagsüber schluckweise trinken.
    Teezubereitung: Der im Verhältnis 1 : 10 heiß bereitete Tee hat einen Extraktgehalt von 0,05% gegenüber 0,2% bei kalter Zubereitung. Geschmacklich konnte kein Unterschied zwischen den beiden Zubereitungsarten gefunden werden. Ein im Verhältnis 1 : 50 angesetzter Tee ist trinkbar und zeigt zwischen kalter und heißer Zubereitung keinen Unterschied. 1 Teelöffel voll wiegt 5,6 g. Der Tee wird zweckmäßig kalt unter Verwendung von höchstens 1/2 Teelöffel voll auf 1 Teeglas angesetzt.

 

In alten Büchern gestöbert

Christian Friedrich Samuel Hahnemann (Begründer der Homöopathie); Journal der practischen Arzneykunde und Wundarzneykunst, herausgegeben von C.W. Hufeland, 1796, 2. Band

Der Saft der Hanfblätter (Cannabis sativa) ist dem Anscheine nach ein dem Mohnsaft ähnliches Narkotikum. Doch dieß scheint nur so, bei den unvollkommnen Nachrichten, die wir von seinen krankhaften Wirkungen haben. Ich müßte mich sehr irren, wenn er nicht Verschiedenheiten hätte, die ihm besondre Arzneikräfte anweisen werden, wenn sie bekannt sind. Er macht Gesichtsverdunkelungen und in dem Wahnsinn, den er erregt, mancherlei, gewöhnlich angenehme, Erscheinungen.

 

Handbuch der Drogisten-Praxis Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Fructus (Semen) cánnabis. Hanfsamen.
Cánnabis satíva. Urticéae. Orient, bei uns kultivirt.
Ovale, nüsschenartige Schliessfrucht, am Rande gekielt, Fruchthülle lederartig, fest, graugrünlich, glänzend, einsamig; Samenfleisch weiss. Geruchlos, Geschmack milde.
Bestandtheile. Fettes Oel 20 % (grünlich, fast nur zur Schmierseifenfabrikation dienend), Zucker, Eiweiss.
Anwendung. Selten in der Medizin, dann meist in der Form von Emulsionen als linderndes Mittel bei Entzündung der Harnorgane; ferner als Vogelfutter und vor Allem zur Oelgewinnung.

 

Meyers Konversations-Lexikon, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892, Band 8, Seite 123

Hanföl (Hanfsamenöl, Oleum Cannabis), fettes Öl, wird aus dem Hanfsamen durch Pressen gewonnen (1 Ztr. Same gibt 11 kg Öl). Frisch ist es grünlichgelb, trübe, dicklich; nach längerm Liegen klärt es sich, wird dann gelb, später braun, schmeckt mild, jedoch nicht angenehm, riecht nach Hanf und gehört zu den trocknenden Ölen. Das spezifische Gewicht des Hanföls ist bei 15° C. 0,93; bei -11° C. ist es noch vollkommen flüssig, und erst bei -27° erstarrt es zu einer bräunlichgelben Masse. Das Hanföl löst sich in 30 Teilen kaltem, leichter in kochendem Alkohol. Läßt man es in stachen Schalen im Sonnenlicht stehen, so wird es gebleicht und nimmt erst die Konsistenz eines sehr dicken Balsams an, ehe es völlig austrocknet. Das Hanföl wird in allen Ländern, wo Hanf gebaut wird, dargestellt, besonders aber in Rußland. Man raffiniert es mit Schwefelsäure und benutzt es dann als Brennöl; am häufigsten aber dient es zur Darstellung grüner Seife, zur Ölgaserzeugung, zum Malen und zur Teerbereitung.

  

Weiterführende Informationen

Quellen

 

Hafer ] Haftkraut ] Hagebutte ] Hagedorn ] Hainkreuzkraut ] Hamamelis ] Handlappiger Rhabarber ] [ Hanf ] Hanfnessel ] Hanfnessel, zottige ] Hängebirke ] Härekraut ] Harnkraut ] Hartheu ] Hasenwurz ] Hauhechel ] Heckenysop ] Heidelbeere ] Heil aller Welt ] Heildistel ] Heiligkraut ] Heilwundkraut ] Helenenkraut ] Helmgiftkraut ] Herbstmantel ] Herbstzeitlose ] Hermelin ] Herzgespann ] Herzkraut ] Herzwurzel ] Hexenbesen ] Hexenhasel ] Hexenkraut ] Hexenzwiebel ] Himmelblume ] Himmelsschlüssel ] Hirschhornflechte ] Hirtentäschel ] Hochzeitsblume ] Hohlzahn ] Holler ] Holunder ] Honigklee ] Hopfen ] Huder ] Huflattich ] Hundbeere ] Hundsraute ] Hundsrose ] Hutpflanze ]

 

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