Flachs

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Lein, echter

auch: Flachs, Echter Lein

Familie: Leingewächse 

(Linaceae)

Flax (engl.)

 

Lt: Linum usitatissimum

Kleine Pflanzenkunde

 

Echter Lein

Echter Lein ist einjährig und wird bis zu 1,20 Meter hoch. Der Stängel wächst aufrecht, ist kahl und im oberen Bereich verzweigt. Die Blätter sitzen wechselständig, sind recht spitz und von blau-grüner Farbe. Lein blüht hellblau - die Blüten entwickeln sich einzeln an den Enden der Seitenäste. Lein bildet eine rundliche Fruchtkapsel mit fünf Fächern. Darin sind meist zehn glänzend braune, flache Samen enthalten. Lein  wird in den Gebieten mit gemäßigtem Klima kommerziell angebaut. Je nach Sorte werden Fasern oder Samen genutzt. Lein ist wohl eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschen. Auch Hildegard von Bingen empfahl die Anwendung von Leinsamen sowohl innerlich, als auch äußerlich.

Blütezeit: Juli bis August, Sammelzeit: August bis September

In der Roten Liste der Pflanzenarten - nach Bundesartenschutzverordnung besonders geschützte Art(en) [Stand 2007]: 

  • Linum flavum L. (Gelber Lein)

  • Linum perenne L. (Ausdauernder Lein)

  • Linum spp. (Lein)

 

Heilwirkung & Einsatzbereiche

 

Echter Lein

Heilend, fördernd und kräftigend für: Galle, Verdauungsorgane, Haut, Magen

Anwendung bei: Verstopfung, Gastritis, chronischer Darmträgheit, Entzündung der Magenschleimhaut, Wunden der Haut

Eigenschaften: abführend (laxierend), stuhlerweichend, schleimhautschützend

Wirksame Teile: Leinsamen (Lini semen), auch Faser und Öl

Inhaltsstoffe: Schleimstoffe, Ballaststoffe (Hemizellulose, Zellulose und Lignin), fettes Öl (Linolensäureester), Eiweiß, Linustatin

 

Rezepturen  &  Produkte

 

Echter Lein - Samen

Leinsamen wird innerlich in ganzen oder geschroteten Samen eingenommen und äußerlich als Breiumschlag eingesetzt. Etwa zwei bis dreimal täglich kann je ein Esslöffel unzerkleinerter oder aufgeschlossener (nicht geschrotet) Leinsamen mit jeweils rund 150 ml Flüssigkeit eingenommen werden. Mit zwei bis drei Esslöffeln geschrotetem bzw. zerkleinerten Leinsamen kann Leinsamenschleim zubereitet werden. Leinsamenmehl kann am besten für feucht-heiße Umschläge verwendet werden.  

   

   

In der Tierheilkunde

  • Lein wird in der Veterinärmedizin eingesetzt zur Entzündungshemmung und Fiebersenkung bei gastrointestinalen Störungen (verschiedene Verdauungsbeschwerden) - insbesondere von Ferkeln und Kälbern.

  • Leinsamenöl wird in der traditionellen Tierheilkunde gegen Ohrensausen/Ohrenschmerzen ingesetzt - dafür werden einige Tropfen lauwarmes Leinsamenöl ins Ohr geträufelt.

  • Auch zahlreiche Futtermittel für Tiere beinhalten Lein - vor allem aufgrund der im Lein enthaltenen Schleimstoffe. Diese Schleimstoffe wirken vor allem im Magen-Darm-Trakt, indem sie das Darmvolumen steigern und damit den Stuhlgang regulieren. Schleimstoffe werden auch eingesetzt, um Giftstoffe aufzusaugen, Entzündungen zu hemmen, den Blutzucker zu senken und in Einzelfällen auch das Immunsystem zu stärken. (S. Bäumler: Heilpflanzenpraxis heute)

  • Im Lein sind jedoch auch Cyanogene Glycoside enthalten. Cyanogene Glycoside sind weit verbreitete Pflanzengifte aus der Gruppe der Glycoside. Bei der enzymatischen Spaltung entsteht daraus u. a. der giftige Cyanwasserstoff HCN, auch Blausäure genannt. Daher gilt Lein in zu hoher Dosierung als unverträglich für Pferde, Rinder, Schweine, Hunde, Katzen, Kaninchen und Meerschweinchen.

  • Allgemeine Empfehlung

   

   

In alten Büchern gestöbert

Handbuch der Drogisten-Praxis Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Sémina lini. Leinsamen.
Linum usitatíssimum. Linéae. Mittelasien, jetzt überall kultivirt.
Samen plattgedrückt, länglich eiförmig, 3 mm lang, 2 mm breit, glänzend, hellbraun, von einer farblosen Schleimschicht umgeben, die sich beim Einweichen in Wasser löst. Geruch schwach; Geschmack süsslich, schleimig.
Bestandtheile. Fettes Oel (s. d.) 25–30 %; Schleim 15 % etc. Die Presskuchen, Placenta lini, liefern gepulvert die Farina lini. Etwaige Verfälschungen dieses Präparates mit Mehlabfällen, Kleie etc. erkennt man durch Jodwasser. Bläuung lässt Mehlzusatz erkennen.
Anwendung. Innerlich im Aufguss als schleimiges, reizlinderndes Mittel, bei Husten, Gonorrhöe etc.
Farina lini äusserlich zu erweichenden Breiumschlägen.

  

Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 6. Band: Seite 328

Der gebräuchliche Lein oder gemeine Flachs (L. usitatissimum L.), 30–60 cm hoch, mit aufrechtem, oben trugdoldig verzweigtem, kahlem Stengel, abwechselnden, schmal lanzettförmigen Blättern, blauen Blüten und zusammengedrückten, eilänglichen, zugespitzten Samen, von unbekannter Herkunft, wird in mehreren Varietäten kultiviert, besonders zur Gewinnung seiner Bastfaser, des Flachses. Man unterscheidet: Schließ- oder Dreschlein (L. usit. vulgare), mit nicht aufspringenden Samenkapseln, hohem, wenig verästeltem Stengel und minder feiner und weicher Faser, vorzüglich in Rußland, Norddeutschland, Österreich, Belgien, Holland und England angebaut.

Gewöhnlich baut man den Flachs nach einer seicht wurzelnden Getreideart (Hafer, Roggen), jedoch mit weit sichererem Erfolg nach einer gut gedüngten Hackfrucht. Meist kehrt er auf demselben Feld nach 9, 10 und mehr Jahren wieder, kann aber bei richtiger Behandlung des Feldes und entsprechender Düngung (zumal mit Kali) mit Sicherheit alle vier Jahre dasselbe Feld einnehmen.

  

Merck`s Warenlexikon, 1884; Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884; Seite 134-137; Warenbeschreibung

Der Lein ist sowohl Öl als Spinnpflanze; beiderlei Nutzungen können nicht voll neben einander bestehen, eine muß zur Hauptsache gemacht werden. Man sät daher den hauptsächlich auf Fasern zu nutzenden F. dicht und um so dichter, je feiner die Faser werden soll, den zum Samentragen bestimmten viel dünner, wodurch der Same sich vollkommener ausbildet, der Stengel dagegen stark und ästig wird und nur grobe Fasern gibt. 
Das Ziehen oder Raufen des F. erfolgt, wenn es sich um Samenzucht handelt, zu der Zeit, wo die Kapseln sich zu bräunen anfangen, bei den zur Bastgewinnung bestimmten Pflanzen aber im noch grünen Zustande, sobald am Stengel die unteren Blättchen abfallen. Der Same ist dann noch nicht völlig ausgereift und zur Aussaat nicht, wohl aber zur Ölgewinnung brauchbar. Den richtigen Zeitpunkt der Ernte zu treffen ist wichtig, da zu frühes Ziehen zwar feine aber haltlose Fasern gibt, während die überreife Faser, da sie starr und brüchig geworden, auch wieder an Qualität verloren hat. 

   

   

Weiterführende Informationen

Kräuterbuch anno 1625

Charakteristik und Beschreibung (engl.)

Quellen

 

Fächerblattbaum ] Faulbaum ] Feldraute ] Fenchel ] Fesen ] Feigwurzel ] Felddistel ] Feldgarbenkraut ] Feldkümmel ] Feldkürbis ] Feldstiefmütterchen ] Feldthymian ] Feldwegwart ] Fichte ] Fieberbaum ] Fieberklee ] Fieberkraut ] Fiebermoos ] Fieberweide ] Fieberwurz ] Filigrazie ] Fingerkraut ] [ Flachs ] Flachsgras ] Flechtgras ] Fleckenkraut ] Flockenblume ] Flohsamen, indische ] Französische Artischocke ] Frauenbiss ] Frauendistel ] Frauenkraut ] Frauenmantel ] Frauenwohl ] Frauenwurzel ] Frühlings-Adonisröschen ] Fuchskreuzkraut ] Fuchswurzel ]

 

 

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