Fieberwurz

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Enzian, gelber

auch: Gelber Enzian, Bitterwurz, Fieberwurz

Familie:

Enziangewächse (Gentianaceae)

 

 

Lt: Gentiana lutea

Kleine Pflanzenkunde

Gelber Enzian

  

Es gibt zahlreiche verschiedene Enzianarten, in Mitteleuropa kommen davon etwa 30 Arten vor. Für die Naturheilkunde und auch für die moderne Medizin ist der Gelbe Enzian interessant. Die Pflanze zählt in Deutschland zu den geschützten Pflanzenarten (siehe auch: Rote Liste der Pflanzenarten). Enzian ist ausdauernd und kann bis zu 60 Jahre alt werden. Die Pflanze erreicht Wuchshöhen von etwa 150 Zentimetern. Der blaugrüne Stängel ist hohl - die Blätter stehen gegenständig, sind groß und elliptisch geformt. Die gelben Enzianblüten entwickeln sich in den oberen Blattachseln als drei- bis zehnblütige Scheindolden. Die Pflanze bildet eine kegelförmige Kapselfrucht aus. Der Wurzelstock ist fleischig und pfahlförmig.

Blütezeit: Juli bis August, Sammelzeit: September bis November

In der Roten Liste der Pflanzenarten - nach Bundesartenschutzverordnung besonders geschützte Art(en) [Stand 2007]:

  • Gentiana lutea L. (Gelber Enzian)

  • Gentiana spp., Gentianella spp. (Enziane)

  • Gentianella lutescens (Gelblicher Enzian)

  

Heilwirkung & Einsatzbereiche

Gelber Enzian

Heilend, fördernd und kräftigend für: Verdauungsorgane

Anwendung bei: Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Blähungen, Verdauungsbeschwerden

Eigenschaften: sekretionsfördernd, antimikrobiell, psychostimulierend, immunmodulierend

Wirksame Teile: Enzianwurzel (Gentianae radix)

Inhaltsstoffe: Bitterstoffe (Secoiridoide), Xanthone, Polysaccharide

  

Rezepturen & Produkte

Gelber Enzian

Die Anwendung erfolgt innerlich als Tee, Tinktur, Magenbitter oder Fertigpräparaten. Zur Appetitanregung oder bei Verdauungsbeschwerden wird folgender Tee zur Einnahme vor den Mahlzeiten empfohlen: Etwa ein halber Teelöffel (1 g) Enzianwurzel mit 150 ml siedendem Wasser übergießen und nach rund zehn Minuten durch ein Teesieb geben.

  

   

In der Tierheilkunde

Susanne Fischer-Rizzi empfiehlt in ihrem Buch "Medizin der Erde" bei Fressunlust, Abmagerung und allgemeiner Schwäche der Tiere die Anwendung einer Mischung aus feingeschnittenen oder pulverisierten Kräutern: Tausengüldenkraut (2 Mengenteile), Enzianwurzel (2 Mengenteile), Wermutkraut (1 Mengenteil) und Brennnesselkraut (1 Mengenteil) mit Bockshornkleesamen (1 Mengenteil). Je nach Tierart und Gewicht sollten 2 bis 4 EL dem Futter beigemischt werden.

Allgemeine Empfehlung

  

   

In alten Büchern gestöbert

Handbuch der Drogisten-Praxis Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Rádices gentianae (rúbrae). Enzianwurzeln. Bittere Fieberwurzeln.
Gentiána lútea. G. purpúrea. G. Pannónica. G. punctáta. Gentianéae.
Alpen und Gebirge Südeuropas.
Ursprünglich ist nur die Wurzel von Gentiana lutea offizinell, doch gleichen ihr die der anderen angeführten Arten sowohl im Aeussern wie in ihren Bestandtheilen. Sie ist eine Pfahlwurzel von 20–24 cm Länge und 2–4 cm Dicke, häufig mehrköpfig, und kommt meist der Länge nach gespalten in den Handel. Sie ist aussen gelbbraun, am oberen Ende wulstig geringelt mit schwachen Längsfurchen. Innen mehr röthlich oder orangefarben (die beliebte rothe Farbe der Wurzel soll nach neueren Beobachtungen nur dadurch erzielt werden, dass man die frischen Wurzeln in Haufen schichtet und einige Tage einer Art von Gährung überlässt. Die Wurzeln erhitzen sich dadurch stark und zeigen nun nach dem Trocknen eine rothe Farbe. Die Ausbeute an Extrakt soll aber durch diese Behandlung leiden), fleischig, nicht holzig, gut getrocknet spröde, aber weil hygroskopisch bald wieder zäh werdend. Die Einsammlung soll im Frühjahr geschehen. Geruch eigenthümlich süsslich, nicht angenehm; Geschmack stark bitter. Bestandtheile. Gentianin (krystallisirbarer Bitterstoff), Zucker, gelber Farbstoff, Fett etc.
Anwendung. In der Medizin als magenstärkendes Mittel, entweder als Zusatz zu Tinkturen, oder als Extrakt; ferner in grossen Massen zur Likörfabrikation.
Der in den Alpen in grossen Mengen fabrizirte Enzianschnaps ist kein Auszug der Wurzeln, sondern wird bereitet, indem man die frischen Wurzeln auskocht, die stark zuckerhaltige Flüssigkeit vergähren lässt und dann abdestillirt. Die früher unter dem Namen Rad. gentianae albae gebräuchlichen Wurzeln stammten von einer Umbellifere, Laserpitium latifolium, sind jetzt völlig obsolet.

 

Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 7. Band: Seite 113

Gentiana L. (Enzian, Bitterwurz), Gattung aus der Familie der Gentianaceen, einjährige Kräuter oder Stauden mit gegenständigen, meist sitzenden, ganzrandigen Blättern, end- oder achselständigen, einzeln, gehäuft, in Doldentrauben oder Rispen stehenden Blüten und einfächeriger, zweiklappiger, vielsamiger Kapsel. Etwa 180 Arten in den gemäßigten Klimaten und auf den Gebirgen der nördlichen Halbkugel und den Andes Südamerikas, wenige Arten in Neuseeland.
Die meisten Gentianen blühen blau, doch kommen auch gelb, weiß und rot blühende Arten vor; letztere sind auf die Andes beschränkt, blau blühende steigen im Himalaja bis 5000 m hoch; die große Mehrzahl findet sich in hügeligen und bergigen Gegenden, doch dringen manche auch bis in die Tropen vor. Die Gentianen zeichnen sich durch eleganten Habitus und Schönheit der Blüten aus und bilden einen Hauptschmuck der Alpen. 

Gentiana lutea L. (gemeiner oder großer Enzian, Fieberwurzel, Bitterwurz), ausdauernd, wird 1,25 m hoch, hat halbumfassende, elliptische Blätter und gelbe Blüten in reichblütigen, achselständigen Trugdolden, findet sich im mittlern und südlichen Europa, auf Alpenmatten von 950–2000 m, von Spanien und Portugal bis zum Thüringer Wald und Kroatien. Die wenig ästige, bis 60 cm lange, meist zolldicke Wurzel ist als Radix gentianae offizinell. Sie ist außen gelblich oder rötlichbraun, innen rot oder orangebräunlich, schmeckt zuerst etwas süß, dann stark und anhaltend bitter, riecht schwach eigentümlich und enthält als besondere Bestandteile Gentiansäure (Gentisin) C14H10O5 , welche in geschmacklosen, blaßgelben Nadeln kristallisiert, in Wasser sehr schwer löslich ist und über 300° sublimiert, sowie Gentiopikrin C20H30O12 , welches in farblosen Nadeln kristallisiert, leicht löslich in Wasser, nicht flüchtig ist und beim Kochen mit Säuren in Zucker und Gentiogenin gespalten wird.
Die Enzianwurzel wird häufig bei Dyspepsie gebraucht; früher schrieb man ihr auch erhebliche Wirkung als Fiebermittel zu, doch hat sich diese nicht bestätigt. Die Wurzel enthält kein Stärkemehl, aber gärungsfähigen Zucker; ein wässeriger Auszug derselben gärt und gibt dann bei der Destillation den Enzianbranntwein, welcher in der Schweiz und Süddeutschland dargestellt wird. 

  

   

Weiterführende Informationen

E-Monographie

Kräuterbuch anno 1625

Quellen

 

Fächerblattbaum ] Faulbaum ] Feldraute ] Fenchel ] Fesen ] Feigwurzel ] Felddistel ] Feldgarbenkraut ] Feldkümmel ] Feldkürbis ] Feldstiefmütterchen ] Feldthymian ] Feldwegwart ] Fichte ] Fieberbaum ] Fieberklee ] Fieberkraut ] Fiebermoos ] Fieberweide ] [ Fieberwurz ] Filigrazie ] Fingerkraut ] Flachs ] Flachsgras ] Flechtgras ] Fleckenkraut ] Flockenblume ] Flohsamen, indische ] Französische Artischocke ] Frauenbiss ] Frauendistel ] Frauenkraut ] Frauenmantel ] Frauenwohl ] Frauenwurzel ] Frühlings-Adonisröschen ] Fuchskreuzkraut ] Fuchswurzel ]

 

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