Echter Galgant

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Echter Galgant

auch: Galanga, Galgant

Familie: Zingiberaceae

(Ingwergewächse)

Galangal (engl.)

 

Lt: Alpinia officinarum

Kleine Pflanzenkunde

Echter Galgant

 

Echter Galgant

Die Stammpflanze Alpinia officinarum ist eine ausdauernde Pflanze. Sie besitzt einen langen, kriechenden, schlanken, glatten und zylindrischen Wurzelstock, der sich reichlich verzweigt und etwa 2 cm dick wird. Er ist mit zahlreichen, großen, hellbraunen Schuppen besetzt, nach deren Abfallen weißliche Narben zurückbleiben. Aus einem Wurzelstock entspringen bis zu 40 Stengel, die teils Blüten und Blätter, teils nur Blätter tragen. Die Blütensprosse werden 60 bis 150 cm hoch. Die Pflanze besitzt bis 30 cm lange, lineal-lanzettliche ganzrandige, sitzende Blätter. Die Blüten bilden eine dichte endständige Traube. Die weiße Blumenkrone ist dreilappig und unten röhrig. Das eine der sechs Staubgefäße ist zu einer großen Lippe ausgebildet, die weiß gefärbt ist und rote Längsadern zeigt. Die Frucht ist eine fast kugelige Kapsel. Heimat: die Südküste der chinesischen Insel Hainau. An der chinesischen Küste wird sie auch angebaut. (Madaus 1938) 

Anbaugebiete: Südchina, Indien, Thailand

  

Heilwirkung & Einsatzbereiche

Echter Galgant  

Wirksame Teile: Galangae rhizoma, Galantwurzelstock

Inhaltsstoffe: Scharfstoffe vom Diarylheptanoid-Typ,  Phenylalkanone Gingerol, Acetoxychavicolacetat, ätherisches Öl

Eigenschaften: anregend auf die Schleimhaut des Verdauungstraktes

Anwendung bei: Appetitlosigkeit

 

In alten Büchern gestöbert

Handbuch der Drogisten-Praxis Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Rádices rect. Rhizóma galángae (minóris). Galgantwurzeln.
Alpínia officinárum. Scitaminéae (Zingiberacéae). China.
Diese Droge kommt hauptsächlich über Shanghai und Singapore in den europäischen Handel und zwar in Ballen von ca. 1 Ctr. Sie bildet ca. fingerdicke, etwa fingerlange, meist gekrümmte, einmal verästelte Stücke, aussen von rothbrauner Farbe mit ringförmigen Wülsten. Auf dem Querschnitt ist die Farbe heller, zimmtfarben, mit zwei, durch eine dunkle Kreislinie getrennten Schichten. Auf dem Bruch erscheint sie dicht, etwas faserig, holzig. Der Geruch ist angenehm aromatisch, der Geschmack gleichfalls, doch brennend scharf.
Bestandtheile. Aetherisches Oel (Ursache des Aroms), scharfes Weichharz.
Anwendung. Als magenstärkendes Mittel, hauptsächlich als Zusatz, zu Magenschnäpsen; hier und da auch von den Landleuten als brunstförderndes Mittel bei dem Rindvieh angewandt. Die Wurzel soll nicht zu hell und möglichst schwer sein. Die früher zuweilen in den Handel kommenden Rad. galangae majóris, von Alpinia galangae, waren grosser, innen mehlig, schmutzigweiss.

 

Dr. Med. Gerhard Madaus, Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, 1938

Die Galgantwurzel ist in China wohl schon im Altertum als Stomachikum benutzt und bereits in der Ayur-Vedas Susrutas (5. Jahrhundert n. Chr.), sowie von Plutarch erwähnt worden. Bei den Arabern finden wir die Droge, deren Mutterpflanze Alpinia officinarum erst 1870 durch H. F. Hance bekannt wurde, zuerst bei dem Geographen Ibn Khurdadbah (9. Jahrhundert n. Chr.), der sie als Erzeugnis von Sila zusammen mit Muskat, Aloë, Kampfer, Seide und Zimt nennt. Die im 9. und 10. Jahrhundert lebenden arabischen Ärzte Avicenna und Alkindi rühmen den Galgant als geschätztes Heilmittel und haben wohl wesentlich zu seiner Verbreitung im Abendlande beigetragen. In der Handelsschrift "Della decima" des florentinischen Kaufmannes Pegalotti sind zwei Arten, die leichte und schwere Galgantwurzel, beschrieben. Auch der portugiesische Arzt Garcia da Orta beschrieb 1563 zwei Sorten Galgantwurzeln, eine kleinere aus China und eine größere von Java. Im Mittelalter war die Wurzel ähnlich dem Ingwer ein beliebtes Gewürz und wurde als aromatisches Stimulans verwendet. In Deutschland wurde sie seit dem 8. Jahrhundert benutzt, denn sie ist unter den Bestandteilen eines Rezeptes in einem Manuskript der Würzburger Universitätsbibliothek aus dem 8. Jahrhundert genannt. Ebenso war sie der Schule von Salerno (13. Jahrhundert) bekannt, und die hl. Hildegard (12. Jahrhundert) rühmt sie in ihren Schriften. In England findet sie in dem berühmten Arzneibuch des 13. Jahrhunderts "Meddygon Myddfai" Erwähnung. Der Galgant ist auch heute noch ein beliebtes Volksheilmittel bei den Liven, Esten und in Mittelrußland. Die Tataren sollen ihn als Zusatz zum Tee nehmen, auch wurde er in Rußland von den Bierbrauern benutzt. Auch in der Tierheilkunde findet die Droge Verwendung. Von Paracelsus als magenstärkendes Mittel empfohlen. 

V. Haller schreibt der Galgantwurzel erwärmende und schleimverdünnende Kraft zu und empfiehlt sie daher bei "schleimichten Unreinigkeiten des Magens und der Gedärme und dem davon herrührenden Schwindel"; auch soll sie zuverlässige emmenagoge Wirkung besitzen und bei Chlorose, die durch Amenorrhöe bedingt ist, "ungemeine Dienste thun". 

In einem von Hufeland veröffentlichten Aufsatz von Dreißig, Charkow, wird Galanga als Heilmittel bei Diarrhoea chylosa geschildert. In Indien unterscheidet man zwei Varietäten, und zwar eine mit weißem und die zweite mit rotem Wurzelstock. Die letztere wird in der Heilkunde vorgezogen und als Mittel gegen Cholera (hier in Verbindung mit Knoblauch und Meersalz), Fieber mit Milzschwellung und Hautausschläge geschätzt. Die jungen Früchte werden als Emmenagogum gebraucht und der Saft der jungen Triebe gegen Ohrenreißen. Um Hautflecken zu entfernen, benutzt man einen kleinen, mit Essig angefeuchteten Zweig zum Betupfen.

 

Weiterführende Informationen

E-Monographie

Quellen

 

Eberesche ] Eberraute ] Echinacea ] Echte Goldrute ] Echte Kamille ] Echte Küchenschelle ] Echte Nelkenwurz ] Echte Pfingstrose ] Echter Augentrost ] Echter Dost ] [ Echter Galgant ] Echter Kerbel ] Echter Koriander ] Echter Kümmel ] Echter Lavendel ] Echter Lein ] Echter Thymian ] Echter Ysop ] Echtes Herzgespann ] Echtes Löffelkraut ] Echtes Lungenkraut ] Echtes Tausendgüldenkraut ] Edelgamander ] Edelkastanie ] Edelwurz ] Edler Salbei ] Efeu ] Ehrenpreis, echter ] Eibisch ] Eiche ] Eisenhut ] Eisenkraut ] Eisenkraut II ] Elefantenohrbaum ] Engelwurz ] Enzian, gelber ] Ephedra ] Erbelkraut ] Erbse ] Erbseldorn ] Erdbeere, wilde ] Erdefeu ] Erdgallenkraut ] Erdrauch ] Erdrose ] Esche ] Eselsohr ] Essigdorn ] Esskastanie ] Eukalyptus ]

 

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