Baldrian

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Baldrian

auch: Katzenkraut, Stinkwurz, Katzentee, Krampfkraut, Dreifuß, Stinkwurzel, Ballerjan, Arzneibaldrian, Wormwurzel, Katzenwurzel

Familie: Baldriangewächse

  (Valerianaceae)

Valerian (engl.)

 

Lt: Valeriana officinalis

Kleine Pflanzenkunde

Baldrian

Baldrian wächst in ganz Europa bevorzugt auf Wiesen, an Gräben, in Wäldern und Gebüschen. Die Pflanze mit ihrem aufrechten, einfach gefurchten, holen Stängel kann bis zu 170 cm groß werden. Die Blätter sind unpaarig gefiedert und gegenständig angeordnet. Die rosa bis weiß-roten Blüten bilden eine endständige Doldenrispe. Um die Pflanze in der Natur zu schützen, ist ein Anbau im Garten sehr empfehlenswert. Im zweiten Wuchsjahr werden im Herbst die Wurzelstöcke ausgegraben. Nach einer gründlichen Reinigung werden die Wurzeln zerkleinert und bei höchstens 40°C getrocknet. Baldrian beruhigt besonders sanft, macht aber nicht müde, und kann daher auch bedenkenlos bei Angstzuständen oder Nervosität verwendet werden.

    

Heilwirkung & Einsatzbereiche

Baldrian

Heilend bei: nervösen Herzbeschwerden, nervöser Erschöpfung, nervösen Magenbeschwerden,  Migräne, Schlaflosigkeit, Schwächezustände, Unruhezustände

Wirkung: schlaffördernd, beruhigend (sedierend)

Blütezeit: Juli bis September / Sammelzeit (Wurzel): September bis Oktober

Wirksame Teile: Baldrianwurzel

Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Valepotriate bzw. deren Derivate (Valerensäuren) 

Interessant: Samuel Hahnemann (Begründer der Homöopathie): »Es ist kein Wunder, daß der Katzenbaldrian (Valeriana officinalis) in mäsigen Gaben die chronischen Krankheiten von allzu großer Reitzbarkeit hebt, da er vor sich in starker Gabe die Reitzbarkeit des ganzen Körpersystems, wie ich erfahren habe, so ungemein zu erhöhen pflegt.« (Journal der practischen Arzneykunde und Wundarzneykunst, herausgegeben von C.W. Hufeland, 1796, 2. Band)

  

Rezepturen & Produkte

Baldrian

Die Anwendung erfolgt innerlich als Tee oder als Pflanzenpresssaft und äußerlich als Badezusatz.

Teebereitung mit Wurzel: 1 TL (ca. 2,5 g) Baldrianwurzel (oder die entsprechende Menge in einem Aufgussbeutel) wird mit siedendem Wasser (150 bis 200 ml) übergossen und nach etwa 15 Minuten durch ein Teesieb gegeben.

Teebereitung mit Tinktur: 1 TL (1 - 3 ml) verdünnt mit 150 bis 200 ml Tee oder Wasser einnehmen. Empfehlenswert ist dafür eine Teemischung mit Beifuß und Melisse.

Für ein Vollbad benötigen Sie rund 100 g Baldrianwurzel.

 

   

In der Tierheilkunde

  • Baldrian eignet sich für fast alle Tiere, ist jedoch für Katzen ungeeignet.

  • Baldrian als Tee, Tinktur oder Pulver zur Beruhigung, Entspannung, Entkrampfung, insbesondere bei Krämpfen und Koliken

  • Traditionell wird bei Kreislaufschwäche des Hundes ein milder Baldrianaufguss dem Futter beigemischt.

  • In der Veterinärmedizin zur Dämpfung von Stress und Beruhigung bei Stresszuständen als flüssige Zubereitung bzw. als Aerosol.

  • Baldrianwurzel wird als Zusatzfuttermittel für Pferde angeboten.

  • Allgemeine Empfehlung

 

   

In alten Büchern gestöbert

Handbuch der Drogisten-Praxis Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Rádices valeriánae. Baldrianwurzeln. Valeriána officinális. Valerianéae.
Mitteleuropa, auch kultivirt.
Wurzelstock kurz, aufrecht, vollständig mit Nebenwurzeln besetzt, heller bis dunkelbraun. Vorzuziehen sind die von trockenen Standorten gewonnenen Wurzeln. Bei diesen sind die Nebenwurzeln dünner, aber voll, nicht runzelig. Im Herbst zu sammeln und beim Trocknen strengstens vor Katzen zu wahren. Geruch, der sich erst beim Trocknen entwickelt, ist eigenthümlich widerlich, aromatisch. Geschmack bitterlich, kampherartig, gewürzhaft.
Bestandtheile. Aetherisches Oel, Baldriansäure (flüchtig), Weichharz.
Anwendung. Als krampfstillendes, nervenstärkendes Mittel.
Verwechselungen mit Valeriana Phu. Wurzelstock länger, geringelt, nur unten mit Fasern besetzt. Valeriana dioica mit ähnlichem Wurzelstock und hellen, dünnen, geruchlosen Wurzelfasern.
Die kultivirte thüringer Waare erscheint im Allgemeinen grösser und kräftiger, ist aber lange nicht so geschätzt als die kleinere harzer. 3 Theile frische Wurzel geben 1 Theil trockene. 

 

Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 16. Band: Seite 39

Valeriana L. (Baldrian), Gattung aus der Familie der Valerianeen, ein- oder mehrjährige Kräuter, Halbsträucher, selten Sträucher, mit einfachen, ganzrandigen oder gezahnten, fiederspaltigen oder ein- bis dreifach fiederteiligen Blättern, weißen oder roten Blüten in verschieden gestalteten Rispen und häufig von einem Pappus gekrönten Achenen. Etwa 180 Arten in Europa, Asien, Amerika, meist Gebirgsbewohner. Valeriana officinalis L. (Theriakwurz, Katzenwurz, Katzenbaldrian [...], mit kurzem, bis 1 cm dickem, oft Ausläufer treibendem Knollstock und zahlreichen dünnen, stielrunden Nebenwurzeln, 30–150 cm hohem, oben verästeltem Stengel, unpaarig fiederteiligen Blättern, von denen die obern kürzer gestielt und sitzend, kleiner und einfacher sind, doldenrispigen Blütenständen und fleischroten, wohlriechenden Blüten, variiert stark, wächst in ganz Mittel- und Nordeuropa, Nordasien, Japan und liefert die offizinelle Baldrianwurzel, eins der wichtigsten Arzneimittel, mit brauner Außenrinde, nach dem Trocknen eigentümlich kampferartigem unangenehmen (von den Katzen sehr geliebten) Geruch und süßlich-bitterlich gewürzhaftem Geschmack.
Die trockne Wurzel enthält ½–2 Proz. ätherisches Baldrianöl. Sie war als Nardus gallicus schon den Alten bekannt und seitdem stets viel im Gebrauch. Der Name dürfte mit Valere, gesund sein, zusammenhängen. Im deutschen Mittelalter hieß die Pflanze Denemarcha, noch früher Tenemarg, wie noch heute in einem Teil der Schweiz. 

Von Valeriana celtica L. (Nardenbaldrian, Spicknarden), mit einfachem, nicht verästeltem Stengel, einfachen, ganzrandigen, stumpfen, in den Blattstiel verschmälerten Blättern und rötlichen Blüten in pyramidaler Rispe, auf den höchsten Alpen, stand die Wurzel als keltische Narde oder Spik früher, wie noch jetzt bei den Alpenbewohnern, in hohem Ansehen. Valeriana rubra L., zweijährig, mit blaßroten Blüten, aus Südeuropa, wird als Zierpflanze kultiviert.

 

   

Weiterführende Informationen

E-Monographie

Charakteristik und Beschreibung (engl.)

Kräuterbuch anno 1625

Quellen

 

Bachkresse ] Bachminze ] [ Baldrian ] Balsambaum, peruanischer ] Bathengel ] Bardane ] Bärendill ] Bärenfenchel ] Bärenklau ] Bärenschweif ] Bärentraube ] Bärlapp ] Bärlauch ] Bartflechte ] Bärwurz ] Basilikum ] Bauernrose ] Bauernsenf ] Beifuß ] Beinwell ] Benediktendistel ] Benediktenkraut ] Benediktinerrose ] Berberitze ] Bergföhre ] Bergkümmel ] Bergliebstöckel ] Bergwohlverleih ] Bertramsgarbe ] Besenginster ] Bibernelle ] Bickbeere ] Bienenkraut ] Bierhopfen ] Birke ] Bisamklee ] Bitterdistel ] Bitterer Beifuß ] Bitterfenchel ] Bitterklee ] Bitterkraut ] Bitterkresse ] Bittersüß ] Bitterwurz ] Blasenkirsche ] Blasse Kegelblume ] Blaubeere ] Blaue Schlüsselblume ] Blaugummibaum ] Bleichblume ] Blumenkresse ] Blumennessel ] Blutauge ] Blutkraut ] Blutkraut II ] Blutlungenmoos ] Blutwurtz ] Blutwurz ] Boberelle ] Bockshornklee ] Bockskraut ] Bohne (Garten-) ] Boldo ] Borgelkraut ] Bornwurz ] Borretsch ] Brahmtee ] Brauner Senf ] Braunwurz ] Breitwegerich ] Brennnessel ] Brombeere ] Brunnenkresse ] Brustlattich ] Buschbohne ] Buschwindröschen ] Butterblume ] Butterblume II ] Butterblume III ]

 

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