Anis

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Anis

auch: Änis, Bibernelle, Süßer Fenchel, Römischer Fenchel, Süßer Kümmel, Brotsame, Anis-Bibernelle

Familie: Doldenblütengewächse 

(Apiaceae)

   

Lt: Pimpinella anisum

Kleine Pflanzenkunde

Anis

Anis ist eine alt bewährte Kulturpflanze der östlichen Mittelmeerländer. Er wird unter anderem in Ägypten, Spanien, der Türkei und Italien angebaut. Anis ist einjährig, wird bis zu 50 cm hoch und bevorzugt sandige Lehmböden. Der Stängel ist gerillt und behaart. Die unteren Blätter sind langgestielt, nierenförmig und gezähnt. Die Blüten treiben in sieben- bis 15strahligen Doppeldolden. Bei der Anpflanzung im Garten ist zu beachten, dass Anis einen sehr sonnigen Standort mit kalkreichem Boden benötigt. Im Reihenabstand von 30 cm kann er im April und Mai gesät werden.

Heilwirkung & Einsatzbereiche

Anis

Heilwirkende Bestandteile und Inhaltsstoffe: Früchte (Anisi fructus), enthalten unter anderem ätherisches Öl

Heilend, fördernd und kräftigend für: Atemwege, Magen, Verdauungsorgane, Stärkung und Förderung der Verdauung

Eigenschaften: auswurffördernd (expektorierend), schwach krampflösend (spasmolytisch), antibakteriell

Einsatz: Innerlich als Tee und Gewürzkraut / äußerlich als Salbe und zur Inhalation

Sammelzeit: August bis September

Anwendung: bei Katarrhen der Atemwege, bei Blähungen und krampfartigen Beschwerden im Magen-Darmbereich  (gut geeignet für Säuglinge und Kleinkinder), bei Leberleiden, Tuberkulose, Menstruationsbeschwerden, Steigerung der Milchsekretion

 

Rezepturen & Produkte

Anis

Äußerlich als Salbe oder zur Inhalation (Ätherisches Öl)

Innerlich als Tee: 1 Teelöffel voll (ca. 1,5 g) kurz vor Gebrauch zerstoßener Anisfrüchte oder die zerkleinerte Menge in einem Aufgussbeutel wird mit siedendem Wasser (ca. 150 ml bis 200 ml) übergossen und nach etwa 15 Minuten durch ein Teesieb gegeben (2mal täglich eine Tasse).

Als Gewürz: zu Kraut, Suppen, Fisch und Geflügel oder frische Anisblätter zu Salaten, Gemüse und Käse (Die in Dolden stehenden Körner der Anispflanze werden als Gewürz verwendet.)

  

In der Tierheilkunde

  • In der Veterinärmedizin zur Linderung von Bronchopneumonie (morphologische Verlaufsform der Lungenentzündung) und zur Fiebersenkung als flüssige Zubereitung bzw. als Aerosol.

  • In der Veterinärmedizin zur Entzündungshemmung und Fiebersenkung bei gastrointestinalen Störungen (verschiedene Verdauungsbeschwerden) - insbesondere von Ferkeln und Kälbern.

  • In der Veterinärmedizin/in der Tierhaltung zur Beseitigung von Fehlern im Stallklima - z.B. zur Neutralisation von Ammoniak, Schwefelwasserstoff und weiteren Schadgasen sowie Bindung „Fällung“ von Staubpartikeln - somit auch zur Hustenlinderung als Bestandteil flüssiger Zubereitungen.

  • Anissamen werden als Zusatzfuttermittel für Pferde angeboten.

  • Traditionell werden zur Anregung der Milchsekretion bei Hündinnen zu gleichen Teilen Anissamen und zerquetschte Fenchelsamen gemischt, überbrüht und davon TL-Portionen dem Futter beigemischt.

  • In der Naturheilkunde finden Anisöl äußerlich Anwendung, zur Behandlung gegen Milben, Läuse und Flöhe.

  • Bei Pferden, Eseln und Hunden hat sich eine Kräutermischung aus Salbei, Anis, Kamille, Malve, Huflattich, Spitzwegerich, Schafgarbe, Königskerze und Lungenkraut gegen Atemwegserkrankungen bewährt. Die Pflanzen können frisch bzw. als Absud dem Futter beigemischt werden.

  • Allgemeine Empfehlung

  

In alten Büchern gestöbert

Handbuch der Drogisten-Praxis Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Fructus (Semen) anisi vulgáris. Anis.
Pimpinella anísum. Umbelliférae. Orient, bei uns kultivirt.
Theilfrüchtchen, jedoch die beiden Theile zusammenhängend, eiförmig, ca. hirsekorngross, grau bis bräunlich grün, mit kurzen angedrückten Haaren; die Berührungsfläche glatt, auf dem Rücken gewölbt, mit 5 helleren Riefen. Geruch und Geschmack süsslich, aromatisch.
Bestandtheile. Aeth. Oel ca. 3 % (s. d.) Zucker.
Anwendung. Medizinisch als linderndes Mittel gegen Hustenreiz, Blähungen etc.; hauptsächlich als Speisegewürz und in der Likörfabrikation. Anis wird in verschiedenen Gegenden im Grossen kultivirt; in Deutschland z. B. in Franken, Thüringen, Provinz Sachsen, ferner in Spanien, auf Malta, vor Allem in Südrussland, namentlich in der Gegend von Charkow.
Der Letztere, obgleich der kleinste, hat in Folge seiner Billigkeit fast alle andern Handelssorten verdrängt. Der grösste Anis ist der von Malta. Guter Anis muss schwer, voll, nicht zu dunkel und von kräftigem Geruch und Geschmack sein.

 

Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 1. Band: A - Atlantiden, Seite 595

(Pimpinella Anisum L.), einjährige Pflanze aus der Familie der Umbelliferen, mit ästigem, 30–50 cm hohem, rundlichem, graugrünem Stengel, herzförmig rundlichen, eingeschnitten gesägten Grundblättern, doppelt dreizähligen Stengelblättern, hüllenlosen, meist zwölfstrahligen, weißblütigen Dolden und breit eiförmigen, grauhaarigen, 3 mm langen Früchten. Einheimisch ist der Anis ursprünglich in Syrien und Ägypten, wird aber in Thüringen, Franken, Sachsen, Schwaben, Böhmen und Mähren, außerdem in Polen, Rußland, im südlichen Frankreich, in Spanien, Unteritalien und in der Levante als Feldfrucht gebaut.
Der Anis von Malta und aus Süditalien (beide unter dem Namen Puglieser) wird wegen seiner Größe besonders zum Verzuckern benutzt; der spanische ist sehr kräftig, der italienische sehr süß und dient daher, wie der französische, zur Likörfabrikation. Der russische ist sehr aromatisch und wird besonders auf Anisöl verarbeitet. Außerdem benutzt man Anis als Küchengewürz, zu Backwerk, selten in der Medizin. Er verlangt einen lockern, mäßig trocknen Boden, eine sonnenreiche, geschützte Lage und wird in Kleestoppeln oder nach Hackfrüchten gebaut.
Man säet vorteilhaft dreijährigen Samen, weil frische Körner den Verheerungen der Anismotte ausgesetzt sind, deren Eier erst im dritten Jahr absterben. Man säet ihn entweder breitwürfig (12–16 kg auf 1 Hektar) oder in Reihen, entweder für sich allein oder, da Anis oft mißrät, mit Möhren vermischt. Den in 3–6 Wochen aufkeimenden Pflänzchen ist Kälte schädlich; später, wenn sich die Blätter ausgebildet haben, schaden ihnen Nachtfröste nicht mehr. Alles Unkraut ist sorgfältig auszujäten, auch muß der Boden sofort nach dem Aufgehen des Samens sowie später gelockert werden.
Man erntet, wenn die Stengel anfangen, gelb zu werden, und der Same an den mittlern Strahlen sich bräunt. Man rauft die Stengel gewöhnlich mit der Hand, doch kann man sie auch schneiden. Feinde des Anis sind die Maden der Anismotte (Tinea anisella Clebaueri) und die sogen. rote Lohe oder das Rotwerden und Faulen der Körner bei anfangender Reife. Erscheint diese Krankheit, so eile man mit dem Ausraufen, um doch noch etwas zu retten. Der Ertrag pro Hektar ist unter günstigen Umständen 20–28 Ztr. (gewöhnlich aber nur 12–16 Ztr.) Körner und 20–30 Ztr. Stroh. Die Spreu, welche immer noch viele unvollkommene Körner enthält, dient zur Gewinnung des Anisöls (s. d.), das Stroh als Viehfutter, besonders als Häcksel für Pferde, oder zur Feuerung, da es eine starke Flamme gibt.

 

   

Weiterführende Informationen

E-Monographie

Kräuterbuch anno 1625

Quellen

 

Aalhorn ] Abrahamstrauch ] Absinth ] Achilleskraut ] Ackerkratzdistel ] Ackerkraut ] Ackermennig ] Ackerschachtelhalm ] Ackerschnalle ] Ackerveilchen ] Adonisröschen ] Afrikanische Teufelskralle ] Aglei ] Ahlbeere ] Akazie ] Akeley ] Alant ] Alexandriner Senna ] Allheilwurzel ] Aloe ] Alraune ] Andorn ] Anemone ] Angelika ] [ Anis ] Anthoskraut ] Antonirose ] Aprilblume ] Aquileja ] Arnika ] Aronstab ] Artischocke ] Arzneilungenkraut ] Asche ] Attich ] Aufrechtes Fingerkraut ] Augentrost ]

 

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