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Alraune
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auch: Gemeine Alraune
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Familie:
Nachtschattengewächse
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Mandrake
(engl.)
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Lt:
Mandragora officinarum
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Kleine Pflanzenkunde
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Mandragŏra (Alraun), Gattung aus der Familie der
Solanaceen, perennierende, fast stengellose Kräuter mit fleischiger, oft gespaltener Wurzel,
großen, ganzen, ovalen oder lanzettförmigen, welligen oder buchtig gezahnten Blättern in kompakten Rosetten, einzeln grundständigen, langgestielten, ansehnlichen, violetten oder gelblichen Blüten und
einfächerigen, vielsamigen Beeren. Drei oder vier Arten im östlichen Südeuropa und im Orient. Mandragora officinarum L. hat grünlichgelbe Blüten und gelbe Beeren von 1,5 cm Durchmesser.
Letztere werden von den Arabern gegessen; sie wirken einschläfernd, und schon Maherbal soll sich dieser Wirkung gegen die Feinde bedient haben. Auch sollen die Früchte zur Wollust reizen und fruchtbar machen, weshalb man sie seit dem Altertum vielfach zu Liebestränken benutzte. Die Blätter legt man als schmerzstillend auf Wunden, auch werden sie von einigen orientalischen Völkern wie Tabak geraucht. Die Wurzel wirkt narkotisch betäubend, und man gab sie daher im Altertum vor schweren Operationen.
Namentlich aber hat die Wurzel als Zaubermittel eine große Rolle gespielt. Schon Pythagoras sprach von ihrer Ähnlichkeit mit einem Menschen; man glaubte sich mit derselben unsichtbar machen zu können und trug sie als Amulett gegen Hexerei. Um sie zu erhalten, waren bestimmte Vorsichtsmaßregeln nötig, weil sie entweder verschwand, oder so entsetzlich schrie, daß der Grabende vor Schreck sterben mußte (Shakespeare). Das Mittelalter bildete diesen Aberglauben weiter aus.
(Meyers Konversations-Lexikon, Vierte Auflage, 1885-1892; 11. Band: Seite 183)
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In alten
Büchern gestöbert
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Brockhaus' Konversationslexikon F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896, Seite: 51.455
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Alraun oder Alraunwurzel, der puppenbalgähnliche (daher bei Columella planta
semihominis), fleischige Wurzelstock der im klassischen Altertum als Zaubermittel und Amulett gebrauchten Mandragora (s. d.) officinalis L., als Radix Mandragorae noch unlängst
offizinell. Abgebildet ist er schon in der Handschrift des Dioskorides aus dem
Anfange des 6. Jahrh. (in der Hofbibliothek zu Wien). Früher knüpfte sich viel Aberglaube an ihn. Man gab ihm menschliche (meist männliche)
Gestalt und nannte ihn Alraun (Alräunchen, Alruneken), Alraun-, Wurzel-, Wichtel-, Erd- oder Galgenmännchen
(holländ. Pisdiefje, d. i. Harndiebchen). Diese wurden im deutschen Altertum als Hausgötter betrachtet, an geheimen Orten in Kästchen gehütet, sorglich gepflegt, z. B.
prächtig gekleidet und Sonnabends in Wasser oder Wein gebadet, auch wohl bei Mahlzeiten beteiligt (vgl.
Lectisternium), und sollten dem verschwiegenen Besitzer Reichtum (darum auch Geld- oder Heckmändl), Gesundheit und andere irdische Güter, Glück bei Prozessen, Fruchtbarkeit
der Frauen, Beförderung der Geburten bringen, leisteten auch Orakeldienst.
Die Charlatane des Mittelalters verkauften sie um hohen Preis. Den meisten Wert hatten die unter dem Galgen gefundenen, angeblich entstanden
aus dem Samen eines gehängten Diebes, der noch reiner Junggeselle ist. Der Glaube an die Wirksamkeit der Alraun ist in manchen Gegenden noch
jetzt nicht verschwunden. Obige Abbildung, ein Alraunmännchen in drei Ansichten (a, b, c), ist einem Dokument von 1575 in Keyßlers
"Antiquitates selectae septentrionales et celticae" (Hannov. 1720) entnommen. In vielen Gegenden, namentlich Nordwestdeutschlands, trennte
man die Erscheinung ganz von der Pflanze und faßte sie wie die Kobolde (s. d.) auf, die als Hunde oder Vögel Glück bringen.
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Meyers Konversations-Lexikon, 1888; Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892; 11. Band: Seite 183
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Man schnitzte aus der Wurzel Männchen (Gold-, Hecke-, Galgen-, Erd- oder Alraunmännchen,
Alruniken), die unter dem Galgen aus dem Samen eines unschuldig Gehenkten entstanden sein sollten, putzte sie verschiedenartig heraus und stellte sie, in einem Kasten verwahrt, an einen geheimen Ort des Hauses, von wo man sie zu magischem Gebrauch (um Schätze zu heben, wahrzusagen etc.) hervorholte. Man setzte ihnen auch wohl von jeder Mahlzeit etwas zu essen und zu trinken vor, wusch sie Sonnabends in Wein und Wasser, zog ihnen an Neumonden frische Kleider an etc. Sie galten als Talismane gegen Krankheiten, brachten Glück in Prozessen, den Frauen Fruchtbarkeit und leichte Niederkünfte etc. Daher ward ein ordentlicher Handel mit solchen Wurzeln getrieben und das Stück bisweilen mit 60
Thlr. bezahlt. Statt der Mandragorawurzel wurde zu gleichem Zweck auch die Wurzel der Bryonia und von Allium victorialis benutzt. Ob das Dudaim des Alten Testaments (1.
Mos. 30, 14). auf Mandragora zu beziehen ist, dürfte fraglich sein.
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Weiterführende
Informationen
Charakteristik und Beschreibung (engl.)
Quellen |
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